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Schutz gegen Geld

16.11.2009 | 18:50 Uhr

Velbert. 44-jähriger Velberter muss sich auch wegen räuberischer Erpressung verantworten

Schutz versprachen sie. Geld nahmen sie. Vier Kickboxer, darunter ein 44-jähriger Velberter, müssen sich seit gestern wegen mehrerer schwerer Straftaten vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten. Die Anklage wirft ihnen unter anderem Betrug, räuberische Erpressung und Diebstahl vor.

Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstages stand eine Tat aus dem Jahr 2008. Damals soll der Velberter gemeinsam mit einem 31-jährigen Freund aus Wuppertal, einst hochdekorierter Kickboxer, einen Wuppertaler Schrottplatzbesitzer erpresst haben.

Der Metallhändler habe selbst um Hilfe gebeten, beteuerten die Angeklagten, gestanden aber ein, das Bedrohungsszenario aufgebauscht zu haben. „Wir kamen leider Gottes auf die Idee, ihm gegenüber alles noch dramatischer darzustellen”, gestand der Wuppertaler. Sie fingierten Anrufe und gaben sich als eine Kölner Schlägertruppe aus, die vorher tatsächlich den Schrottplatz heimgesucht hatte. Die Kölner hatten längst Ruhe gegeben. Die Boxer sollen 30 000 Euro gefordert haben, was sie bestreiten. 10 000 Euro erhielten sie tatsächlich.

Vor Gericht zeigten sich die stabilen Kerle als Ehrenmänner. Der Velberter gestand ein: „Ich hab' mich scheiße dabei gefühlt.” Der Wuppertaler bestätigte das und entschuldigte sich beim Schrotthändler: „Er ist ein netter Mensch, der so etwas nicht verdient hat.”

Beide wollen ihren Anteil des erpressten Geldes zurückzahlen. Der Velberter gab an, bereits 1500 Euro überwiesen zu haben. Den Rest wolle er in Raten abstottern.

Bleiben weitere schwere Straftaten. In Wülfrath sollen die Boxer einen Firmenbesitzer in einem ähnlichen Fall um 20 000 Euro geprellt haben. Gemeinsam mit den anderen beiden Angeklagten sollen sie sich außerdem als Staubsauger-Vertreter ausgegeben haben, um alte und geistig verwirrte Menschen auszurauben. Während einer scheinbar den Staubsauger reparierte, soll ein anderer zwischenzeitlich Geld und andere Wertgegenstände geraubt haben.

Verteidiger Jan Eils appellierte in einer Erklärung an das Gerechtigkeitsempfinden von Richtern und Öffentlichkeit. Einige Medien hatten zuvor von mafiösen Strukturen berichtet, nachdem ein Sondereinsatzkommando die Angeklagten im Juli 2008 in einer filmreifen Aktion in Wuppertal festgenommen hatte. Vermummte SEK-Beamte sprengten dabei die Eingangstür im Haus der Ex-Champions.

Ein Gespräch zwischen Verteidigung, Richtern und Staatsanwaltschaft endete ohne konkretes Ergebnis. Die Richter wollten sich nicht zum möglichen Strafmaß äußern. Eine Mindeststrafe von zwei Jahren sei wahrscheinlich. Eine Höchststrafe von 15 Jahren steht im Raum.

Das Urteil wird wahrscheinlich erst im Februar 2010 fallen. Nächster Verhandlungstermin ist am 24. November.

Arne Poll

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