Schulpfarrer brachte Ordnung in chaotisches Schularchiv

Hier herrscht Ordnung! Dank des Einsatzes von Frank Overhoff sind Bücher und Dokumente im Schularchiv nun schnell zu finden.
Hier herrscht Ordnung! Dank des Einsatzes von Frank Overhoff sind Bücher und Dokumente im Schularchiv nun schnell zu finden.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Frank Overhoff wollte ursprünglich nur selbst etwas im Archiv des Gymnasiums Langenberg nachschauen
  • Dann investierte er fünf bis sechs Jahre in das Sichten und Sortieren des Bestands
  • Das älteste Buch stammt aus dem Jahr 1522

Langenberg.  . Eigentlich hatte ihn nur die Frage, ob es am Gymnasium Langenberg auch jüdische Schüler gab, ins Archiv gebracht. Daran erinnert sich Schulpfarrer Frank Overhoff noch zu gut. „Hier lagen Bücher, Akten und irgendwas wild durcheinander und ich bin rückwärts wieder raus.“
Nun sah Overhoff zwei Möglichkeiten: „Entweder ich stelle fest, dass ich eine gute Frage habe, aber keine Möglichkeiten, sie zu beantworten, oder aber ich fange links oben im Archiv an und höre rechts unten auf.“ Da Frank Overhoff sich zu den neugierigen Menschen zählt, hat er sich für Möglichkeit zwei entschieden.

2009 ging der Kollege, der das Archiv im Gymnasium vorher führte in Pension und Overhoff übernahm die Rolle. Fünf bis sechs Jahre hat der Schulpfarrer sämtliche Unterlagen gesichtet, sortiert und mit Signaturen versehen.

Auch Stadtarchivar Christoph Schotten freut sich, dass die Schule ihr eigenes Archiv nun fertig gestellt hat. „Das ist nicht selbstverständlich, dass man das Archiv im eigenen Haus hat. Aber ich finde es für die Tradition der Schule sehr angemessen.“

In drei Bereiche ist das Archiv nun aufgeteilt. Den größten stellt das Gymnasium Langenberg, 1711 als Lateinschule gegründet, dar. Einen kleinen Teil von Unterlagen gibt es mit etwa 100 Archivarien vom Lyzeum. „Ein dritter Bereich ist die Fachliteratur, die den Lehrern ja schon immer zur Verfügung stand.“

Das älteste Buch ist von 1522

Stolz zeigt Overhoff das älteste Buch von 1522. „Es handelt sich hier um ein Buch von Erasmus von Rotterdam. Es hatte der damalige Rektor Ludwig Bender 1822 privat erworben und der Schule geschenkt.“ Dabei wären viele Unterlagen, wenn es nach dem Landschaftsverband Rheinland ging, im Müll gelandet. „Nach einem prüfenden Blick sagte die nette Dame, ich schätze, 80 Prozent können weg.“ Um zu vermeiden, dass wichtige Dokumente im Papierkorb verschwinden, sagte Frank Overhoff: „Das mache ich sofort, wenn Sie mir sagen, was ein Historiker in 200 Jahren für seine Recherche braucht.“ Da er keine Antwort erhielt, handelte Overhoff und die Unterlagen blieben.

Die Findbücher sind fertig gestellt. Jedes Dokument kann nun schnell und einfach gefunden werden. Auch Schulleiter Markus Ueberholz ist begeistert vom Archiv im eigenen Haus: „Die Geschichte unserer Schule ist ja ein elementarer Baustein, die eigene Geschichte ist ja keine Unwesentliche.“ Die neugewonnene Ordnung soll nun beibehalten werden. Eine Nachfolgerin für das Werk des Schulpfarrers ist auch schon gefunden worden: Christina Schumacher.

Seine Frage konnte Frank Overhoff übrigens dank des geordneten Archivs beantwortet: „Es waren 60 jüdische Schüler am Gymnasium.“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE