Schulen und Stadt Velbert wollen Schüler vor Leichtsinn im Netz schützen

Mit dem Smartphone ein aufreizendes Foto von sich selbst schießen und dann an den Freund schicken – das ist keine gute Idee, denn dieses private Bild kann ruckzuck auch bei anderen Leuten landen.
Mit dem Smartphone ein aufreizendes Foto von sich selbst schießen und dann an den Freund schicken – das ist keine gute Idee, denn dieses private Bild kann ruckzuck auch bei anderen Leuten landen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
So genannte Selfies sind ein Problem, wenn sie zu privat sind – und trotzdem verschickt werden. Gerade wenn Kinder oder Jugendliche dies tun. Deshalb gibt es an Velberter Schulen Berater, die Kinder auf dem Weg durch die digitale Welt begleiten.

Velbert..  Mal schnell ein Selbstpotrait mit dem Smartphone geschossen und versendet: Die so genannten Selfies erfreuen sich in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter aber auch als Nachricht bei Whats­app gerade bei Jugendlichen großer Beliebtheit. Nicht selten werden dabei auch Fotos in Unterwäsche oder aufreizenden Posen versendet, Sexting genannt.

Nicht immer ist das ungefährlich. Die Fotos landen oft nicht nur als Nachricht beim Freund sondern können problemlos an jeden X-Beliebigen weitergeleitet werden. So werden eigentlich private Aufnahmen öffentlich. Clemens Zörner, Lehrer am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium (NEG) hat aber bislang noch nicht gehört, dass es an seiner Schule zu Problemen gekommen ist. „Bei uns ist die Benutzung von Handys und Smartphones komplett untersagt.“ Und das nicht nur im Unterricht, sondern auch in den Pausen. „Wenn wir einen Schüler mit einem Smartphone entdecken, wird es ihm abgenommen.“ Unter anderem sind eben diese kursierenden Selfies ein Grund für die Maßnahme.

Zudem gibt es schon seit vielen Jahren am NEG eine Medienkompetenzberatung. „Diese findet in regelmäßigen Abständen von externen Beratern für Schüler der siebten und achten Klassen statt.“ Dann werden die Schüler einen ganzen Tag komplett vom Unterricht freigestellt. „Natürlich werden die Inhalte den aktuellen Begebenheiten immer wieder angepasst“, so Zörner. Auch die Eltern werden bei einem Informationsabend über aktuelle Medien informiert. „Beispielsweise wissen viele gar nicht, dass Whats­app erst ab 16 ist. Das steht in den AGBs. Die liest sich aber niemand durch.“

Nicht leichtsinnig posten

Johannes Berlau, verantwortlich für den Bereich erzieherischer Kinder- und Jugendschutz der Stadt Velbert, sieht eine größere Gefahr im Portal you­know.de. „Hier schicken Jugendliche und sogar Kinder ihre Livestreams raus“, erklärt er. Hier könnten „auch Päderasten auf die Videos zugreifen.“ Bislang gebe es zwar keine konkreten Meldungen für Velbert, dennoch warnt der Experte davor, leichtsinnig Videos ins Internet zu stellen.

Ein Grund dafür, weshalb Kinder und Jugendliche sich aufreizend zeigen „ist grundsätzlich Anerkennung. Sie sehen das Streaming oder auch die Sextingfotos als eine Möglichkeit, sich positiv zu präsentieren und positives Feedback zu bekommen“, so Berlau. Bei Facebook möchten die Teens etwa möglichst viele „Freundschaften“ und „Likes“ sammeln. Doch nicht nur die Gefahr, pädophile Menschen auf sich aufmerksam zu machen, droht in sozialen Netzwerken. „Ein anderer Bereich ist Cybermobbing, das teilweise schwere Depressionen zu Folge haben kann.“ Für Jugendliche sei das Internet keine virtuelle Welt, sondern eine eigene Realität. So rät der Experte auch, dass die Eltern ihren Kindern den Umgang nicht verbieten sollten. „Dadurch wird der Reiz nur noch größer und es besteht die Gefahr, dass sie uninformiert an die Medien herangehen.“ Optimal wäre es, wenn „man als Eltern die Kinder fragt, ob sie ihnen das Medium erklären und zeigen können und die Thematik dann gemeinsam erarbeitet.“