Schüler erforschen Physik mit „Miniphänomenta“

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Was wir bereits wissen
An 30 Stationen erforschen Schülerinnen und Schüler der Sonnenschule bei dem Projekt „Miniphänomenta“ naturwissenschaftliche Phänomene. Es darf experimentiert werden, die Lehrer erklären nichts.

Neviges..  Wie soll man bloß ein Gerät nennen, das aus zwar nur drei bunten Scheiben besteht, mit dem man aber unendlich viele Farben zaubern kann? Georgios (11) denkt kurz nach, dann kommt ein entschiedenes: „Farbrausch-Maschine.“ Nick (10) ist nicht überzeugt: „Naja, ist ja keine richtige Maschine.“ In einem sind sich die beiden Jungforscher jedoch einig: Das Projekt „Miniphänomenta“ ist „eine coole Idee“, so Nick. Kollege Georgios nickt: „Da kann man Experimente machen, die man noch nie gemacht hat.“

Dazu haben die Schülerinnen und Schüler der Sonnenschule seit zwei Wochen jede Menge Gelegenheit: Die ersten vier Unterrichtsstunden erkunden sie die insgesamt 30 Stationen, die im ganzen Schulgebäude aufgestellt sind. Es geht um die spielerische Erforschung von Klang, von Schwerkraft, eben um Physik.

Und die Lehrer? Die dürfen nur von weitem zuschauen. Und ein Auge darauf werfen, dass die schwere Holzkugel nicht aus Versehen auf einen zarten Kinderfuß knallt. „Und Eltern machen auch mit, das ist nett“, sagt Nick anerkennend. Wobei er mit „mitmachen“ die physische Anwesenheit meint. Denn auch für Mütter gilt: Jegliches Einmischen ist absolut verboten. Was die kleinen Forscher durch die Bank hindurch begeistert. „Cool, dass die Lehrer nichts erklären, dass wir hier alles selbst ausprobieren können“, meint Mara, die zusammen mit Marieza schnell herausgefunden hat, wie der Hase läuft am „Sandpendel“, wie sie ihre Station kurzerhand nennen: „Wir haben festgestellt, dass das erst Striche sind und später Kreise kommen“, sagt Marieza mit ernster Miene, und Forscherkollegin Mara ergänzt: „Das hängt von der Länge des Pendels ab.“

Nebenan geben sich Birte und Luca die Kugel. Die ist aus Holz und rollt träge über zwei Metallstäbe, deren Enden die beiden in den Händen halten. „Wenn man die Stäbe mehr zusammen macht, rollt die nach unten“, stellt Birte fest. Also könnte man das Gerät , so Birte, „Ball-Komm-Maschine“ nennen.

„Wir haben absichtlich vermieden, den korrekten Namen der Stationen zu nennen, weil den Kindern damit ja bereits eine Richtung vorgegeben wird. Hören die Elektromagnet, dann wissen sie schon, um was es sich handelt“, so Schulleiterin Christa Schreven. Denn darin liege ja gerade der Reiz von „Miniphänomenta“: Staunend, spielerisch und völlig unvoreingenommen physikalische Phänomene zu erkunden – wenn es sein muss, auch mit kaputten Flip-Flops.

Experiment mit Flip-Flops

Immer wieder hauen Lena und Till mit den Gummischlappen auf die Öffnungen mehrerer Rohre. „Bei den langen Rohren hört sich das tief und lauter an, bei den kurzen kommt ein kleines, helles Plopp“, diagnostiziert Till. Wichtige Erkenntnisse, die natürlich dokumentiert werden müssen, daher muss Till mal schnell losflitzen. Lena: „Der holt das Forscherheft, hoffentlich denkt er an zwei Stifte.“

Noah, Fynn und Max W. – „Schreiben Sie bitte Max W., es gibt noch einen anderen Max, der hat längere Haare“ – döppen derweil leere Flaschen ins Wasser und picken damit Tischtennisbälle auf. Wieder aus dem Wasser herausgezogen, ist es die kleinere Flasche, die den Ball schneller verliert: „Da ist weniger Luft drin, das kann nur daran liegen“, überlegt Noah. Nebenan unterhalten sich Maximus und Tobias mittels „Schlauchtelefon“, und Greta, Sarah und Davy wundern sich, dass sie nur noch das Kreuz an der Tafel sehen und der Punkt daneben verschwindet, wenn sie sich das rechte Auge zuhalten und konzentriert auf das Kreuz schauen.

Freitag beim Schulfest, das dieses Mal „Fest der Forscher“ heißt, werden die kleinen Wissenschaftler ihre Eltern in die Geheimnisse der Physik einweihen. Dann gibt’s natürlich auch jede Menge Kuchen und Kakao. Der schmeckt immer – warum, ist ganz egal.