Schlösser aus Velbert für die weite Welt

Sie stellen gemeinsam die Ausstellung auf die Beine: Jana Moers und Reiner De Bruyckere.
Sie stellen gemeinsam die Ausstellung auf die Beine: Jana Moers und Reiner De Bruyckere.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Neue Sonderausstellung im Fachmuseum nimmt Export und Handlungsreisende in den 1920er Jahren in den Blick. Fabrikanten zogen aus der Region in die Ferne.

Velbert..  Man muss es heutigen Velbertern erklären: Es gab tatsächlich Zeiten, da hatte die Stadt einen Eisenbahn-Anschluss und mittendurch rumpelte eine Straßenbahn. Allerdings kannte man da weder Telefon noch Worldwide-Web. Wer weit jenseits der Stadtgrenzen Geschäfte machen, seine Kunden pflegen oder neue akquirieren wollte, der musste „Von Velbert in die Welt“. Davon erzählt die nächste Ausstellung im Schloss- und Beschlägemuseum.

Wer die Schau würdigen möchte, der sollte sich z. B. den kreativ-liebevoll gestalteten Reisepass genau anschauen, der als Eintrittskarte fungiert. Oder noch besser: Beim Aufbau Mäuschen spielen. Denn bei der Gestaltung mischt einmal mehr Reiner De Bruyckere mit. Der vormals langjährige Museumsmitarbeiter hat schier unerschöpfliche Ideen und ein Händchen dafür, mit recht einfachen Mitteln und überschaubarem Budget Überzeugendes auf die Beine zu stellen.

Das aktuelle Ausstellungsgespann komplett macht Jana Moers. Studierte Historikerin und seit März 2014 – für zwei Jahre – als Volontärin im Haus. Eine eigene Ausstellung zu kuratieren bzw. zu betreuen, sei zwar kein Muss, „aber eine richtig schöne Sache. Man lernt so unglaublich viel dabei. Das ist quasi mein Gesellenstück“, sagt die 27-Jährige. Sie sieht ihre berufliche Zukunft im Bereich Museum bzw. in der Museumspädagogik.

Firmen-Geschichte erforscht

Gut zehn Jahre sei es her, berichtet Moers, dass der Sohn von Hermann Homann mit Reisepässen seines Vaters ins Museum gekommen sei und gemeint habe, daraus könne man doch wohl was machen. Konnte man. Und hat man jetzt auch. Besagter Hermann Homann war Chef der kaufmännischen Abteilung und später Prokurist in der Schloss- und Metallwarenfabrik Peter Metz, die im Mittelpunkt der Ausstellung steht. Sie hatte damals ihren Standort an der heutigen Sternbergstraße und wurde 1931 liquidiert. Im Jahr 1926 fuhr Homann für seine Firma bis nach Finnland, in die baltischen Länder, nach Ägypten, Griechenland, Rumänien und nach Bulgarien. Die Geschichte der Firma – „Metz hatte keine Nachkommen und war wirklich wie ein Phantom, das war unglaublich viel Recherche“ – und die Fahrt ihres Handlungsreisenden werden in einer multimedialen Installation gezeigt.

Gleich hinterm Eingang, als Einführung in die Ausstellung, verführt ein Bullauge zu einem Blick auf die (filmisch) bewegte See. Und „im“ Eisenbahnwaggon gibt es historisches Material aus dem Velbert der 20er Jahre zu sehen, das – da ist sich Jana Moers reichlich sicher – viele noch gar nicht kennen.