Schemken war für Verhüllung des Reichstages

Der Künstler Christo vor dem Modell des von ihm verhüllten Reichstages in Berlin.
Der Künstler Christo vor dem Modell des von ihm verhüllten Reichstages in Berlin.
Foto: imago/epd
Was wir bereits wissen
Vor 20 Jahren verhüllte Christo den Reichstag. Der Velberter Ex-Bundestagsabgeordnete Heinz Schemken plädierte damals für die umstrittene Kunstaktion. 20 Litografien von Christo gingen an das Kunsthaus Langenberg.

Velbert..  Heute vor 20 Jahren begann das Zwei-Wochen-Spektakel: Die Verhüllung des Reichstages in Berlin. Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude schuf ein Ausnahmewerk im öffentlichen Raum.Die Beiden gaben nie auf. Von 1971 bis 1995 dauerte es, bis ihr Traum Realität wurde. Dieses zeitlich begrenzte Kunstwerk wurde weltweit bekannt und gab auf eindrucksvolle Weise dem Neuanfang der Deutschen ein strahlendes Gesicht.

Freiheit ist Feind des Besitzes

Heinz Schemken, unser langjähriger Bürgermeister und zum Zeitpunkt der Reichstagsverhüllung Abgeordneter im Bundestag, erinnert sich: „Ich war von Anfang an dafür. Noch im Juni 1995 war der Reichstag ein Provisorium, und doch fanden Sitzungen des Deutschen Bundestages dort statt.“ Heinz Schemken, CDU-Mann, in seiner Partei herrschte Pro und Contra, war einer der 292 Abgeordneten, die das Projekt wollten und er sagt heute spontan, was er damals dachte: „Dieses Kunstprojekt war eine gute Sache. Eine Sache des Miteinanders. Ein außergewöhnlicher Vorgang starker Aufmerksamkeit in der Mitte Deutschlands. In Berlin. Kunst ist nicht nur Kultur im weitesten Sinne. Kunst ist ein Stück Kultur des Miteinanders. Kunst ist Kitt der Gesellschaft.“Es ist nicht zu hoch gegriffen, das Kunstwerk als eines der wichtigsten und aussagekräftigsten weltweit zu sehen.

Christo erläuterte es so: „Niemand kann diese Projekte kaufen, niemand sie besitzen, niemand kommerzialisieren, niemand kann Eintritt für ihre Besichtigung verlangen - nicht einmal uns gehören diese Werke. Unser Werk handelt von Freiheit, und Freiheit ist der Feind allen Besitzanspruchs, und Besitz ist gleichbedeutend mit Dauer. Darum kann das Werk nicht dauern.“ Das Projekt war superlativ. 109 400 Quadratmeter Gewebe, aluminium-bedampft, 15 600 Meter blaues Seil und 200 Tonnen Stahl für die Unterkonstuktion wurden benötigt. Die Verhüllung war nicht mit Maschinen geplant, sondern wurde von 90 professionellen Kletterern erledigt. Alles Handarbeit. Etwa fünf Millionen Menschen sahen den verhüllten Reichstag.

Norbert Bauer, Velberter Objekt-Künstler, hätte zur Grundsteinlegung des Kunsthauses Langenberg vor 20 Jahren gerne Cristo (das war noch vor der Reichstagsverhüllung) dabei gehabt. Christo sagte ab. Aber 20 signierte Lithografien stellte der Reichstagsverhüller zur Verfügung. Eben mal 10 000 Euro für die Kunst in Velbert.