Rudolf Flicker war Velberts großer Musiker

Ein Dirigent mit Ausstrahlung: Rudolf Flicker, der 1999 in Velbert starb.
Ein Dirigent mit Ausstrahlung: Rudolf Flicker, der 1999 in Velbert starb.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ende vergangenen Jahres wäre Rudolf Flicker 100 Jahre alt geworden. Der gebürtiger Soesterbestimmte über Jahrzehnte maßgeblich das Musikleben in der Stadt

Velbert..  Große Musiker, und unter ihnen die großen Dirigenten umgibt häufig eine ganz besondere Aura. Befragt man Zeitzeugen, so muss das auch bei Rudolf Flicker so gewesen sein. Flicker, der Ende vergangenen Jahres seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, spielte über Jahrzehnte „eine herausragende Rolle im künstlerischen Leben der Stadt“. So schreibt es der Musikpädagoge und Publizist Klaus Saeger, der Flicker mit einem detaillierten Artikel in der Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins ein Denkmal gesetzt hat.

Teilnahme am Frankreichfeldzug

Geboren wurde Flicker 1914 in Soest als Sohn eines Seminarlehrers, dessen berufliche Entwicklung die Familie 1923 nach Barmen führte, wo er für die Rheinischen Missionsgesellschaft arbeitete. Bis zum Abitur 1934 besuchte Rudolf Flicker hier das Gymnasium, und Saeger geht davon aus, dass er hier wichtige Impulse erhielt für eine „Hinwendung zur Musik“. Parallel hierzu erhielt er Unterricht bei dem Wuppertaler Musikdirektor J. Arnold in den Fächern Klavier, Orgel, Theorie – später noch Geige und Bratsche. „In diesem Zeitraum muss sich verstärkt der Wunsch nach einem Musikerberuf entwickelt haben“, schreibt Saeger. Arnolds Tochter wurde später Flickers Frau.

Das Studium an der Musikhochschule Köln wurde durch den Wehrdienst unterbrochen, nach Ausbruch des Weltkriegs nahm der Student am Frankreichfeldzug teil. Am Ende geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, kehrte mit seiner Frau nach Wuppertal zurück und konnte kurz nach dem Krieg am Theater als Kapellmeister und Korrepetitor tätig werden. Dazu kam freie Mitarbeit in Solingen und Remscheid.

1954 verließt Flicker Wuppertal, um sich in Langenberg als Leiter des Bürgerhaus-Chores beruflich neu auszurichten. Der 1848 gegründete Chor arbeitete in jenen Tagen bereits mit der Konzertgesellschaft Velbert bei musikalischen Großprojekten zusammen – die Konzerte waren nach Aussage des Chronisten Saeger „Höhepunkte des kulturellen Lebens in beiden Städten“. Die Bochumer Sinfoniker begleiteten diese Projekte als kompetentes Berufsorchester.

Somit war großes Repertoire möglich – Flicker führte zum Antritt 1954 Bachs „Magnificat“ und Händels „Dettinger Tedeum“ auf. Zusätzlich zum Bürgerhauschor bekam Rudolf Flicker die Leitung des Streichorchesters. Noch im selben Jahr übernahm er auch in velbert die Leitung den Chor der Konzertgesellschaft, so dass er nun alle anspruchsvollen Oratorienkonzerte der klassisch-romantischen Epoche angehen konnte.

Vom großen Karrieresprung berichtet Klaus Saeger für das Jahr 1959. In Nachfolge von Dr. Hero Folkerts wurde Flicker Leiter der Musikschule und Musikreferent der Stadt Velbert. Letzterer Aufgabe eröffnete Flicker die Möglichkeit, die städtischen Musikveranstaltungen zu organisieren; sämtliche Konzertprogramme konzipierte er, setzte mit den Jahren auch öfter zeitgenössische Musik auf den Plan. Als Dirigent leitete er auch Konzerte mit auswärtigen Orchestern.

Zwar schlug sich Flicker als Musikschulchef mit logistischen Problemen herum, zumal anfangs kein zentraler Unterrichtsort zur Verfügung stand und in zahlreichen Schulen in der Stadt Musikunterricht erteilt wurde. Doch als Erfolg war es zu verbuchen, dass ab 1960 die Schülerzahlen bei rund 800 lagen – in immerhin 89 Instrumentalklassen.