Rosenmontagszug in Velbert kommt nicht in die Gänge

Rosenmontagszugleiter Michael Schmidt im Einsatz. Es wird schwerer, Vereine zum Mitziehen zu gewinnen.
Rosenmontagszugleiter Michael Schmidt im Einsatz. Es wird schwerer, Vereine zum Mitziehen zu gewinnen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Zahl der Anmeldungen geht zurück, (kommunal-)politische Themen finden sich kaum wieder: Ein Gespräch mit dem Velberter Rosenmontagszug-Leiter Michael Schmidt.

Velbert..  In der Karnevalshochburg Köln wird es am Rosenmontag keinen Persiflagewagen geben, der den Anschlag auf das Magazin Charlie Hebdo thematisiert. In Velbert tun sich die Führungsnarren nicht eben leicht, überhaupt einen ausgewachsenen Zug zu organisieren. Bis kurz vor dem Termin am 16. Februar ackert Michael Schmidt für die Aufstellung. Mit dem Rosenmontagszugleiter sprach WAZ-Redakteur Matthias Spruck.

Eine aktuelle Wasserstandsmeldung zum Höhepunkt des Straßenkarnevals bitte, Herr Schmidt.

Der Zug steht noch nicht, ich warte noch auf einige schriftliche Anmeldungen – es wird aber schon werden. Hoffentlich spielt das Wetter mit, dass auch die Cabrios mitfahren können. Die Tage haben wir Kontakt zum Wetteramt, dann gibt es belastbare Ansage, ob den Narren die Sonne scheint.

Woran liegt es, dass die Zusagen wenige Wochen vor dem großen Ereignis noch nicht da sind?

Es liegt an den Vereinen, die nur noch schwierig zu motivieren sind. Der Aufwand für eine Teilnahme am Zug ist hoch, das scheuen insbesondere kleine Vereine. Früher waren es manchmal acht Bürgervereine, die sich eingereiht haben mit Motivwagen oder Truppen; im vergangenen Jahr war es nur noch die Siedlergemeinschaft Langenhorst.

Unser Eindruck von den Velberter Zügen der letzten Jahre: Politische Inhalte nehmen ab.

Das bedauere ich auch sehr. Ich erinnere mich an einen Zug, wo ich im Vorfeld einen Motivwagen nicht zugelassen habe. Das war jener der Initiative Pro Nizzabad, wo eine Woche später der Entscheid lief. Da war mir die zeitliche Distanz zu gering, da wäre der Rosenmontagszug als Werbemaßnahme der Initiative missbraucht worden. Aber ich sage deutlich: Durch die Auseinandersetzung mit kommunalpolitischen Themen gewinnt so ein Rosenmontagszug richtig Attraktivität. Man denke etwa an die Realschule in Tönisheide: Das wäre doch aktuell ein zündendes Thema für Velberter Narren.

Sie sind ja auch Ratsherr der CDU. Gibt es Empfindlichkeiten der Kommunalpolitik gegenüber dem Karneval?

Ach nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Kollegen aus den Parteien und Wählergemeinschaften betrachten es als Ehre, sollten sie sich im Karneval wiederfinden.

Wie hätten Sie sich verhalten, wenn etwa eine Velberter Karnevalsgesellschaft den Anschlag auf das Pariser Satiremagazin Charlie Hebdo thematisiert hätte?

Velbert ist nicht Köln. Dort haben die Vereine ganz andere Möglichkeiten, Wagen zu bauen und Figuren zu entwerfen. Die Absage des dortigen Festkomitees fand ich unglücklich: einerseits das Bekenntnis zur Botschaft des Karnevalswagens, der ja bereits fertiggestellt war, und dann das Einknicken vor Rückmeldungen besorgter Bürger und deren Wunsch, sorgenfrei feiern zu können. Für einen knackigen Rosenmontagszug in Velbert sage ich: Ich nähm’ Charlie Hebdo sofort!