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Schicksal

Rentnerin steckt zehn Stunden im Fahrstuhl fest

11.02.2010 | 10:26 Uhr
Rentnerin steckt zehn Stunden im Fahrstuhl fest

Velbert. Zehn Stunden musste eine 69-jährige Rentnerin in Velbert in ihrem Haus im Fahrstuhl ausharren. Die Tür des Liftes ließ sie nicht mehr öffnen und der Kontakt zur Notrufzentrale schlug fehl. Erst am Morgen wurde die am ganzen Körper zitternde Frau befreit.

„Ein kleiner Spaziergang vor dem Schlafengehen tut gut“, dachte sich  Waltraud Schultze am vergangenen Montagabend. Doch  ganz so harmonisch, wie sie sich den Ausflug vorstellte, war er nicht. Auf dem Weg zurück in die Wohnung ereignete sich für die 69-Jährige die schlimmste Situation seit langem - die Fahrstuhltür ließ sich am Ende der Fahrt nicht mehr öffnen.

„Er ist immer nur nach oben und unten gefahren“, sagt Waltraud Schultze immer noch angespannt. „Dann habe ich den Notknopf betätigt, hörte aber nur eine Stimme, die sagte: ,Bitte drücken sie nach zwei Sekunden den Knopf, dann werden sie mit der  Notrufzentrale verbunden!’“. Doch ein Kontakt zur Zentrale kam nicht zustande, und die Rentnerin musste gut zehn Stunden in ihrer Stahlbox ausharren. „Ich habe während des Fahrens in jeder Etage versucht, die Tür zu öffnen. Irgendwann gibt man aber auf“, so die allein lebende Seniorin. Und dann fiel auch noch das Licht aus: „Da habe ich panische Angst bekommen. Ich dachte, ich müsste sterben.“

Hohes Schlaganfallrisiko

Die Angst Waltraud Schultzes ist auch nicht unbegründet. Sie nimmt Tabletten gegen erhöhten Blutdruck und hat bereits einen Schlaganfall hinter sich. Nach einer für sie endlos erscheinenden Nacht wurden die verzweifelten Rufe der Eingeschlossenen am nächsten Morgen endlich erhört. Nachbarn alarmierten die Feuerwehr. „Niemand kann sich vorstellen, was für eine Erleichterung das ist, wenn sich die Fahrstuhltür auf einmal öffnet“, sagt die Rentnerin.

Weinend und am ganzen Körper zitternd bekam sie Beruhigungsmittel. Ihr Arzt stellte später einen Puls von 190 Schlägen pro Minute fest und diagnostizierte ein akutes Schlaganfallrisiko. „Die Beruhigungsmittel haben aber nur für den Moment geholfen. Jedes Mal, wenn ich den Fahrstuhl sehe, muss ich weinen“. Doch ohne Fahrstuhl wären  in ihrem Wohnhaus am Kostenberg unüberwindliche 140 Treppenstufen bis in den sechsten Stock zu bewältigen. Waltraud Schultze ist zudem auf einen Rollator angewiesen.

"Die Technik hat funktioniert"

Die Nacht im Fahrstuhl – Schicksal oder vermeidbarer technischer Fehler? „In dem  Fall von Waltraud Schultze war der Stellmotor der äußeren Schachttür defekt. Somit ließ sich die Tür nicht mehr öffnen“, hat André Clasen, Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft  (Wobau), ermitteln lassen. Ein technischer Defekt könne jederzeit auftreten, obwohl die Aufzüge regelmäßig nach strengen Kriterien gewartet werden. „Es gibt ein Aufzugsbuch, in dem eingetragen wird, wer, wann, was, wie gemacht hat“, so Clasen. Sollte trotz der Wartungen der Fahrstuhl stecken bleiben, so gibt es immer noch den Notruf.

Doch in der Notrufzentrale hat sich bei der 69-Jährigen niemand gemeldet. „Die Technik hat funktioniert. Wir haben die Gegensprechanlage überprüft“, bestätigt der Geschäftsführer. Jetzt müsse geklärt werden, warum die Seniorin keinen Ansprechpartner hatte und warum nach Eingehen des Notrufes keine Rettungsmaßnahmen getroffen wurden. Aber viel schlimmer scheint die Tatsache, dass die nächtlichen Rufe von den Nachbarn durchaus gehört wurden, wie Andre Clasen bestätigt. Der Wobau-Geschäftsführer bedauert diesen Umstand ganz besonders. Waltraud Schultze möchte jetzt eine Wohnung im ersten Stockwerk beziehen. So wäre sie künftig nicht mehr auf einen Fahrstuhl angewiesen.

Susanne Kollmann

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