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Rente

Rente: Jetzt und übermorgen

06.09.2012 | 18:27 Uhr
Rente: Jetzt und übermorgen
Die beiden Friseurinnen Ann-Kathrin Hemmer und Sonja Wenzel sprechen im Friseursalon Marwinske über Rente und Altersvorsorge.Foto: Peter Sieben

Für die einen ist Altersarmut schon Realität, für die anderen klingt Ruhestand noch nach Zukunftsmusik: Junge und Alte erzählen von Ängsten und Hoffnungen

80 Cent kostet eine große Tasse Kaffee bei der Awo an der Friedrich-Ebert-Straße. Klingt günstig, doch Ingeborg Belmer überlegt zwei Mal, bevor sie beim Senioren-Café noch eine Tasse bestellt. Die 71-Jährige lebt von „weit, weit unter 1000 Euro“ Rente im Monat, wie sie sagt. Die genaue Summe will sie nicht nennen, es ist ihr unangenehm; und eben deshalb ist hier auch nicht ihr richtiger Name abgedruckt – Ingeborg Belmer ist ein Pseudonym.

Unterhalb der Armutsgrenze

Jahrzehnte hat die Witwe als Verkäuferin im Einzelhandel gearbeitet, „jetzt habe ich trotzdem den Salat“, sagt sie. Von ihrem kleinen Einkommen muss sie ihre Miete bezahlen, Gas, Wasser, Strom – viel zum Leben bleibt da nicht übrig. Die anderen Seniorinnen hier in der Runde erzählen Ähnliches, die Diskussion um zu wenig Rente und Altersarmut ist für sie Wirklichkeit. So wie für Ingeborg Belmers Sitznachbarin, die 45 Jahre Sekretärin war und dennoch mit ihrer Rente deutlich unterhalb der Armutsgrenze lebt, die bei etwa 900 Euro liegt. Oder die Dame links am Tisch, die kein Wohngeld beantragen will, „weil ich dann alles offenlegen müsste“. Dabei hätten sie es noch gut, darin sind sie sich einig. „Die jungen Menschen bekommen ja irgendwann fast gar keine Rente mehr“, sagt eine, und die anderen stimmen ein, schimpfen auf leere Versprechungen der Politiker und „Frau von der Leyen, die keine Ahnung vom Leben hat“.

Altersvorsorge ist noch kein Thema

Sonja Wenzel gehört zu den jungen Menschen, die irgendwann vielleicht fast gar keine Rente mehr bekommen. 2042 wird die Friseurin in den Ruhestand gehen – wenn alles glatt läuft. Den Rentenbescheid, den sie kürzlich erhielt, „habe ich gar nicht ganz ernst genommen“, erzählt sie. „100 Euro und ein paar Zerquetschte“ bekomme sie dann pro Monat. Dabei arbeitet sie seit 20 Jahren in ihrem Beruf, jetzt als Teilzeitkraft im Salon Marwinske an der Kolpingstraße. „Vollzeit geht nicht, meine Kinder brauchen mich im Moment noch“, sagt die 37-Jährige. Die Entlohnung hier sei fair, 551 Euro netto verdient Wenzel, „für eine private Altersvorsorge reicht das kaum“. Zum Glück verdiene ihr Mann gut, außerdem wolle sie bald mehr arbeiten, „dann sieht’s hoffentlich anders aus.

Für ihre Kollegin Ann-Kathrin Hemmer ist Rente noch überhaupt kein Thema. Die 16-Jährige steigt gerade erst ins Berufsleben ein, hat Anfang August direkt nach dem Realschulabschluss ihre Ausbildung begonnen. Friseurin sei ihr „absoluter Traumberuf“, sagt sie. Über Altersvorsorge habe sie noch nie nachgedacht, „das ist ganz weit weg für mich“. Doch irgendwann kommt das Thema, weiß ihr Chef Jörg Marwinske. Gerade in seiner Branche gebe es einen sehr hohen Frauenanteil – Karriere-Unterbrechungen etwa durch Schwangerschaft seien da programmiert, sagt er: „Dann fehlen auch die Rentenbeiträge.“ Und die fallen bei 1300 Euro, die ausgelernte Gesellen nach NRW-Tarif bekommen, ohnehin nicht hoch aus. Von den viel diskutierten 2500 Euro Bruttolohn, die Arbeitnehmer verdienen müssen, um ab dem Jahr 2030 eine Rente in Höhe von 688 Euro zu bekommen, sind normale Friseurgehälter jedenfalls weit entfernt. Marwinske, der selbst Meister ist, seinen eigenen Salon im eigenen Haus führt und außerdem als Honorardozent tätig ist, sieht der Rente einigermaßen gelassen entgegen. „Es kommt immer auf die Möglichkeiten an, die man hat, und ein bisschen auch auf den persönlichen Ehrgeiz“, findet er. Am Ende wird’s wohl für manche trotz Ehrgeiz nicht reichen.

Von Peter Sieben

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Kommentare
07.09.2012
08:19
Rente: Jetzt und übermorgen
von tojemirija | #2

Viel, die heute wenig Rente haben sollen mal überlegen, ob sie bei den Frauen waren, die sich in den 70-ziger Jahren ihre Rentenanteile haben auszahlen lassen( das konnte man damals mal) und ob sie immer Jobs hatten bei denen sie alles versteuert haben, oder ob sie während die Kinder klein waren "Schwarzarbeit" gemacht haben (das war früher auch so eine Unsitte). Oder ob sie überhaupt 35 Jahre zusammen gekriegt haben mit ihreer Beitragszeiten.
Vieles trägt zu einer geringen Rente bei!!!

06.09.2012
22:19
Weiter so
von bayou | #1

Dax-Chefs rücken zu globalen Spitzenverdienern auf
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/managergehaelter-dax-chefs-ruecken-zu-globalen-spitzenverdienern-auf-11695454.html

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