Renate Handge aus Velbert gewinnt Literaturpreis

Die Autorin Renate Handge aus Tönisheide hat einen Preis gewonnen. Eine Kurzgeschichte konnte sich in Meerbusch durchsetzen.
Die Autorin Renate Handge aus Tönisheide hat einen Preis gewonnen. Eine Kurzgeschichte konnte sich in Meerbusch durchsetzen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Meerbuscher Literaturpreis 2015 geht an die Nevigeserin Renate Handge. Aus über 1300 Einsendungen: Politisch dicht geschrieben, überzeugte sie die Jury.

Neviges..  Ihre packende Kurzgeschichte, „Das Licht der Freiheit“, hat die Jury überzeugt. Der 3. Meerbuscher Literaturpreis geht nach Neviges. Renate Handge wurde aus etwa 1300 Einsendungen ausgewählt. In der Kategorie Lyrik und Prosa unter dem Motto Licht schrieb sie sich ganz nach vorn.

Die Ich-Erzählerin in ihrer Kurzgeschichte war wegen versuchter Republikflucht zu langen viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Renate Handge versteht es, in verdichtetem Text Sätze zu finden, die das Licht der Freiheit im dunklen Kerker eines Unrechtsstaates zum Symbol werden lassen. In ihrer Geschichte gibt Handge der eingesperrten Frau im Dunkeln und mit einem Bleistiftstummel den Mut, zu schreiben: „Das Licht der Freiheit wird eines Tages eure Ideologien überstrahlen. Sie werden lodernd brennen auf dem Scheiterhaufen der Geschichte, bis sie zu Asche zerfallen.“ Diese und andere aufgeschriebene Sätze versteckte die Protagonistin sorgfältig. Und doch sagt sie: „Mein Versteck flog auf.“

Zwei Wochen wurde sie in eine völlig abgedunkelte Zelle gesperrt. Danach brachte man sie in ihre alte Zelle zurück. Doch es blieben ihr nur noch Tisch, Stuhl und Bett sowie das Waschbecken und die Toilette. Bücher, Stifte, das Radio und einige persönliche Gegenstände gab es nicht mehr. Fragen blieben ohne Antwort. Ein Aufseher gab ihr barsch zu verstehen: „Gefangene Nummer 2768, sei froh, dass dir überhaupt ein Stuhl genehmigt worden ist.“ Eindringlich beschreibt Renate Handge die weitere Haftzeit der Hauptperson, die im Dunkeln dahinvegetiert, mit sich selbst spricht, weil es sonst niemand tut, keine Post bekommt, keinen Hofgang mehr erhält, nicht zum Arbeiten eingeteilt wird, aber immer „das Licht der Freiheit“ in ihrem Inneren trägt. „Unerwartet öffneten sich eines Tages die Gefängnistore für alle politisch Gefangenen“, schreibt Handge einen der letzten Sätze ihrer Kurzgeschichte.

Geburtstag am 9. November

. Schlagbäume wurden geöffnet und Mauern eingerissen. Seitdem, ist der Befreiten klar, „seitdem feiere ich jedes Jahr am 9. November meinen Geburtstag.“

Soweit die Kurzgeschichte, die den Leser bis zur letzten Zeile atemlos lesen lässt und eine Jury in Meerbusch veranlasst hat, ihr die „Krone“ aufzusetzen.

Renate Handge lebt seit etwa 20 Jahren in Tönisheide. Nach vierzigjähriger Berufstätigkeit als Beamtin in den verschiedensten Bereichen der Justiz, erzählt sie, finde sie jetzt im Ruhestand Zeit und Muße, Gedichte und Geschichten zu schreiben, von denen eine große Anzahl in Anthologien veröffentlicht wurden.

„Schon immer habe ich Gedichte geschrieben.“ Nach meiner Pensionierung hatte ich mehr Zeit, sagt sie. „Alsbald kamen auch Kurzgeschichten hinzu.“ 2012 war das Jahr mit der ersten Veröffentlichung – das Gedicht „Sonntag“ in einer Anthologie .