Reinhard Fingerhuts drittes Leben

Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Acht Jahre lang war er Velberts Stadtdirektor, danach in der Energieversorgung tätig. Nach einem Studium lebt der 67-Jährige Jurist Dr. Reinhard Fingerhut heute als Künstler.

Langenberg..  „Ich glaube, so voll war es noch nie bei einer Vernissage.“ Achim Peter, Gründungsmitglied des Kunsthausvereins Langenberg, zeigte sich begeistert von der Besucherschar, die den Weg zur Ausstellungseröffnung „Second Life – Narrative Bildwelten“ von Reinhard Fingerhut im AlldieKunst-Haus gefunden hatte.

Die vielen Gäste verwunderten nicht – war der ausstellende Künstler Reinhard Fingerhut doch acht Jahre lang Stadtdirektor in Velbert, bevor er in die Strategieberatung für Energieversorgungsunternehmen ging. Doch damit endete sein beruflicher Werdegang nicht. „Wir wurden damals für unsere Konzept bezüglich erneuerbarer Energie verlacht“, erinnert sich der promovierte Jurist. Während er sich mit einer zukunftsfähigen Energieversorgung beschäftigte, besuchte der heute 67-Jährige die freie Kunstakademie in Essen und lernte bei Prof. Stefan Schneider.

Dass Fingerhut erst vor rund sieben Jahren noch einmal einen völlig neuen beruflichen Weg eingeschlagen hat, kann Gottfried Heinz, selbst Grafikdesigner und Künstler, nicht so recht glauben: „Ich haben den Eindruck, dass er nicht von vorne angefangen hat, sondern dass Dr. Fingerhut sich sein ganzes Leben schon damit beschäftigt hat.“ Reinhard Fingerhut gibt zu, dass er schon als 18-Jähriger beschlossen hatte, nicht als Künstler arm sterben zu wollen und sich gegen die Empfehlung seines Kunstlehrers für ein Jurastudium entschieden hatte. Es folgte eine entsprechende berufliche Laufbahn.

Lob auch vom Bürgermeister

„Seine Arbeit hat Spuren hinterlassen“, beschreibt Bürgermeister Dirk Lukrafka in seiner Rede die Arbeiten des ehemaligen Stadtdirektors. „Ich habe ihn früher nur technisch und kaufmännisch gesehen und war jetzt sehr überrascht, als ich mir seine Bilder angesehen habe.“ Vereinfacht dargestellt, nimmt Reinhard Fingerhut digitalisierte Fotos und verändert sie zurück ins Analoge. „Mich spricht es sehr an. Vor allem, wenn man die Hintergründe seines Werdegangs kennt, aber eben auch die Technik der Bilder“, Astrid vom Lauff ist eine der rund 100 Besuchern und Besucherinnen.

Tochter untermalt musikalisch

Nicht nur die Bilder der Ausstellung sind überraschend, auch der Auftritt von Miriam Fingerhut, der jüngeren von zwei Töchtern des Künstlers, überrascht das Publikum mit beeindruckender Stimme und selbstgeschriebenen und -komponierten Liedern.

„Diese Expressivität seiner (Reinhard Fingerhut) Bilder kommt witzigerweise in den Liedern seiner Tochter durch“, resümiert Gottfried Heinz. Während Dr. Barbara Könches von der Kunststiftung NRW in ihrer Einführung das Thema der Ausstellung Second Life als das Leben in digitalen und analogen Welten aufgreift, ist Second Life für Fingerhut einfach „mein zweites Leben“.