Radfahren im Kreis Mettmann attraktiver machen

Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freigeben? Das wird vielerorts bereits reibungslos und unfallfrei praktiziert, wird immer öfter und vehementer gefordert. Der Fachmann von der Kreispolizei hält’s für einen guten Weg.
Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung freigeben? Das wird vielerorts bereits reibungslos und unfallfrei praktiziert, wird immer öfter und vehementer gefordert. Der Fachmann von der Kreispolizei hält’s für einen guten Weg.
Foto: Holger Schmälzger
Was wir bereits wissen
Thomas Decken, Chef der Verkehrsdirektion der Polizei Mettmann, warnt vor Gefahren für Radfahrer. Die Forderung nach freier Fahrt in Einbahnstraßen begrüßt er.

„Je mehr Radfahrer es gibt, desto sicherer wird langfristig das Fahrradfahren“, sagt Thomas Decken. Wenn Radler zunehmend die „Meinungsführerschaft“ übernähmen, müsse z. B. auch die Politik darauf reagieren und handeln, führt der Leiter der Verkehrsdirektion bei der Kreispolizeibehörde Mettmann weiter aus. Und müsse u. a. für bessere Bedingungen sorgen.

Der Polizeioberrat ist selbst ein reiner Freizeitradler. Zuweilen – „aber ausschließlich bei gutem Wetter“ – strampelt er auf seinem Trekkingrad aber auch die knapp 16 Kilometer von seiner Wohnung, drei Steigungen hoch und durchs Neandertal, bis zum Dienstgebäude nach Mettmann. Um Sprit zu sparen, um sich zu bewegen sowie nicht zuletzt, um die nervige und zeitraubende rote Welle an den Ampeln zu umgehen: „Dazu ist das Fahrrad eine echte Alternative!“

Nicht unter Zeitdruck starten

Die größte Gefährdung sieht der 51-Jährige in den Elektroautos, auch wenn es dafür bislang noch keine belastbaren Zahlen gäbe. Seine Begründung: Weil diese Vehikel schnell im Anzug seien und normal hohes Tempo fahren könnten, vor allem aber weil sie so überaus leise seien. „Für die Sicherheit ist beim Radeln nun einmal das Fahren nach Gehör sehr entscheidend“, erklärt er, deshalb gehe die Polizei auch ganz entschieden gegen Radfahrer mit Kopfhörern oder mit Handy bzw. Smartphone vor. „In fortschrittlicheren Ländern ist man schon weiter als bei uns“, ergänzt er, dort statte man nämlich E-Autos eigens mit künstlichen Motorgeräuschen aus.

Den vermehrten Forderungen, Einbahnstraßen für Radfahrer in Gegenrichtung zu öffnen, steht Decken aufgeschlossen gegenüber. „Ich finde das gut. Unter Sicherheitsaspekten ist das gar kein Thema, wenn es nur vernünftig ausgeschildert wird. Wenn ich Radfahren attraktiver machen will, muss ich auch entsprechende Angebote und Sonderregelungen schaffen.“

Zur Umsicht rät der Praktiker überall dort, „wo sich Fahrwege kreuzen“, und auch bei Kreiseln. Die seien nämlich höchst unterschiedlich angelegt: Mal endeten dort die Radwege, mal werde man außen drumherum geleitet, dann wieder müsse man (kombinierte) Gehwege mitbenutzen.

Gefahren gebe es auch auf dem Schulweg, wenn Zehnjährige (oder ältere) nicht mehr den Gehweg benutzen dürften, ihnen aber z. B. ans Herz gelegt werde: „Fahr doch lieber über den Fußgängerüberweg.“ Da müssten sie nämlich absteigen und schieben.

„Wenn man sich in den Verkehr begibt, sollte man möglichst sicher sein“, rät Thomas Decken. Dazu zähle die Frage, welchen Weg man wähle, und der Aspekt, nicht unter Zeitdruck aufzubrechen. Und am besten auch am Tag immer mit Licht, denn solch eine schmale Silhouette werde schnell übersehen: „Ich bin für meine Sicherheit in erster Linie selbst verantwortlich. Auch das Helmtragen ist eine reine Frage der Selbstverantwortung.“