Politesse in Velbert vertreibt Dachdecker eiskalt
14.01.2010 | 11:08 Uhr 2010-01-14T11:08:00+0100
Velbert. Sie haben es nur gut gemeint: Zwei Dachdecker wollten in Velbert bis zu 1,50 Meter lange Eiszapfen von den Dächern entfernen, da sie in die Fußgängerzone zu stürzen drohten. Eine Politesse vertrieb die Männer mit dem Argument, Autoverkehr sei außerhalb der Lieferzeiten verboten.
Der Eiszapfen ist gut 1,5 Meter lang. „Wenn den jemand auf den Kopf bekommt, dann ist er wohl tot”, sagt Uwe Beske. Der Dachdecker sichert die Einsatzstelle, während sein Kollege Helmut Hiller in zwölf Metern Höhe behutsam die spitzen Gebilde von der der Dachrinne abträgt. Es wird höchste Zeit, denn die paar Sonnenstrahlen tauen das Eis an. Einige Brocken sind schon in die Fußgängerzone gestürzt.
Was die Dachdecker dann schildern, klingt unfassbar: Eine Politesse habe sie vertrieben. „Wir mussten aus der Fußgängerzone 'rausfahren”, sagt Uwe Beske. Autoverkehr sei außerhalb der Anlieferungszeiten verboten. Wer dennoch hineinfahren wolle, brauche eine Genehmigung. Die hatten Uwe Beske und Helmut Hiller nicht.
Papierkram hätte Stunden gedauert
Die Politesse habe dazu geraten, einen Passierschein aus dem nicht weit entfernten Rathaus zu besorgen. Was die Handwerker tun wollten. Dort habe aber nur Papierkram gewartet. „Das hätte Stunden gedauert”, sagt Beske.
Die Dachdecker entschieden sich, wieder zurück in die Fußgängerzone zu fahren – trotz des Knöllchenrisikos. „So etwas ist doch nicht normal”, sagt Uwe Beske. „Wir wollten doch nur schnell helfen, bevor etwas passiert.”
Das sei grundsätzlich richtig, sagt auch Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach auf Nachfrage der Velberter Zeitung: „Wenn es um Gefahrenabwehr geht, können Handwerker auch ohne Genehmigung in die Fußgängerzone fahren.” Zum konkreten Fall könne er nichts sagen. Es müsse sich wohl um ein Missverständnis gehandelt haben. Blißenbach rät den Handwerkern: „Man sollte darauf hinweisen, dass es sich um einen Notfall handelt.” Dann spreche die Stadt sofort eine mündliche Genehmigung aus.
Eis auch am Rathaus
Alle anderen, die außerhalb der ausgewiesenen Be- und Entladezeiten in die Fußgängerzone fahren wollten, bräuchten aber eine Genehmigung der Stadt. Die Straßen- und Verkehrsbehörde im Rathaus stelle die Scheine aus. „Das dauert nicht lange”, sagt Blißenbach. Auf jeden Fall nicht so lange, wie von den Handwerkern geschildert. Die Kosten seien abhängig vom Umfang der Genehmigung. Die Stadt berechne dafür eine Gebühr in Höhe von mindestens 12 Euro.
Riesige Eiszapfen und Dachlawinen halten immer wieder die Einsatzkräfte in Atem. Die Feuerwehr musste ausrücken, um Schlimmeres zu verhindern. Auch am Rathaus hatte sich Eis gebildet.
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