Poesie ist ihr Steckenpferd
28.10.2012 | 18:30 Uhr 2012-10-28T18:30:00+0100
Neviges. Bumillo, Philipp Scharri und Heiner Lange gastieren mit „Dichter-Loh“ in der Vorburg von Schloss Hardenberg. Das Echo fiel gespalten aus
Ob sie sich als Sozialchamäleon in der Gesellschaft durchmogeln oder ob sie als Banker die Zeit in einer Suchttherapie verbringen – die Jungs von PauL schlüpfen bei ihrem Bühnenprogramm in viele verschiedene Rollen. „Nicht alles, was wir sagen, ist auch wirklich wichtig“, kündigten die drei Künstler am Freitagabend gleich von Anfang an an. Etwa 50 Besucher wollten sich in der Vorburg Schloss Hardenberg das Programm – eine Mischung aus Poetry-Slam, Prosa und Kabarett – aber trotzdem nicht entgehen lassen.
So wird im Stil eines Fußballreporters das Verhalten des Sozialchamäleons kommentiert. Dieses steht hierbei für eine Gattung Mensch, die es nahezu perfekt versteht, sich allen Situationen anzupassen und sich zu tarnen. Beim Gespräch mit dem ungeliebten Chef tritt es genau so auf wie beim abendlichen Plausch mit der Liebsten. Die allgegenwärtige Hauptfigur Paul – abwechselnd gespielt von den drei Künstlern – tritt dabei in ein Fettnäpfchen nach dem nächsten. Dem Publikum gefällt es.
Zwischen unterhaltsamen und teils aber auch eher etwas albernen Sketchen dieser Art wird es dann aber doch auch politisch. Plagiatsfälle der vergangenen Zeit werden ebenso aufs Korn genommen wie die Finanzkrise. So finden sich ein Banker, ein Unternehmensberater und ein Broker unversehens in einer Suchttherapie gegen den Kapitalismus wieder. Nur ein Rettungsschirm, der könnte ihnen jetzt noch helfen. Auch dafür gibt es aus dem Publikum freundlichen Applaus.
Trotzdem ist das allgemeine Fazit eher gespalten: „Ich bin gerade sehr unentschlossen, wie ich das finden soll“, erzählt Ingrid Murach. „Ich hatte mir mehr politisches Kabarett versprochen. Teilweise ist es ja auch so recht lustig, aber manchmal ist mir das echt zu albern“, sagt die 59-Jährige. Jennifer Gillenberg hat die Karten für die Veranstaltung geschenkt bekommen. Sie ist dagegen von dem Programm begeistert: „Ich finde die Jungs wirklich sehr lustig. So eine Mischung schaue ich mir auch das erste Mal an, aber es gefällt mir gut. Besonders Gestik und Mimik sind toll“, sagt die 34-Jährige.
Viele Scherze gehen auch mal unter die Gürtellinie. Das ist nichts für Zartbesaitete. Trotzdem zeigen die Jungs von PauL gerade in der Gestaltung ihrer Sketche ihre Qualität. Ihrem selbst ernannten „Einheiz-Gebot“ werden sie aber nicht gerecht. Richtig blühen die ehemaligen Poetry-Slamer erst bei dem Kurzwettbewerb für Poesie auf. Das ist ihr Steckenpferd. Aus der Richtung kommen die drei Jungs. Das macht ihnen Spaß. Und das merkt auch das Publikum.
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