Pflegekräfte aus dem Ausland - Opa muss jetzt Polnisch lernen
21.02.2012 | 16:10 Uhr 2012-02-21T16:10:00+0100
Velbert. Viele Vollzeitkräfte in der häuslichen Pflege kommen aus dem Osten. Die VHS in Velbert bietet jetzt einen Sprachkurs an, in dem die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen die Grundlagen der polnischen Sprache lernen. Dabei werden nur Begriffe aus dem Seniorenalltag wie Einkaufen, Waschen oder Telefonieren vermittelt.
Die Republik altert, doch ins Altenheim wollen viele Senioren auch dann nicht, wenn sie mit zunehmendem Alter gebrechlich werden. So ist es der Wunsch von immer mehr Pflegebedürftigen, so lange wie eben möglich im eigenen Umfeld zu leben. Doch häusliche Pflege, eine Rund-um-Betreuung zumal, kostet viel, wenn Angehörige nicht bereitstehen. Pflegedienste geben Beträge von gut 4000 Euro an, die für deutsche Kräfte pro Monat gezahlt werden müssen.
Die polnische Variante ist da deutlich billiger: 126 000 Hinweise auf Pflegekräfte aus dem mitteleuropäischen Nachbarland gibt es im Internet; ein erheblicher Teil sind Angebote von Vermittlungsagenturen . Firmen mit Sitz in Polen bieten die gewünschte Pflegeleistung für rund 2000 Euro monatlich plus Unterkunft an. Damit es legal ist, werden in Deutschland die Steuern, in Polen die Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Bleibt nur das Sprachproblem: „Die polnischen Fachkräfte können in der Regel kein Deutsch, das lernen sie begleitend zum Job hier“, berichtet Aleksandra Spalek-Gruca, Dozentin für Polnisch an der Volkshochschule.
Statt 4000 nur 2000 Euro – aber dafür Sprachprobleme
Da der Kommunikationsbedarf jedoch gerade in der Kennenlernphase hoch ist, macht die Volkshochschule in Velbert ein Angebot, wie es das sonst noch nirgendwo gibt: „Wir bieten einen Sprachkurs an, in dem die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen die Grundlagen der polnischen Sprache lernen“, sagt Béatrice Delassalle-Wischert, bei der VHS verantwortlich für den Sprachbereich. Grammatik – „nicht wichtig“, sagt Aleksandra Spalek-Gruca. Nur Begriffe aus dem Seniorenalltag wie Einkaufen, Waschen oder Telefonieren werden vermittelt. „Kleine Rollenspiele machen es einfacher, Muster für die normalen Unterhaltungen zu lernen“, sagt Spalek-Gruca. Uhrzeit? Essen fertig? WAZ aus dem Briefkasten geholt?
Dazu kommen natürlich Schlüsselwörter aus der Medizin, Medikamente und ihre Dosierungen, Auskünfte zum Wohlbefinden. „Ich habe Schmerzen im Bein, am Arm, in der Hüfte, im Rücken oder sonst wo – das sind wichtige Hinweise, die der Pflegebedürftige in der Muttersprache seiner Pflegekraft in der Anfangszeit des dienstlichen Verhältnisses äußern können sollte“, sagt Delassalle-Wischert. Opa muss also jetzt Polnisch lernen? Es wäre zumindest empfehlenswert. „Beide Seiten gehen aufeinander zu, um besser miteinander zurechtzukommen“, umschreibt es Aleksandra Spalek-Gruca. Wenn die polnische Pflegerin respektive der polnische Pfleger Fortschritte beim deutschen Spracherwerb verzeichnet, pendle sich ohnehin Deutsch als Umgangssprache ein, sind sich Delassalle-Wischert und Spalek-Gruca sicher. Für den Polnischkurs spricht überdies: Sprachen lernen trainiert das Seniorenhirn.
16:29
"Pflegedienste geben Beträge von gut 4000 Euro an, die für deutsche Kräfte pro Monat gezahlt werden müssen."
Wenn man dafür die Gehälter der Sesselfurzer in der Verwaltung kürzen würde, wäre das durchaus finanzierbar!
Im übrigen frage ich mich, wie hoch denn der Prozentsatz an Pflegern bei den mobilen Pflegedienste ist, die so ein Gehalt haben?!
Ich befürchte, daß die Anzahl mehr im Promille-Bereich zu suchen sind!
16:07
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Als Alternative können die Alten ja auch nach Osteuropa oder Asien ziehen, das ist noch billiger
oder gleich ins Krematorium. Mit der entstehenden Fernwärme kriegen wir auch die Energieprobleme in den Griff.
16:02
Fachkräftemangel oder zu teuer? Wat ne Lachnummer.
16:02
früher hat Opa die Flegekraft (den Zivi) gefragt: "haben Sie gedient?", heute muß er fragen: "haben Du Sprachdiplom?"
15:59
Keine Kinder - Keine Zukunft
In einem Land, wo Autos und Hunde einen höheren Stellwert haben und sogar mehr Rechte, intensivere Fürsorge und mehr Beachtung erhalten ist es nichts außergewöhnliches, dass immer mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland kommen müssen! Betonung: MÜSSEN! Nur, das ganze Problem wird nur aufgeschoben und nicht aufgehoben! Sobald das Einkommensniveau der Polen/Innen in Polen hoch genug ist/wird, werden viele wieder zurück kehren und sicherlich sich mehr um ihre eigenen Alten (Eltern, Großeltern, Landleute...) kümmern! In Ihren Heimatländern werden diese Fachkräfte wenigsten von Rechtsradikalen nicht beleidigt und angemacht, und müssen sich dann keine fremdenfeindliche Parolen (z. B. Polenwitze) täglich anhören!
Das gilt für alle Migranten/Innen aus allen Drittländern. Also, falls die Willkommensmentalität der Deutschen sich nicht bald positiv um 180° dreht, könnt ihr dann alle spätestens im Alter "einpacken".
09:42
Armes Deutschland - Die Senioren müssen zum Sprachkurs, damit die Pflegekräfte aus Osteuropa hier ihren Job machen können. Verkehrte Welt!!! Hirnrissiger gehts nimmer!
09:00
Alle Politiker schlagen vor, dass mehr Mitbürger mit Mihigru in den öffentlichen Dienst, Polizei etc. eingestellt werden, aber keiner macht sich dafür stark, dass in der Pflegebranche sowas auch mal passiert.
Muss ich dann jetzt auch div. Sprachen erlernen, damit ich mich demnächst mit Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes verständigen kann ? ^^
08:21
Nun , es bestätigt nur den Trend das Lohnniveau drücken zu wollen..
23:54
Traurig genug, dass alte Menschen nun auch noch mehrere Fremdsprachen lernen müssen.
Ich schäme mich für unser Land....
23:29
Polnische Arbeitskräfte sollen also den deutschen Pflegenostand kompensieren... soso. Da sehe ich nicht nur die sprachliche Barriere als Hindernis, auch die fachliche Qualifikation ist nicht das Problem -im Gegenteil. Inhaltlich ist die pflegerische Ausbildung in nahezu jedem europäischen Land höherwertiger als in Deutschland; und das nicht erst seit neulich.
Aber wenn man sich anschaut wo alles Pflegekräfte gebraucht werden: in nahezu allen Ländern der Erde. Im Gegensatz zu Deutschland tun andere Länder aber viel mehr um die Pflegeberufe attraktiver zu gestalten, sei es über finanzielle Anreize oder -noch wichtiger- durch bessere Arbeitsbedingungen. Somit wird dieses hausgemachte Problem nur verschoben.
Zumal es in naher Zukunft nicht nur die häusliche Pflege, sondern alle Pflege-Bereiche betreffen wird.