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Penizillin ist für Velberter Mediziner nicht mehr wegzudenken

11.02.2016 | 19:00 Uhr
Penizillin ist für Velberter Mediziner nicht mehr wegzudenken
Nachdem Alexander Fleming Penizillin entdeckt hat, kam es zum ersten Mal bei der Behandlung einer Blutvergiftung zum Einsatz.Foto: Tanja Schneider

Velbert.   Vor 75 Jahren wurde das Antibiotikum zum ersten Mal zur Behandlung eines Menschen verwendet. Mittlerweile ist das Einsatzgebiet groß.

Manche beschreiben es als ein medizinischen Wundermittel, andere sträuben sich, es einzunehmen. Das Antibiotikum Penizillin wurde Ende der 1920er Jahre von Alexander Fleming entdeckt und am 12. Februar 1941 zum ersten Mal zur Behandlung eines Menschen eingesetzt.

Damals hatte sich ein Polizist aus London beim Rasieren geschnitten. Durch die infizierte Wunde zog er sich eine Blutvergiftung zu. Nach fünf Tagen Behandlung war das Fieber tatsächlich verschwunden, doch die Penizillinvorräte waren aufgebraucht. Die Therapie konnte nicht fortgesetzt werden; der Mann verstarb einen Monat später.

Heute sind die Bestände größer, das Einsatzgebiet von Penizillin ist breit gefächert. Es erstreckt sich vor allem über leichte bis mittelschwere Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich. „Dazu zählen zum Beispiel Bronchitis und Lungenentzündungen. Penizillin wird aber durchaus auch bei Hautinfektionen eingesetzt“, erklärt Apothekerin Ute Schanze.

Alternativen bei Penizillin-Allergie

Springt ein Patient nicht darauf an, kann auf andere Antibiotika zurückgegriffen werden, die Penizillin entweder in der chemischen Struktur ähneln oder in den gleichen Bereichen eingesetzt werden. „Das muss im Zweifel aber ein Arzt entscheiden“, sagt Ute Schanze. Auch bei einer Allergie gibt es alternative Antibiotika, die den entsprechenden Erreger bekämpfen.

In punkto Allergie rät Matthias Kreutzenbeck, Oberarzt aus der inneren Medizin des Klinikum Niederbergs, allerdings, nicht vorschnell zu urteilen: „In vielen Fällen trifft eine Penizillin-Allergie nicht zu. Wenn Patienten jedoch sagen, sie haben es genommen und nicht vertragen, können wir das natürlich nicht ignorieren und reagieren darauf.“ Der Erreger werde getestet, das Antibiotikum umgestellt. „Wir schauen, was der Patient für eine Infektion hat und was erfahrungsgemäß dagegen hilft“, erklärt Matthias Kreutzenbeck.

Nach Ansicht des Oberarztes sind Penizillin und Antibiotika insgesamt aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. „Das wäre Steinzeit“, sagt er. Im Rettungsdienst spielen sie zwar keine große Rolle. Dafür sollte bei schweren Infektionen, für die Bakterien verantwortlich sind, so schnell wie möglich mit der entsprechenden Behandlung begonnen werden. Dazu zählt auch eine Blutvergiftung wie sie der Londoner Polizist vor 75 Jahren erlebt hat.

Einsatz häufig zu unkritisch

Bei medizinisch „banalen“ Krankheiten wie Husten,Schnupfen oder Halsschmerzen ist die Einnahme von Penizillin allerdings nicht nötig. Überhaupt, so Matthias Kreutzenbeck, „werden Antibiotika häufig zu unkritisch eingesetzt.“ Das gilt nicht nur für die Humanmedizin, sondern auch für die Tiermast. In Deutschland wird in diesem Bereich mehr als doppelt so viel Antibiotika verwendet wie in der Medizin, nämlich mehr als 1700 Tonnen pro Jahr.

Svenja Kloos

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2016-02-11 19:00
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