Offen für alle
14.04.2010 | 19:01 Uhr 2010-04-14T19:01:00+0200
Velbert. In der Kolping Kita Bartelskamp kochen die Kinder regelmäßig mit. Kein Schweinefleisch auf dem Speiseplan
Die scharfe Schneide des Pittermessers zeigt nach oben. Und Tiziana säbelt, was der Salat aushält. Tümay meint, das wäre richtig so und dreht sein kleines Küchenmesser auch rum. Mit dem Effekt, dass die Cherry-Tomate nun nicht mehr geschnitten, sondern gequetscht wird.
Die Köchinnen Canan Sezer und Sabine Brächter haben das Gemetzel genau im Blick.Sabine Brächter umfasst die kleinen Hände von Tiziana, dreht die Klinge wieder nach unten und zeigt, wie man die Eissalat-Blätter richtig kindermundgerecht schneidet. Auch kleine Männer wollen alles richtig machen und so dreht auch Tümay die Klinge wieder gen Tischplatte.
Einmal in der Woche binden die Kinder die Kochschürze um. Das ist schon Usus in der Kolping Kindertagesstätte Bartelskamp. Es geht reihum, so dass immer wieder andere Knirpse Salat schnibbeln oder auch den Hauptgang mit vorbereiten helfen. Nicht immer reißen sie sich um die Arbeit in der Küche. Etwa wenn die Sonne scheint und die Kinder eher draußen toben könnten. Aber schließlich ist jeder mal dran. Muslimische wie abendländische Kinder. Und darüber, dass nur in den Topf kommt, was auch in den Topf gehört, wachen eine türkische und eine deutsche Köchin. Klar, dass man Schweinefleisch auf dem Speiseplan vergeblich sucht.
„Integration fängt im Kleinen an“, sagt Kita-Leiter Bernd Weber-Engels. Und eben auch mit und bei den Kleinen an, die gerne den Gaumenfreuden frönen.
Wahre Leckerchen stehen auf dem Wochenplan: Hühnerbrustfilet als Auflauf mit Kartoffeln und Paprika oder Kebap mit Reis und Tsatsiki oder Putengulasch mit Nudeln oder Tortellini in Tomatensoße oder Fischstäbchen und Salat. Den Einkauf erledigen die Köchinnen gemeinsam, im Supermarkt Am Kostenberg und im türkischen Laden.
Die türkisch-stämmige Köchin Cenan Sezer habe die Kita eingestellt, um „auch gegenüber den muslimischen Eltern glaubwürdig zu sein“. Bernd Weber-Engels gibt zu, dass manche Eltern schon die Frage gestellt hätten, ob es denn jetzt nur noch türkisches Essen in der Kita gebe.
„Ich habe mit den Eltern gesprochen und ihnen gesagt, dass es hier darum geht, Essen für alle Kinder anzubieten. Und wichtig ist, dass die Kinder gesund ernährt werden mit viel Gemüse und Rohkost.“
Wurst gebe es auch, und zwar zum Frühstück. Die liege aber extra auf einem Teller und werde entsprechend ausgezeichnet, so dass jedes Kind sofort Bescheid weiß. Bernd Weber-Engels: „Das klappt prima.“ Die Kita nehme ja auch Rücksicht auf Kinder mit Lebensmittelallergien oder Diabetes, also Zucker. Und auf Linkshänder. Weber-Engels: „Beim Tischdecken wird darauf geachtet, dass das Besteck nicht rechts oder links, sondern mitten auf dem Teller liegt. Dann kann jeder selbst entscheiden.“
68 Kinder besuchen die Kolping Kita Bartelskamp. Etwa die Hälfte von ihnen hat einen Migrationshintergrund. 50 Mädchen und Jungen bleiben über Mittag, essen also auch gemeinsam. 18 Knirpse sind in der U3-Betreuung untergebracht. Zudem verfügt die Kita über eine integrative Gruppe, da auch ein Kind mit Down Syndrom und einige mit Verhaltensauffälligkeiten die Einrichtung besuchen.
Übrigens: Die Kita hat eine lange Warteliste.
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