Notdienst-Praxis in Velbert darf offenbar bleiben

Notdienst oder -aufnahme: In Velbert sollen auch nach der Notdienst-Reform beide Optionen erhaltenbleiben.
Notdienst oder -aufnahme: In Velbert sollen auch nach der Notdienst-Reform beide Optionen erhaltenbleiben.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) will 43 von 84 Notdienst-Praxen schließen. Kreis Mettmann hat zwei zu viel. Der Standort Velbert werde sich aber wohl im Nordkreis gegen den Standort Ratingen durchsetzen, erwartet Dr. Hans-Peter Meuser von der KVNO.

Kreis Mettmann..  Insgesamt kam es gar nicht gut an, als die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) vergangene Woche mitteilte, sie wolle in den nächsten Monaten ihren Notdienst neu strukturieren und dafür u.a. die Hälfte ihrer bislang 84 Notdienstpraxen schließen.

Die Notaufnahmen fühlen sich auch so schon ausgelastet. Und machen Stimmung: Laut dem Dachverband Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) könnte momentan gut jeder Dritte, der in eine Notaufnahme kommt, in eine reguläre Arztpraxis gehen. Oder eben, wenn die geschlossen hat, in die örtliche Notdienstpraxis. Gäbe es die nicht mehr, sieht die DKG die Versorgungssicherheit bedroht.

Im Kreis Mettmann gibt es bis dato vier Standorte des ärztlichen Notdienstes: an St. Josef in Hilden, an St. Martinus in Langenfeld, an St. Marien in Ratingen und am Klinikum Niederberg, letztere drei fungieren zugleich als kinderärztlicher Notdienst. Nach der Reform soll es nur noch zwei Notdienst-Praxen für Erwachsene geben. Auf der Abschlussliste im Nordkreis steht offenbar Ratingen, wo Politiker schon eine Klage erwägen.

Für Velbert indes steckt darin eine Entwarnung, erklärt Dr. Hans-Peter Meuser, Arzt in Langenfeld und Vorsitzender der KVNO-Kreisstelle Mettmann: „Velbert bleibt bestehen. Es gibt ja keine Alternative.“ Wenn man den Kreis an seiner engsten Stelle teile, also in Mettmann, dann müsse eine Praxis im Nordkreis und eine im Südkreis bleiben. Und Velbert habe, obwohl weniger Einwohner als Ratingen, mit den benachbarten Städten Heiligenhaus und Wülfrath das größere Patientenaufkommen. Meuser geht in Ratingen von geschätzt 9000 Patienten jährlich aus, in Velbert von 12 000.

Natürlich könne man Velberter Patienten nicht nach Ratingen und Ratinger Patienten nicht nach Velbert schicken, räumt Meuser ein. Darum sei es denkbar, dass die Ratinger Praxis als Dependance der Velberter weitergeführt würde, wiewohl mit eingeschränkten Öffnungszeiten.

All dies gelte, betont der Kreisstellen-Vorsitzende, „vorbehaltlich der noch ausstehenden Beschlussfassung im Kreisstellen-Vorstand“. Die KVNO ist so organisiert, dass die Düsseldorfer Vertreter-Versammlung den Rahmen für ganz Nordrhein vorgibt und Kreisstellen wie Mettmann selbst entscheiden kann, wie sie diesen Rahmen (zwei statt bisher vier Standorte, Dependancen möglich) mit Inhalt füllt. „Und mit Sinn“, ist Meuser wichtig zu ergänzen.

Noch einschneidender wirkt der neue Zuschnitt der Notdienst-Bezirke bei den Kinderpraxen. Hier wird der Bezirk Mettmann, bislang drei Praxen, zusammengelegt mit Wuppertal, Remscheid und Solingen. Für alle vier Städte soll es lediglich eine Praxis und eine Dependance geben. Der Kreisstellen-Vorsitzende Meuser, der dabei freilich nur eine von vier beteiligten Kreisstellen vertritt, geht davon aus, dass es die Standorten Wuppertal und Solingen werden.

Meuser gibt zu bedenken, dass sich Eltern aufgrund der merkwürdigen geografischen Form des Kreises Eltern in die Nachbarstädte orientieren würden, Monheimer etwa nach Leverkusen, Ratinger etwa nach Düsseldorf.

Umsetzung geplant bis 2016/17

Glücklich zeigt sich der Vorsitzende der Kreisstelle Mettmann indes nicht über die Reform aus Düsseldorf: „Wir sind stolz auf unser System, es hat zwölf Jahre funktioniert. Natürlich ärgern wir uns, dass es jetzt umgeworfen werden soll.“

Von heute auf morgen kommen all diese strukturellen Umwälzungen wohl nicht. „Vor dem Sommer fallen die Entscheidungen, sagt Meuser.

Doch dann laufen immer noch Verbindlichkeiten wie Mietverträge oder Arbeitsverhältnisse, erklärt Christoph Schneider, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung in Düsseldorf. Er schätzt, dass die letztendliche Umsetzung „ein bis zwei Jahre“ dauern wird.