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Biobetrieb Hennenberg

Nicht "Bio" aber vielleicht "Freiland"

10.03.2010 | 11:25 Uhr
Nicht "Bio" aber vielleicht "Freiland"

Velbert. Im Falle des Biobetreibs Hennenberg warten LANUV und Landesbetrieb jetzt den Eilentscheid ab, der aller Wahrscheinlichkeit nach am 15. März stattfindet. Hennenberg muss mit Vollstreckungsmaßnahmen rechnen, falls danach noch immer Hühner in den Wald gelangen können.

Normalerweise haben Klagen aufschiebende Wirkung. Das erklärt auf Anfrage Dr. Gerd-Ulrich Kapteina, Pressedezernent und Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Düsseldorf. Im Falle des Bio-Betriebs Hennenberg – Untersagung der Waldnutzung durch den Landesbetrieb Wald und Holz und der Verwendung des Bio-Siegels durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) – werde das Gericht eine Eilentscheidung im Beschlussverfahren treffen.

Dieser Termin werde aller Wahrscheinlichkeit nach um den 15. März herum stattfinden. „Bis dahin passiert erstmal nichts“, so Pressedezernent Kapteina. „Aber wir orientieren uns an der Eilbedürftigkeit der Sache.“ Wie berichtet, müsse Hennenberg nach diesem 15. März mit Vollstreckungsmaßnahmen rechnen, falls danach noch immer Hühner in den Wald gelangen könnten und die Zäune nicht abgeräumt wären.

Auf Bodenhaltung umsteigen?

Dem LANUV, so Pressesprecherin Dr. Babette Winter, liege die Bitte des Gerichts vor, noch auf die Anordnung von Zwangsgeldern zu verzichten. Ähnlich wie beim Landesbetrieb Holz und Wald hieß es auch hier, dass eine Eilentscheidung anstehe.

„Wir haben Hennenberg angeraten, sich auf eine Bodenhaltung einzustellen“, so die LANUV-Sprecherin, „und haben ihm schon eine Bodenhaltungsnummer erteilt“. Hennenberg dürfe seine Eier nicht als Bio-Eier verkaufen. Laut Babette Winter obliege es dem Unternehmen aber, ob es einen Teil seiner Freiflächen dafür nutze und so gestalte, dass dieser einer bestimmten Anzahl von Hühner zur Verfügung stehe und somit Freilandeier verkauft werden dürften.

„Das kann der Betrieb entscheiden. Aber das Bio-Ei ist erstmal vom Tisch, die Zertifizierung bleibt entzogen.“ Dennoch werde auch das LANUV darauf verzichten, Vollstreckungsmaßnahmen bis zur Eilentscheidung durchzuführen. Auch das Landesamt wird diesen Beschluss nun erst abwarten wollen.

Vermarktungsnorm

Laut Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft müssen jedem Tier tagsüber uneingeschränkt mindestens vier qm zur Verfügung stehen. Angerechnet werden dabei nur Flächen, die nicht weiter als in einem Radius von 350 m von der nächstgelegenen Auslassöffnung entfernt liegen. Fehlen Unterschlupfmöglichkeiten (mindestens vier pro ha) und Tränken, verringert sich der max. Abstand auf 150 m.

Ellen Wiederstein

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Kommentare
11.03.2010
19:26
Nicht Bio aber vielleicht Freiland
von einestadt | #5

Ich persönlich glaube nicht, dass das ein Einzelfall ist. Vieles, das als BIO produziert wird, dürfte den objektiven Anforderungen gar nicht genügen.

Die Voraussetzungen für die Zertifizierung werden ja offensichtlich nur auf dem Papier geprüft. Oder war der Wald auf der Auslauffläche bei der Erteilung des Bio-Siegels noch gar nicht da und ist ganz zufällig und ganz plötzlich gewachsen, Instant-Wald, sozusagen?!

Vor diesem Hintergrund sehe ich es als ziemlich billige Polemik an, jetzt allein auf den Hennenbergs herumzuhacken. Tricksen und kreative Auslegung der Vorschriften dürfte im Bio-Gewerbe wohl eher die Regel, denn die Ausnahme sein.

11.03.2010
07:43
Nicht Bio aber vielleicht Freiland
von eaott | #4

Herr Hennenberg konnte ja auch nicht erwarten, daß gerade bei seinen Eiern die zugesicherten Eigenschaften der Ware auch mal überprüft werden. Schließlich hat er sich doch darauf verlassen, daß der im Lebensmittelgewerbe übliche Etikettenschwindel auch bei seinen Produkten geduldet wird.
Ich halte die Art, wie er bisher seine Eier mit falscher Produktbeschreibung verkauft hat, einfach nur für Betrug, für den jeder Privatmann sofort die Staatsanwaltschaft auf dem Hals hätte. Aber so ein Großlandwirt wird da offensichtlich von der Justiz anders behandelt.

10.03.2010
15:10
Nicht Bio aber vielleicht Freiland
von dorfbeobachter | #3

@ einestadt
Der Kunde mag entscheiden, wie er will, von mir aus auch mit Blick auf den Preis. Nur sollte er das bekommen, wofür er bezahlt.
Die Kunden, die bisher für die Eier der Hennenberge zu viel bezahlt haben, haben eben nicht nur auf den Preis geschaut. Für die versprochenen Eigenschaften haben die Hennenberge einen höheren Preis erzielt. Die Eigenschaften der ware waren aber, glaubt man den Behörden, nicht gegeben.

10.03.2010
14:57
Nicht Bio aber vielleicht Freiland
von einestadt | #2

Machen wir uns doch nichts vor. Wenn die Kunden in den Einkaufsladen gehen, entscheidet in aller Regel der Preis.

Das Werbeidyll vom malerischen Bauernhof ist eine Lüge. Wer Landwirtschaft nicht nur als Hobby betreiben, sondern davon leben will, der muss in industriellem Maßstab produzieren. Der Konkurrenzdruck ist hoch und höhere Preise wollen die Verbraucher nicht akzeptieren. Wie war das nochmal mit den Milchpreisen??

10.03.2010
09:21
Nicht Bio aber vielleicht Freiland
von Antonietta | #1

industrielle Eiererzeugung:
Nur die weiblichen Küken sind von Nutzen. Die männlichen Küken werden bei lebendigem Leibe zerschreddert, mit Kohlenmonoxid vergiftet oder noch lebend in Mülltonnen geworfen, wo sie ersticken.

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