Nevigeser Stahl-Veredlungsfirma seit 50 Jahren auf Erfolgskurs

Hier schlägt das Herz der Firma: Faruk Dervis an einem der Brennöfen.
Hier schlägt das Herz der Firma: Faruk Dervis an einem der Brennöfen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Brüder Michael und Markus Grigoleit stehen in dritter Generation mit großem Erfolg an der Spitze des Familienunternehmens „Härtetechnik Niederberg“. Mit der Belegschaft feierte man 50. Firmenjubiläum.

Tönisheide..  Haben Sie heute schon Ihren Kofferraum aufgemacht? Oder Ihren Sitz im Auto verstellt? Möglich ist das, weil irgendein kleines Bauteil in dem Schließsystem Ihres Autos einmal in diesen Hallen an der Neustraße verarbeitet wurde. „Ja, das kann man wohl so sagen“, meint Michael Grigoleit ein bisschen zögerlich, sein Bruder Markus denkt kurz nach und nickt. „Aber wir produzieren ja nicht, sondern veredeln“, kommt gleich die Einschränkung.

Bescheidenheit ist eine Zier, und dass man mit ihr sehr wohl sehr weit kommt, dafür ist das Familienunternehmen Härtetechnik Niederberg in Tönisheide der beste Beweis. Bereits in dritter Generation führen die beiden Brüder die Geschäfte, und sie tun das sehr erfolgreich. Der Schwerpunkt des Unternehmens: Wärmebehandlung.

Begann ihr Großvater, der Firmengründer Kurt Honig, 1965 noch mit zehn Mitarbeitern, so hat sich diese Zahl inzwischen verfünffacht. Die Kunden und Lieferanten – 75 Prozent kommen aus der Automobilindustrie – sitzen in ganz Deutschland, in Tschechien, Rumänien, Ungarn, Spanien, Frankreich, den Niederlanden. Doch nicht schick und nobel mit Kunden wurde das 50. Firmenjubiläum gefeiert, sondern lässig-leger mit der Belegschaft. „Es sollte ein Dankeschön sein, an die Mitarbeiter selbst und auch an deren Familien“, so Michael Grigoleit.

Mit Flexibilität punkten

Der 44-jährige Vater zweier Töchter ist als Geschäftsführer für den kaufmännischen Teil verantwortlich, seinem Bruder Markus obliegt die Technische Leitung des Unternehmens. „Was uns ausmacht, das ist die Flexibilität. Wir können spontan handeln, uns individuell auf Kunden einstellen. Das erfordert, dass die Leute mitziehen, auch mal kurzfristig Überstunden machen. Das ist bei uns der Fall, die Bereitschaft ist da.“

Fünf Tage in der Woche, rund um die Uhr, werden in drei Schichten die diversen Stanz-, Dreh- und Kaltfließpressteile bearbeitet, wird Stahl gehärtet, um die mechanischen Eigenschaften zu verbessern. „Die Teile werden auf 800 bis 900 Grad erwärmt, dann in Öl oder Wasser abgeschreckt, das ist der eigentliche Härteprozess, anschließend beim sogenannten Anlassen noch einmal erwärmt“, erläutert Markus Grigoleit, der lieber mitten in der Produktion steht als am Schreibtisch sitzt.

Spannung aufbauen und abbauen, durch dieses Grundprinzip wird der gewünschte Härtegrad erzielt. Herzstück dieses Prozesses sind sieben Durchlaufanlagen und Bandöfen sowie die Kammerofen-Linie mit ihren neun Öfen. Im Monat verlassen etwa 700 Tonnen Massenschüttgut – also kleinste Teile – das Gelände an der Neustraße, das sind ungefähr 35 Sattelschlepper.

So erfolgreich die beiden Brüder das Unternehmen jetzt zusammen leiten, so wenig waren beide anfangs begeistert, in die Fußstapfen des Großvaters bzw Vaters zu treten – was wohl normal ist, wenn man in einem Geschäftshaushalt großgeworden ist. Und dort häufig über das Geschäft geredet wird.

Unterschiedliche Charaktere – Die Brüder ergänzen sich bestens

„Ich wollte nicht noch mal alles miterleben, was man jahrelang in der zweiten Reihe mitbekommen hat“, erzählt Michael Grigoleit. Dass er nach seinem Maschinenbau-Studium 1999 dann doch in die väterliche Firma eintrat, habe wohl auch etwas mit dem Zeitpunkt zu tun gehabt. „Das Qualitätsmanagement wurde eingeführt, außerdem kam der 1. Bandofen.“

2004 bekam er Verstärkung durch seinen Bruder, der Werkstofftechnik in Dortmund studierte. Wie sie sich als Geschäftsführer ergänzen? „Ich sorge dafür, dass die Kisten laufen“, lacht Markus Grigoleit, „und ich dafür, dass die Aufträge hereinkommen“, ergänzt Bruder Michael. Und noch einen Unterschied gibt es: „Ich will alles zu 110 Prozent machen, brauche aber länger“, wirft der kaufmännische Leiter ein. Und Markus, der Techniker? „Ich bin ein Freund schneller Entscheidungen, dann reichen auch mal 90 Prozent.“ Die Mischung macht den Erfolg, und sie gefällt auch den Mitarbeitern: die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit beträgt 14 Jahre. „Hier will keiner mehr weg“, meint Michael Grigoleit lachend. Und darauf kann man, bei aller Bescheidenheit, neben einem guten Betriebsergebnis auch stolz sein.