Nevigeser Pfarrer im Ruhestand konfirmiert Kinder mit Behinderung

Drei der diesjährigen Konfirmanden entzünden stolz die Kerzen für die Liturgie. Sie stehen für Leben, Liebe und Hoffen.
Drei der diesjährigen Konfirmanden entzünden stolz die Kerzen für die Liturgie. Sie stehen für Leben, Liebe und Hoffen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Nevigeser Pfarrer i. R. Hans Köpke ermöglicht mit dem ehemaligen Sonderschullehrer Hans-Georg Roth Kindern mit Behinderung eine ganz besondere Konfirmation.

Neviges..  Mona singt aus vollem Herzen: „Danke für diesen guten Morgen“, die anderen summen dazu, halten sich an den Händen oder wippen zumindest im Takt mit. Fröhlich sind sie alle gleichermaßen, die acht Schüler der Schule am Thekbusch, die heute in der ev.-ref. Kirche im Siepen die Generalprobe zur ihrer Konfirmation haben.

Wann der Pfarrer im Ruhestand Hans Köpke angefangen hat für diese besonderen Kinder eine eigenen Unterricht und eine eigene Konfirmation anzubieten, weiß er gar nicht mehr so genau: „Etwa so 1982, zuvor hatte ich immer wieder erlebt, dass es schwierig war, die Kinder aus dem Thekbusch mit zu unterrichten, weil das schon damals eine Ganztagsschule war. Und es gab in den Gemeinden Pfarrer, die damit überfordert waren, einen Gottesdienst auf die Bedürfnisse von Kindern mit einer Behinderung abzustimmen. Ich hatte das schon früher gemacht und hab dann gesagt, ich traue es mir zu.“ Unterstützt wurde er in den Vorbereitungen von seiner „besseren Hälfte“ wie er den ehemaligen Sonderschullehrer Hans-Georg Roth vor den Kindern heute nennt, die sich wie so oft an diesem Morgen darüber ausschütten vor Lachen.

Keine starre Liturgie wollte Köpke für die Kinder: „Die wäre nur an ihnen vorbeigezogen, sondern vielmehr eine Feier, mit Elementen, die sie aus den Schulgottesdiensten kennen. Ein Gottesdienst, bei dem es lockerer zugeht.“

Damit das klappen kann, muss sich auch diese Konfirmandengruppe an Regeln halten. Die Kinder üben heute, wann sie singen dürfen, wann sie beten, wo sie bei der Segenssprechung stehen und wie sie alle gemeinsam ihre Hände über das Kind halten, was gerade gesegnet wird.

Drei der Zwölf- bis Fünfzehnjährigen werden zudem während des Gottesdienstes getauft. Sich vor allen anderen allein ans Taufbecken zu stellen, kostet Mut. Tina schlägt erst die Hände vors Gesicht und stellt sich dann in sicherem Abstand zum Taufbecken. Eine von vielen Situationen, die Köpke mit Humor und klaren Anweisungen wie „Stell dich hierhin, sonst kriegst du alles auf die Socken!“, schnell im Griff hat. Genau wie die kleinen Störversuche. Wie etwa das „Nein“ auf seine Frage, „wollt ihr getauft werden“. Mit „Du kriegst gleich die gelbe Karte“ stellt der Pfarrer die Ruhe wieder her.

Schön ist anzusehen, wie die kleine Gruppe gemeinsam die Feier bestreitet, sich die Kinder gegenseitig helfen und der Rollstuhlfahrer Felix beispielsweise von Ivonne immer mit in die Gruppe geschoben wird. Auch dafür, dass Sascha unbedingt an der Seite von Erik stehen möchte, zeigt Köpke Verständnis: „Klar, wir Männer müssen doch zusammenhalten.“

Im Mittelpunkt der diesjährigen Konfirmationsfeier, die in dieser Form alle zwei Jahre stattfindet, steht die biblische Geschichte, in der David aufgrund seines großen Herzens von Gott zum König erwählt wird, obwohl sechs stattlichere Anwärter zur Auswahl stehen. Auch Hans Köpke sieht das Besondere an seinen Schülern:

„Das ist schon toll, was sie einem für ein Vertrauen entgegen bringen. Sie erzählen mir, was sie freut, was sie ärgert. Sie haben nicht so eine Distanz, wie man sie bei anderen Kindern spürt. Ihre Stärke, auch im Umgang untereinander, ist es, Gefühle zeigen zu können“, schwärmt er. Im Alltag bekämen solche Kinder dann oft genug zu hören: „Das kannst du nicht.“

Unter Anleitung von Roth und Köpke werden sie nun während der Konfirmationsfeier symbolisch zu Königen der Herzen gekrönt. Das Stück dazu führen die Verwandten diesmal für sie auf.