Nevigeser Peter Egen als Pionier Deutsch-Israelischer Beziehungen

Dr. Peter Egen, damals noch als RCDS-Landesgeschäftsführer, im Gespräch mit Ben Gurion im Kibbuz Sode Boquer.
Dr. Peter Egen, damals noch als RCDS-Landesgeschäftsführer, im Gespräch mit Ben Gurion im Kibbuz Sode Boquer.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Als Landesgeschäftsführer des bayrischen RCDS – der Studentenorganisation von CDU/CSU – war der Nevigeser Dr. Peter Egen nicht unerheblich an den Vorbereitungen für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel beteiligt.

Neviges..  Der 12. Mai 1965 war ohne Frage ein historischer Tag. Denn an diesem Mittwoch vor 50 Jahren nahmen die Bundesrepublik Deutschland und Israel die diplomatischen Beziehungen zueinander wieder auf. Der Austausch von Botschaftern war dabei nur der Höhepunkt von monatelangen Vorbereitungen.

Einer, der aktiv daran beteiligt war, ist der Nevigeser Dr. Peter Egen, damals Landesgeschäftsführer des Rings christlich-demokratischer Studenten (RCDS) in Bayern. „Meiner Ansicht nach war es Aufgabe der jungen Generation, die Aussöhnung zwischen den beiden Staaten voran zu bringen“, erzählt der gebürtige Wuppertaler. „Für mich war es damals sehr traurig zu sehen, dass die israelische Jugend das ganz anders sah.“ Da der RCDS schon über gute Kontakte in die Region verfügte – allerdings nur zu arabischen Studentenverbänden – wollte Egen auch mit israelischen Verbänden ins Gespräch kommen. „Mein größtes Bestreben war es dabei immer, ein deutsch-israelisches Jugendwerk zu gründen, das ähnlich dem deutsch-französischen Vorbild funktioniert“, sagt Egen. „Leider gibt es das bis heute nicht, obwohl es schon notwendig gewesen wäre.“ Denn, so Egen, „ich habe gesehen, was man bewegen kann, wenn junge Menschen zusammenkommen.“

Hilfe von ganz oben

Unterstützung bekam der damals 28-Jährige von ganz oben, von Franz-Josef Strauß. Der vermittelte ihm Kontakte zu Golda Meir und Shimon Peres – „wobei es nur mit Peres zu einem Treffen kam“. Im März 1965 reiste Egen mit drei weiteren Studentenvertretern nach Israel. „Es gab eine sehr starke Gegenbewegung zu unserem Engagement“, erinnert er sich. „In Tel Aviv gab es in vielen Geschäften Schilder mit der Aufschrift ,Deutsche nicht erwünscht’. Auch viele Menschen wollten nicht mit Deutschen reden.“ Besonders mitgenommen habe ihn aber etwas ganz anderes: „Für mich war das Schlimme an der ganzen Geschichte, dass andere junge Menschen mir eine Mitschuld an den Geschehnissen während der Nazi-Zeit gaben.“ Und dass, obwohl er, Jahrgang 1936, in dieser Zeit noch ein Kind gewesen war. „Es gab hitzige Diskussionen“, erzählt Egen, „und das wollten wir ändern.“

Unzählige Treffen und zähe Verhandlungen braucht es. „Und das hat Energie gekostet.“ Doch kaum wieder zurück – Ende März 1965 – ging die Arbeit weiter. Nun musste Egen von seinen Erfahrungen berichten, ging in Schulen, zu Vereinen, in jüdische Gemeinden und natürlich zu Treffen des RCDS. Kurz vor der Reise des neuen deutschen Botschafters in Israel, Dr. Rolf Pauls, gab es dann beunruhigende Nachrichten: Israelische Studenten drohten mit Demonstrationen am Flughafen, wollten deutsche Fahnen verbrennen. Peter Egen nahm Kontakt mit dem Bundespresseamt auf und reiste in Folge in den Nahen Osten. „Rede mit Studenten, rede mit Politikern, hieß es damals.“ Und das machte er. Dass dann letztendlich am Flughafen nicht demonstriert wurde, will er aber nicht seinem Engagement zuschreiben, erzählt er schmunzelnd: „Ich hatte auch ein wenig Glück, weil genau zu dieser Zeit die Einberufung zur Armee anstand, die jungen Leute also gar nicht demonstrieren konnten.“

Für Egen besonders schön: Aus den anstrengenden Reisen von damals sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Zu zweien der israelischen Studenten, die in den 60er Jahren als erste nach Deutschland kamen, pflegt der Nevigeser bis heute gute Kontakte.