Kriminalität
Neue Missbrauchsvorwürfe erschüttern Bürger in Neviges
03.12.2009 | 11:17 Uhr 2009-12-03T11:17:00+0100
Neviges. Nachdem die Missbrauchsvorwürfe gegen einen 59-Jährigen bekannt wurden, ist der Fall Thema Nummer eins. Er soll drei Jungen sexuell misshandelt haben. Die zur Tatzeit zwölf bis 13 Jahre alten Jungen hatten sich bei den Vernehmungen im Fall Kassandra der Polizei offenbart.
Beim Bäcker ist es Thema. Beim Fleischer auch. Ein 59-Jähriger soll drei Jungen sexuell missbraucht haben. Schon wieder so eine Sache. Schon wieder in Neviges.
„Man kann es nicht glauben”, sagt Sandra Berger. Die 32-Jährige hat selbst ein Kind und ist auf dem Weg zum Einkaufen. Sie habe gedacht, dass der Fall Kassandra nicht mehr zu toppen sei. „Es geht wohl immer noch schlimmer.”
"Kaufen Sie hier nicht. Das ist ein Kinderschänder"
Die Staatsanwaltschaft Wuppertal bestätigte in der Mittwochsausgabe der WAZ, dass es Ermittlungen gegen einen 59-jährigen Nevigeser gibt. Die zur Tat zwölf bis 13 Jahre alten Jungen hatten sich bei Vernehmungen im Fall Kassandra der Polizei offenbart und von dem Missbrauch berichtet. Es soll unter anderem zu Oralverkehr und Zungenküssen gekommen sein.
Nachdem das Geschäft des mutmaßlichen Täters schon für einige Tage geschlossen war, als erste Vorwürfe wegen Kinderpornografie aufkamen, sind die Verkleidungen wieder vom Schaufenster verschwunden. Es gibt Sonderangebote.
Vor dem Geschäft des 59-Jährigen spricht ein Passant den anderen an: „Kaufen Sie hier nicht. Das ist ein Kinderschänder.” Der Mann brummelt noch etwas in sich hinein. Er schimpft auf die Polizei, die ja nicht richtig durchgreife. „So jemand gehört weggesperrt.” Dann setzt er seinen Einkauf fort.
Mann streitet Vorwürfe ab
Die Staatsanwaltschaft ermittelt ausdrücklich ergebnisoffen. Offiziell gilt der 59-Jährige als Beschuldigter, nicht als Täter. Der Mann hat die Vorwürfe abgestritten. Fest steht: Die Vorwürfe wiegen schwer. Die drei Jungen haben unabhängig voneinander gegen den Mann ausgesagt. Sollte die Staatsanwaltschaft Anklage erheben, wird der Mann sich vor einem Gericht wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern rechtfertigen müssen.
„Die Ermittlungen gehen weiter”, sagt Staatsanwalt Wolf Baumert. Der Beschuldigte hat weiter die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Offen ist auch, ob der 14-jährige mutmaßliche Peiniger von Kassandra ebenfalls ein Opfer des 59-Jährigen ist.
Die Nachbarn wollen sich nicht zu möglichen kriminellen Machenschaften des Händlers äußern. Überall die gleiche Antwort: Von Presse hätten sie in den vergangenen Monaten wirklich genug gehabt. Kassandra und ihre Eltern wohnen nur ein paar Türen weiter.
Gerechte Strafe gefordert
Andere Nevigeser wollen es schon länger gewusst haben. Die Gerüchte reichen weit in das Privatleben des Mannes hinein. Es gibt Diskussionen über seine Homosexualität, was ihn für einige Menschen gleich suspekt macht. Er soll immer nett sein.
Persönlich stehe für ihn die Gesundheit an erster Stelle des Wunschzettels, sagte der 59-Jährige mal in einer Weihnachtsumfrage der WAZ. Er wünschte sich Erfolg für den Nevigeser Einzelhandel und „dass die Deutschen zufriedener werden”.
Ob und wann sich der Händler jetzt vor Gericht verantworten muss, werden die Ermittlungen der nächsten Wochen ergeben. Sandra Berger sagt: „Es soll eine gerechte Strafe geben.”
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