Neubau des Klinikum Niederberg in Velbert ist alternativlos

Tragen beide Verantwortung für das Klinikum Niederberg und arbeiten an dessen Zukunft:Die Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang und der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Herre.
Tragen beide Verantwortung für das Klinikum Niederberg und arbeiten an dessen Zukunft:Die Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang und der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Herre.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das sagt der Aufsichtsratschef. Genügend Platz hätte das Klinikum Niederberg auf seinem Freigelände für ein solches Projekt. Allerdings müssten 110 Millionen Euro investiert werden. Das Abtragen des alten Gebäudes kostet weitere zehn Millionen Euro.

Nach den Osterferien geht im Klinikum Niederberg eine kleine, interne Arbeitsgruppe, zu der auch der hauseigene Baumanager Hans-Dieter Hochgräf gehört, ans Werk. Vor dem Hintergrund, dass der Aufsichtsrat der gGmbH den Neubau des Krankenhauses favorisiert und die Gesellschafterversammlung sein Votum prinzipiell unterstützt (WAZ berichtete), will man die weitreichendste aller drei Bau-Optionen auf eine Zeitschiene bringen und die Abfolge der dafür notwendigen Schritte klären.

Diese Überlegungen reichen bis zum letztlich sukzessiven Umzug ins neue Domizil und der Frage, „wann muss welches Geld da sein?“ So skizziert Geschäftsführerin Dr. Astrid Gesang das Vorgehen. Gen Monatsende können bekanntlich die Stadträte von Velbert und Heiligenhaus entscheiden, ob sie die Empfehlung „Neubau hat Vorfahrt“ ebenfalls befürworten.

Ralf Herre, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender (seit rund zehn Jahren) sowie Chef der CDU-Fraktion im Heiligenhauser Rat, nennt auf weitere Nachfrage dieser Zeitung auch Summen. 110 Millionen Euro müssten Kostenschätzungen zufolge für das Projekt aufgebracht werden, zuzüglich zehn weiterer fürs Abtragen des alten Gebäudes. Maßnahmen lediglich zum Erhalt der Betriebssicherheit incl. der Umsetzung von Teilen des einstigen Bau-Masterplans beliefen sich auf 62 Millionen Euro, seien jedoch betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll. Und eine Sanierung im Bestand mit Teil-Neubau werde auf rund 90 Millionen Euro veranschlagt. Diese Kostenschätzungen stammten, so Astrid Gesang, von einem auf Krankenhäuser spezialisierten Architekten, dessen Projekte bislang finanziell stets „auf der sicheren Seite gewesen und nicht aus dem Ruder gelaufen“ seien.

Klar ist: Vor dem Hintergrund der Asbest-Funde im Gebäude sind Taten für eine Sanierung gefragt. Einfach aufgeben könne man den Standort nicht, bestätigt die Geschäftsführung. Das Klinikum mit seinen 519 Betten und 1100 Mitarbeitern habe schließlich einen Versorgungsauftrag vom Land.

Geronto-Psychiatrie aufbauen

„Das Haus hat sich seine Position am Markt erarbeitet. Man muss schauen, dass man diese auch behaupten kann. Man hört mittlerweile immer öfter, ,dafür würde ich ins Klinikum Niederberg gehen’“, führt Ralf Herre überdies an. Nicht zuletzt wolle man auch die Mitarbeiter nicht vor den Kopf stoßen, die in guten und in schlechten Zeiten zu dem Haus gehalten hätten. Und weiter: „Das Fächer-Portfolio sollte vor Ort bleiben.“ Zudem seien für die Patienten (und ebenso deren Angehörige und Freunde) die schnelle Erreichbarkeit und Nähe ein wichtiges Kriterium.

„Der Neubau ist alternativlos und das einzige, was sich rechnet“, betont der Aufsichtsratschef. Denn das sei die Chance, ganz andere wirtschaftliche Strukturen zu schaffen, „alle Prozesse sind neu zu denken“. Man könne das Prozesswesen – also wie ein Patient „durchgeschleust“ werde – „deutlich geschmeidiger“ gestalten. Herre würde auch gerne „die einzige Lücke im Fächer-Portfolio“ schließen und eine Geronto-Psychiatrie etablieren, „da ist die Nachfrage hoch, und sie wächst noch weiter“.

„Die Medizin von heute ist nicht die von vor 38 Jahren“, sagt Dr. Gesang, die auch Notfallmedizinerin ist. Der neue Baukörper würde völlig anders aussehen, etwa mit einer dezentralen Erschließung. Die komplette Diagnostik – Radiologie, Ultraschall etc. – könnte man endlich in einem Bereich zusammenfassen und zudem den Patienten mehr Komfort bieten. Energetisch hält die Geschäftsführerin jährliche Einsparungen in bis zu siebenstelliger Höhe für machbar. Und Platz? „Wir sind in der komfortablen Situation, dass wir genügend eigenes Freigelände haben.“

Bleibt also das Problem der immensen Investition. Entweder als Selbstfinanzierung oder mit einem Partner, also einem strategischen Investor bzw. Gesellschafter. „Ob sie das schultern können und wollen“, sagt Ralf Herre, „müssen die Eigentümer entscheiden.“ Das gelte ebenfalls für die Chancen-Risiken-Abwägung und die Frage, wie groß ggf. der Partner sein solle.