Neanderland-Erlebnistour nach Langenberg

Stadtführer Karl Goldmann (links) führte diesmal Besucher aus dem Kreis Mettmann durch Langenberg.
Stadtführer Karl Goldmann (links) führte diesmal Besucher aus dem Kreis Mettmann durch Langenberg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Neanderland Erlebnistouren gibt es schon länger, jetzt führte eine der Touren erstmals nach Langenberg. Unter dem Motto „Wohlstand und Reichtum in Stein“ ging es zu den Villen der Senderstadt.

Langenberg..  Im großen Reisebus mitten in den alten Ortskern Langenbergs hinein – so kommt sie angeholpert, die Reisegruppe aus Mettmann, Langenfeld und Hilden. Gut zwanzig Teilnehmer steigen aus und werden herzlich vom Langenberg-Urgestein und erprobten Stadtführer Karl Goldmann und seiner Frau Rose begrüßt.

Spontan-Konzert in der evangelischen Kirche

Die Besuchergruppe darf sich zunächst auf dem historischen Gestühl der evangelischen Kirche niederlassen, während Hobbyhistoriker Goldmann Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Sakralbaus gibt. Interessant sind dabei vor allem die kleinen Zusatzinformationen, wie der Auflösungsprozess des Friedhofes vor der Kirche Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Bürger ganz einfach dessen Steine zum Bauen ihrer Treppen und Keller verwendeten. Der erste Höhepunkt der zweistündigen Führung kommt beim Verlassen der Kirche überraschend – die zufällig anwesende Organistin Wagner-Schluckebier gibt mit einer Cello-Spielerin spontan ein kurzes Barockstück zum besten.

Anschließend übernimmt am Seidenweberbrunnen Rose Goldmann und gibt einen Überblick über die Zusammenhänge zwischen dem Aufstieg und Wohlstand der erfolgreichen Seidenfabrikantenfamilie Colsman und den architektonisch reizvollen Stadtvillen. Weiter geht es über das Kopfsteinpflaster, wobei einige Besucherinnen auf Details des öffentlichen Raums aufmerksam werden: „Was für ein Kopf guckt da aus den Steinen am Boden? Und woher kommen die großen Baumpilze an der Schieferfassade?“ Antwort weiß Karl Goldmann: Die Installationen und Skulpturen stammen aus der Stadtraum-Ausstellung „Körperkonturen“ des Vereins Kunsthaus Langenberg e.V. im Jahr 2000.

Auf dem Weg Richtung Wiemer­straße wird der Sender sichtbar – für viele der Teilnehmer das bekannteste Merkmal Langenbergs. Doch auch der historische Stadtkern mit den „schnuckeligen Fachwerkhäusern“ ist einigen schon aus Besuchen oder „aus der Fernsehsendung ,Wunderschön!’ im WDR“ gut vertraut.

Doch nun weiter zu den Villen der Fabrikbesitzer, heißt die Tour an diesem Tag ja auch „Wohlstand und Reichtum in Stein“: So erfahren die aufmerksamen Besucher Näheres zur Anzahl der Villen (43), dem bekannten Architekten vieler der prächtigen Landhäuser (Julius Raschdorff) und der Herkunft des teils exotischen Pflanzenbestandes der parkähnlichen Gärten (Mitbringsel von diversen Weltreisen). Besonders amüsiert ein Besucherpaar, dass sich eine Fabrikantenfamilie gar eine italienische Brücke im Stil venezianischer Baukunst über den eigenen Bachlauf errichten ließ.

Vorbei an der Eventkirche führt die Tour unter dicht belaubten Bäumen entlang dem Deilbach, an dessen Ufer die Grenze zwischen Rheinland und Westfalen sichtbar wird.

Bevor es zur letzten Station der Führung geht, macht die Gruppe vor dem Anwesen und der ehemaligen Fabrik der Familie Feldhoff halt, die „wie so oft im bergischen Land üblich, direkt nebeneinander gebaut wurden“ – kommt eine ältere Dame dem Führer Goldmann zuvor. Sie kennt den Ort, wie einige der anderen Teilnehmer, schon von früheren Fahrten und Führungen.

In der herrschaftlichen Backsteinvilla „Rotes Haus“ begrüßt schließlich Eduard Colsman persönlich die Gäste und weiß sein Publikum ab der ersten Minute durch anschauliche historische Verweise, biografische Erinnerungen und amüsante Anekdoten zu fesseln. In den sorgfältig restaurierten, museal wirkenden Räumen werden die Teilnehmer ganz still und sind gefangen von deren besonderer Atmosphäre. Als die Zeit für Fragen kommt, blüht das Interesse der Gruppe noch einmal nachdrücklich auf – und vor allem bestimmte Details machen neugierig: Sei es das Alter der floralen Tapeten, das Leben der Bediensteten oder die Beheizung der hohen Räume. Gerade die vielen Facetten, Überraschungen und kleinen Geschichten von Langenberg machten die zweiteilige Führung auf besondere Art und Weise kurzweilig und erinnerungswürdig.