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Moritz Neumeier geht in Velbert an Grenzen

21.02.2016 | 19:00 Uhr
Moritz Neumeier geht in Velbert an Grenzen
Er provoziert einfach gerne: Kabarettist Moritz Neumeier bei seinem Auftritt in der Vorburg von Schloss Hardenberg.Foto: Uwe Möller

Neviges.   Mit seinem Programm will der Kabarettist „ein bisschen Traurigkeit überspielen“, denn das Leben ist eben „kein scheiß Regenbogen“.

Drei Zigaretten und ein Mikrofon. Mehr braucht Moritz Neumeier nicht für zwei Stunden Stand-up-Comedy in der Vorburg von Schloss Hardenberg. „Kein scheiß Regenbogen“ – ein zynisch- sarkastisches Programm, das vor Gesellschaftskritik nur so strotzt. Und mit dem dieser „junge, unverbrauchte Künstler“, wie Zuschauer Herbert Steiner ihn nennt, vor allem eines will: provozieren.

Die Provokation beginnt schon mit dem Rauchen auf der Bühne, über das sich eine Frau in der zweiten Hälfte beschwert. „Es schadet meiner Gesundheit“, sagt sie, woraufhin Moritz Neumeier sich die Zigarette erst recht ansteckt. „Natürliche Auslese eben“, entgegnet er grinsend. Bereits zuvor monierte er, die Menschen würden zu alt. Eine Rentnerin, die vehement dagegen streikt, dass sie schon seit 20 Jahren tot sein müsste, koste den Staat viel mehr als eine Woche nicht rollender Güterverkehr.

Moritz Neumeier geht an Grenzen. Er plädiert dafür, den Hitlergruß wieder einzuführen, nicht weil er ein Neonazi ist, sondern weil er ihnen die Macht über eine Geste nehmen will. Er macht Witze über Behinderte, denn auch über sie darf man lachen, das weiß er spätestens seit seiner Zeit als Zivi in einer Behindertenschule. Der 28-Jährige merkt, dass die Zuschauer sich oft fragen, ob sie noch lachen dürfen, bevor sie doch laut losprusten. „Lachen und zugleich Scham verspüren, das ist das Beste“, sagt er verschmitzt lächelnd.

Hintergrund
Vom Poetry Slam zum Kabarett

2012 feierte „Kein scheiß Regenbogen“, Moritz Neumeiers erstes eigenes Bühnenprogramm, Premiere. Zuvor trat er gemeinsam mit seinem Partner Jasper Diedrichsen als „Team und Struppi“ auf.

2010 gewannen Jasper Diederichsen und Moritz Neumeier die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften. Daraufhin wechselten sie das Metier, machten erst zusammen, nun auch alleine Kabarett.

„Natürlich provoziert er, aber das auf eine sehr charmante und amüsante Art“, findet Besucherin Roswitha Mann. „Viel, von dem was er sagt, ist aus dem Leben gegriffen. Besonders was Kinder betrifft, kann ich ihn gut nachvollziehen.“ Denn Moritz Neumeier ist noch gar nicht lange Vater und schon jetzt total geschafft. Er habe mal gehört, Eltern hätten ein spezielles Hormon. Dadurch würden sie das Brüllen des eigenen Kindes als weniger anstrengend empfinden.

Ratlosigkeit

„Das ist die größte Lüge des Jahrhunderts, direkt nach ,Mein Kampf‘“, schreit er, um danach zu fragen: „Hat jemand von ihnen zwei Kinder?“ Nachdem einige im Publikum nicken, kommt von ihm ein schrilles „Wiiieee?“. „Niemand bereitet dich darauf vor, wie fertig du dann bist. 90 Prozent sagen, Kinder sind das Schönste auf der Welt. Aber was ist mit den anderen zehn?

Es sind diese Alltagsgeschichten, die Wut und die Ratlosigkeit, durch die die Zuschauer besonders einen kennenlernen: den Menschen Neumeier – ebenso überfordert, ängstlich und zweifelnd.

Mit dem Programm will er „ein bisschen Traurigkeit überspielen“, denn das Leben ist eben „kein scheiß Regenbogen.“

Svenja Kloos

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2016-02-21 19:00
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