„Mittelwelle Langenberg“ ist verstummt

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Was wir bereits wissen
Auf dem Hordtberg in Langenberg ging am Montag eine Ära zu Ende: Der kleinere der beiden WDR-Masten hat seinen Sendebetrieb auf der Frequenz „720 kHz“ eingestellt.

Langenberg..  Gestern früh, 2 Uhr, endete ein Stück Lagenberger Geschichte: Der „Sender Langenberg“, Teil des Westdeutschen Rundfunks (WDR), stellte endgültig die Ausstrahlung des Mittelwellenprogramms ein. „720 kHz“ schweigt nun. Zuletzt wurde diese Frequenz fast ausschließlich für den Verkehrsfunk und auch für Direktübertragungen aus dem Landtag Düsseldorf genutzt. Diese Mittelwelle war quasi ein Spartensender.

Die Geschichte des Senders Langenberg begann 1927. Zu den Pionieren gehörte Richard Tormin, nach dem eine Straße auf dem Hordtberg benannt worden ist. Der Hordtberg selbst wird auch oft genug „Senderberg“ genannt. Er gehört nicht zu den höchsten Erhebungen in Velbert bzw. Kreis Mettmann. Nicht die Höhe, die Erdung war entscheidend. Die nunmehr 301 Meter Sendeanlage, ein Meter höher als der Eiffelturm in Paris, steht auf 240 m Höhe. Der „große Sender“ ist für UKW und fürs Fernsehprogramm zuständig.

Sender steht auf dem „Rommel“

Der Mittelwellensender auf dem benachbarten „Rommel“ misst 170 m Höhe. Diese Sendeanlage ist relativ neu. Bei Arbeiten stürze der „kleine Sender“ am 2. September 1996 ein. Ein Halteseil wurde gelöst. Das vertrug die gesamte Anlage nicht. Ein neuer Sender musste her. Der kam dann auch.

Als der „kleine Sender“ einstürzte, fiel dies nicht einmal jedem Langenberger auf. Schon damals hörte kaum jemand noch Mittelwelle. Das war mal anders. Wenn noch heute von „SSS“, Seide Sender, Segelflug, gesprochen wird, ist auf jeden Fall die Mittelwelle gemeint.

„UKW, die Welle der Freude“

Als Mitte 1990 der „große Sender“ u. a. von WDR-Intendant Friedrich Nowottny eröffnet wurde, wurde auch „40 Jahre UKW“ gefeiert. „UKW, die Welle der Freude“ hatte es Anfang der 1950 Jahre geheißen. UKW, die Ultrakurzwelle, hatte einfach die störfreiere Ausstrahlung. Schon einmal, Ende 1993, stellt der WDR einen Mittelwellensender ein. Der sendete über 1593 kHz, brauchte dazu über 800 Kilowatt Leistung. Zu hören war „1593“ noch an der Küste von Holland. Sogar relativ gut.

Neonröhre leuchtete ohne Kabel

Der „1593er“ war zudem der Sender, der Besuchern besonders vorgestellt wurde: Ein Mitarbeiter des Senders hielt eine Neonröhre in die Nähe der Anlage und die Röhre leuchtete. Ganz ohne Kabel. Es hieß auch: Ganz Langenberg ein Radio. Man klemme einen Draht an die Dachrinne und schon hört man Radio. Als die Langenberger WAZ-Redaktion mit einem Computer ausgerüstet wurde, standen vier ratlose Diplomingenieure in dem kleinen Raum. Der Computer wollte absolut nicht funktionieren. Bis einer den Telefonhörer ans Ohr hielt und entgeistert ausrief: „Wer ist denn da im Telefon?“. Es war natürlich der Sender. Die Mittelwelle. Ein kleiner Filter, gerade mal daumennagelgroß, schuf Abhilfe.

Forderung der KEF

Nun also ist der „720er“ verstummt. Warum? Das erklärt der WDR in einer Pressemitteilung: Man erfülle damit „eine Forderung der KEF, der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten“. Kurz: Die (analoge) Mittelwelle sendete zu teuer – das machen Digitalradio und -fernseher billiger, die jetzt das Land mit Musik und Fernsehbildern versorgen.