Mit Hilfe einer Tönisheider Einrichtung den Alkohol besiegt

Es gibt immer etwas zu tun: Peter Golenia ist glücklich, in den Räumen des Z.A.B. arbeiten zu dürfen.
Es gibt immer etwas zu tun: Peter Golenia ist glücklich, in den Räumen des Z.A.B. arbeiten zu dürfen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Peter Golenia hing Jahrzehnte lang an der Flasche, lebte sogar auf der Straße. Mit Hilfe des Z.A.B, dem Zentrum für Arbeitsförderung und Beschäftigung, schaffte er den Absprung.

Wenn Peter Golenia auf dem Heimweg an der Trinkhalle vorbeikommt und alte Bekannte sieht, dann sagt er höchstens kurz „Hallo“. Denn ein längeres Schwätzchen, so der 58-Jährige, „das ist zu gefährlich. Außerdem hab ich keine Lust, vollgelabert zu werden. Besoffene erzählen viel Mist“. Peter Golenia war früher selbst sehr oft sehr betrunken. Kennt diverse Suchtkliniken, ist aus Einrichtungen herausgeflogen oder ausgebrochen, wurde obdachlos. Ein Leben ganz unten. Seit mehr als einem halben Jahr hat Peter Golenia keinen Tropfen mehr angerührt. Keine allzu lange Zeit, kein Grund zur Euphorie, wie er selbst weiß, „aber so lange war ich nie zufrieden trocken“.

Dabei hilft ihm auch das Z.A.B., das „Zentrum für Arbeitsförderung und Beschäftigung“ an der Wülfrather Straße 6a.

Peter Golenia hält es nicht für nötig, seinen Namen abzukürzen, seine Identität zu verschleiern. „Abhängig zu sein ist keine Schande. Aber nichts dagegen zu tun, das ist eine Schande.“ Dann lächelt er verschmitzt: „Schlaue Sprüche, ich weiß. Ich war oft entgiftet, aber noch nass in der Birne.“ Heute weiß er, dass ein winziger Schluck alles kaputt machen würde. Wo er doch sein neues Leben so mag: Gemeinsam mit Heinz und Jürgen in der WG der Caritas-Suchtberatungsstelle zu frühstücken. Das fast vergessene Gefühl, sich selbstständig von 260 Euro Betreuungsgeld zu versorgen, ohne dass ein einziger Cent für Schnaps dabei drauf geht. Und natürlich die drei Tage in der Woche im Z.A.B.

Hier bringt er alte Möbel auf Vordermann, stellt Kerzen her. „Ich wüsste gar nicht, was ich in den drei Tagen sonst machen sollte. Man braucht Arbeit, seine Leute.“

Sucht hat immer eine Geschichte. Peter Golenia, der gebürtige Duisburger, erzählt sie sachlich, fast emotionslos. „Wenn mein Vater nüchtern war, dann war alles gut.“ Was nur nicht oft zutraf, wie er sagt. „War er besoffen, schlug er meine Mutter. Wollte ich ihr helfen, hab ich auch eins in die Schnauze gekriegt.“ Sechs, sieben Jahre alt sei er da gewesen. Eine weitere Erinnerung: „Bei meiner Mutter im Einkaufswagen lag auch immer eine Flasche Schnaps.“

Das Heim als Erlösung empfunden

Dann die entscheidende Wende: „Mit neun, das werd ich nie vergessen, kamen Jugendamt und Polizei, brachten mich und meine Geschwister ins Heim.“ Mit neun Jahren besucht er regelmäßig die Schule, spürt zum ersten Mal Nestwärme. „Die im Heim waren sehr liebevoll, ja, es war für uns eine Erlösung.“ Peter Golenias Augen glänzen, wenn er sagt: „Die Zeit im Heim, die war gut.“ Die Einrichtung verschafft ihm eine Lehrstelle zum Bäcker und Konditor, Peter ist inzwischen 18. Doch die Angst vor dem Vater ist immer da. Deshalb leistet er auch keinen Widerstand, als dieser „Brocken von Mann“, wie er sagt, plötzlich in der Bäckerei auftaucht und ihn kurzerhand mitnimmt. „Er sagte nur: Ich brauche meinen Sohn für die Arbeit.“

Der Rest ist schnell erzählt. „Mein Vater war Schrotthändler, wir gingen zusammen auf Tour.“ Der Verdienst wurde für Schnaps ausgegeben. „Abends König, morgens Bettler.“ Es war seine mittlerweile längst geschiedene Ehefrau, die ihn Ende der 80er Jahre zum Hausarzt fuhr. „Mir war schlecht, ich klapperte und zitterte.“ Und er wollte nicht glauben, als der Arzt sagte: „Endlich sind Sie hier. Sie sind abhängig.“ Was folgte, war ein langer, schmerzhafter Weg. Heute sagt Peter Golenia, der nach eigenen Angaben oft drei bis vier Promille intus hatte, wenn er wieder einmal schlafend an einer Bushaltestelle aufgegriffen wurde: „Ich bin froh, dass mein Kopf noch funktioniert. Viele haben ihren Verstand weggesoffen.“

Mittlerweile ist es 12 Uhr im Z.A.B., gleich ist Essenszeit. „Immer total lecker.“ Um 14 Uhr fährt Peter Golenia mit dem Bus heim zur WG nach Wülfrath. An der Trinkhalle geht er schnell vorbei.