MGV Widerhall ist meisterlich
01.06.2011 | 18:11 Uhr 2011-06-01T18:11:00+0200
Tönisheide. Der vielfach ausgezeichnete Männergesangverein Widerhall Tönisheide hat seine ganz große Zeit hinter sich.
Würde man den Männergesangverein Widerhall Tönisheide als Person darstellen, so wäre das wohl ein alternder Athlet – mit viel Bizeps unter der faltigen Haut. Sangesbruder Heribert Groth erinnert sich an den Zeitpunkt seines Eintritts 1964, – „da waren wir zwischen 25 und 30 Sänger und strotzten vor Selbstbewusstsein“. 1968 wurde Otto Heinz Krause als künstlerischer Leiter verpflichtet, Widerhall-Sänger Herbert Romagno war auf den Wuppertaler in Neviges aufmerksam geworden, dort leitete OHK, wie er liebe- und respektvoll tituliert wurde, den evangelischen Kirchenchor.
Während der 23 Jahre unter Krause kam Widerhall ordentlich in Fahrt. „Er schnitt einige alte Zöpfe ab und bereitete uns schon bald für das Meisterchorsingen vor“, erinnert sich Groth. Das war eine spannende Zeit: Gesungen wurde alles, was Anspruch hatte, auch Volkslieder. Gut präpariert erklommen die Tönisheider beim Wertungssingen in drei Stufen den Olymp des Chorsingens, arbeiteten sich über die Kreis- und Bezirksebene bis zum Leistungssingen auf Bundesebene vor.
Zum 75-jährigen Bestehen wurden die Tönisheider Meisterchor
1972 hat Widerhall den ersten Gipfel seines Erfolges erklommen: Pünktlich zum 75-jährigen Bestehen bekommen die Tönisheider den Titel des Meisterchors. Unter Otto Heinz Krause sollte es dem Männerchor 1976 und 1983 noch zwei weitere Mal gelingen. Dann war es der Leiter müde, „er hatte einfach nicht mehr die Kraft, uns noch weiter auf diesem Weg zu führen“, sagt Heribert Groth. Herbert Romagno, ein Widerhaller von feurigem Temperament, übernahm den Stab. „Er hat unsere Qualität über 15 Jahre hochgehalten“, formuliert es Groth dankbar.
Auf ihn folgte 2007 bis 2011 die Kirchenmusikerin Tzvetanka Vassileva Spruck, die die Herrenriege zu großen konzertanten Erfolgen führte. Immer noch brillieren die Widerhaller mit Liedvorträgen, können auch überzeugend humoristisch, fühlen sich zu Hause sowohl in der Operette wie bei Reinhard Meys Diplomatenjagd und bei Ringelnatz-Vertonungen.
Nachlassendes Interesse an der Männerchor-Kultur
Doch bestimmte Entwicklungen konnte kein Chorleiter aufhalten – den natürlichen personellen Rückgang im Chor, und nachlassende Interesse der nächsten Generation an der Männerchorkultur insgesamt. „Gewiss gab es Überlegungen für Fusionen“, sagt Groth. Allerdings habe nie die dafür nötige Offenheit im Verein existiert. „So ein älterer Verein verliert irgendwann auch die Bereitschaft zum Kompromiss – musikalisch, aber auch beim Vereinsleben“, sagt Groth.
Letzteres war bei den Tönisheidern übrigens immer bunt und familiär: Weihnachtsfeiern, Sommerfeste, mal mit, mal ohne den Bürgerverein. Aktuell steht der MGV vor einer neuen Herausforderung: Der Chor sucht eine neue künstlerische Leitung.
Der Vorsitzende Ralf Seipenbusch hat da unter der Rufnummer 02053/8604 ein Ohr offen.
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