Meisterhaft
01.09.2008 | 18:06 Uhr 2008-09-01T18:06:30+0200Klaus Maria Brandauer in Shakespeares Sommernachtstraum.Schauspieler, Musik und Bühnenbild bescheren unvergesslichen Abend
Es war ein großer Theaterabend: William Shakespeares Lustspiel "Ein Sommernachtstraum". Seine Wirkung ist so groß, dass es nach Goethes "Faust" das meist gespielte Theaterstück in Deutschland ist. So war auch der Saal im Forum Niederberg ausverkauft, zumal der weltbekannte österreichische Schauspieler Klaus Maria Brandauer spielte. Als Sprecher und Schauspieler stellte er ganz alleine die Charaktere von über 20 Rollen dar.
Richtschnur war ihm dabei Felix Mendelssohn Bartholdys geniale Schauspielmusik. Der erst 17 Jahre alte Komponist war gefesselt von der Schlegel-Tieckschen Übersetzung des englischen Stücks. Spontan schrieb er eine Ouvertüre dazu, die er in vierhändiger Klavierfassung 1826 mit seiner Schwester Fanny im Hause Mendelssohn uraufführte. Dann erst bearbeitete er das Stück als Orchesterwerk. Erst 20 Jahre später schrieb er auf Veranlassung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. die komplette Schauspielmusik, die dennoch stilistisch der Ouvertüre entspricht.
Das Piano-Duo Andreas Grau und Götz Schumacher spielten nun in Velbert das ganze Werk vierhändig: in vollkommener klanglicher und ausdrucksmäßiger Einheit. Von der vollen Orchesterwirkung bis zum geisterhaften Pianissimo, von werkgerechtem Pianissimo bis zu höchster Virtuosität. Faszinierend das wirbelnde Scherzo als Elfenmusik. Bildhaft geprägt waren auch Intermezzo und Notturno (die von ihrem geliebten Lysander verlassene Hermia, eine Mondnacht). Besonderen Beifall erhielt der bis heute zu Vermählungen gespielte "Hochzeitsmarsch" zu den verschiedenen Hochzeiten gegen Ende des Shakespeare-Stücks. Der "Rüpeltanz" mit seinem markanten Eselsschrei kommentierte das humorvoll gespielte Stück von "Pyramus und Thisbe" der bewusst schauspielerisch laienhaften Handwerker von Herzog Theseus mit der Amazonenkönigin Hippolyta.
Vor der wunderschönen "Zauberwaldkulisse" aus Meiningen (WAZ berichtete) agierte ebenso meisterhaft charakteristisch wie locker humorvoll Klaus Maria Brandauer. Er sprach nicht nur sinngemäß die Texte des Geschehens, sondern ging oft unvermittelt in die schauspielerische Darstellung der Handlung über: Das Athener Hochzeitspaar Theseus und Hippolyta, die jungen Liebhaber Lysander und Demetrius, mit ihren Geliebten Hermia und Helena, Elfenkönig Oberon mit vielen seiner Elfen und die braven Handwerker, die das klassische Stück über "Pyramus und Thisbe" versuchten und dennoch großen Erfolg hatten. Brandauer glänzte mit dem urkomisch dargestellten Selbstmord des Pyramus, nachdem er Thisbe tot glaubte. Er bezog auch geschickt das Publikum mit ein, das begeistert mitmachte. Stehende Ovationen am Schluss!Wirbelndes Scherzo fasziniert als Elfenmusik
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