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Mangel an Psychotherapeuten - lange Wartezeiten für Patienten

20.10.2012 | 10:00 Uhr
Mangel an Psychotherapeuten - lange Wartezeiten für Patienten
Der Psychologe der Evangelischen Beratungsstelle Velbert, Thomas Cullman, bemängelt fehlende Therapieplätze. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPoolFoto: Uwe Möller

Velbert.  Lange Wartelisten verzögern für Menschen mit psychischen Problemen den Beginn der Behandlung bei einem Therapeuten. Die nordrhein-westfälische Psychotherapeutenkammer fordert für NRW 1600 psychotherapeutische Praxen zusätzlich. Beratungsstellen können manchmal Überbrückungshilfe leisten.

Wer heute nicht mehr aus noch ein weiß, sein Leben nicht mehr in den Griff bekommt und aus diesen Gründen ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen will, sollte ausgerechnet die Wartezeit mitbringen, die vielen Menschen in Ausnahmesituationen gerade fehlt. „Viele, die zu uns kommen, warten zwischen einem halben bis zu eineinhalb Jahren auf einen Therapieplatz“, hat Thomas Cullmann die Erfahrung gemacht.

Er ist Leiter der ev. Beratungsstelle für Partnerschafts-, Familien- und Lebensfragen , eine Institution, die eigentlich dafür da ist, bei Erziehungs- oder Eheproblemen zur Seite zu stehen, die aber seiner Erfahrung nach immer häufiger zur ersten Anlaufstelle für psychisch erkrankte Menschen wird. „Dass liegt daran, dass die Bedarfszahlen für zugelassene Psychotherapeuten seit 1999 unverändert sind und schon damals nicht ausreichend waren.“

1600 psychotherapeutische Praxen zusätzlich

So kritisiert auch die nordrhein-westfälische Psychotherapeutenkammer, dass seinerzeit in den Großstädten des Ruhrgebiets ein viel geringerer psychotherapeutischer Bedarf angenommen wurde , als in anderen deutschen Großstädten. „Wir fordern deshalb für Nordrhein-Westfalen 1600 psychotherapeutische Praxen zusätzlich“, erklärt die Präsidentin dieser Vereinigung, Monika Konitzer.

Zur mangelnden Therapeutenversorgung komme, „dass die Krankschreibungen wegen psychischer Probleme oder Depressionen in den letzten zehn Jahren massiv zugenommen haben“, erläutert Cullmann das Problem.

Was also tun, wenn schnelle Hilfe nicht zu bekommen ist? In ganz schlimmen Fällen empfiehlt Tanja Koch, Landessprecherin der Barmer GEK, den Gang ins Krankenhaus. „In dringenden Fällen wird man dort von den psychologischen Ambulanzen aufgenommen.“ Allen anderen rät sie, Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Düsseldorf aufzunehmen, die für Notfälle eine Liste mit offenen Therapieplätzen bereit hält. Auch eine Anfrage bei der Psychotherapeutenkammer sei empfehlenswert. Darüber hinaus weiß sie: „Viele Therapeuten halten zur Krisenintervention Plätze frei.“

Hoffen auf mehr Therapeuten

Froh ist man in ihrem Haus darüber, dass die letzten Honorarverhandlungen für Ärzte zumindest eine Trennung der Töpfe von Psychotherapeuten und Ärzten ergeben hat. „Wir hoffen, dass im Zuge dieser eigenen Vergütung jetzt bald mehr Therapeuten zugelassen werden.“

Die Lösung, sich auf eigene Kosten einen Arzt zu suchen, kommt für viele Kranke nicht in Frage. „Wer eine psychische Störung hat, kann oft keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen“, hat Siegfried K. Mengeler, Heilpraktiker für Psychotherapie festgestellt und bedauert, dass die Kassen seine therapeutischen Leistungen nicht erstatten. „Sicher hat die Ausbildung als Heilpraktiker einen anderen akademischen Grad, dennoch können wir mit Verhaltens-, Gesprächs- oder Kunsttherapien Menschen aus Lebenskrisen befreien, haben sofort Termine frei und bieten viel Zuwendung“, ist er überzeugt.

Sein Kollege Klaus Büssow möchte dagegen gar keine Kassenzulassung. „Dann hätte ich den ganzen bürokratischen Kram am Hals und auch Wartelisten von sechs bis 15 Monaten. Ich erlebe ständig Menschen mit Depressionen, Ängsten, Erschöpfungszuständen und Problemen nach Trennung oder Tod. Wenn die kommen, möchte ich denen schon übermorgen helfen können.“ Wenn er dennoch Klienten aus finanziellen Gründen wegschicken muss, versucht er, ihnen zumindest Hilfe über andere Beratungsstellen wie Diakonie oder Caritas zukommen zu lassen. „Bei Gefahr der Selbst- oder Fremdbeschädigung rate ich dazu, die Klinik aufzusuchen.“

Birgit Hölker-Schüttler



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