Mädchenfest im Nevigeser Jugendzentrum Lessingstraße

Einfach mal blau machen: Yvonne (11) nutzte die Gelegenheit, sich perfekt schminken zu lassen.
Einfach mal blau machen: Yvonne (11) nutzte die Gelegenheit, sich perfekt schminken zu lassen.
Foto: WAZ
Das Kinder-und Jugendzentrum an der Lessingstraße in Neviges war beim Mädchenfest fest in weiblicher Hand. Knapp 150 kleine Gäste zahlten keinen Cent und hatten einen Riesenspaß.

Neviges..  Ritsch, ratsch, ritsch, ratsch. Pfeilschnell saust die Säge durch das Holz. Laura (8) hat schon vor Anstrengung ganz rote Backen. „Da kommt dann noch ein Loch ‘rein, dann ist das ein Schlüsselanhänger.“ Alina nickt. „Ich hab auch schon Ohrringe gemacht.“ Natürlich nicht mit der Säge, sondern nebenan, an der Perlenstation. Die zwei machten es sich nett beim Mädchenfest im Kinder- und Jugendzentrum, wo es gestern alles gab – nur keine Jungs.

Knapp 150 kleine Gäste im Alter von sechs bis 13 Jahren tummelten sich an der Lessingstraße. Nippten am quietschgrünen „Hexentrunk“, stärkten sich mit frischen Waffeln, bastelten sich aus Filz Haarspangen, standen geduldig in der Schlange, um sich frisieren zu lassen. Eben richtige Mädchen, die es „ganz toll“ fanden, an diesem Nachmittag einmal ganz unter sich zu sein.

„Die Jungs drängeln sich immer vor und machen Krach“, meint Alina. Auch Ayca (9) ist ganz froh, ihren kleinen Bruder nicht am Rockzipfel hängen zu haben. Überhaupt – diese Jungs: „Im Unterricht reden die immer“, meint Franziska. Und Ayca ergänzt. „Und dann holen sie einfach ihr Spielzeug raus, und zeigen das überall herum, statt Teste zu schreiben.“ Einfach unerhört.

Nur ein einziges männliches Wesen durfte gestern hier weilen, und der hatte auch nichts zu sagen: Max, der Holzbock, auf dessen Rücken Yvonne (11) gerade eine Voltigier-Kür ausprobiert.

Es ist mittlerweile das 22. Mädchenfest, das die Stadt Velbert auf die Beine stellt. Mit einem Programm, für das die kleinen Gäste keinen Cent zahlen und das ohne das Engagement vieler Gruppen nicht möglich wäre. Wie zum Beispiel der Mädchen AG der Regenbogenschule. Lang ist die Schlange im Keller vor dem „Chill Raum“, wo die AG-Mädchen Marie, Alina, Larissa und Laura unermüdlich einen kleinen Plastik-Igel über Beine und Rücken rollen lassen. Auch eine Art Schneebesen kommt zum Einsatz, „das kribbelte gerade doll, ist aber ganz schön“, schwärmt Nele (7). Das Anstehen hat sich gelohnt, findet auch Julia (10): „ Ja, so etwas wäre auch zu Hause schön.“

Derweil wissen Tamara Heidtkamp und Louise Butterwegge vor dem großen Spiegel kaum, wo ihnen der Kopf steht. Wie am Fließband flechten die beiden Ehrenamtlichen Zöpfe, machen Locken, greifen auch, je nach Wunsch, zum Glätteisen. Eindeutig der Hit: Wellen. „Meine Mama sagt, ich sehe dann aus wie ein Engel“, wispert Emilie (8). Dafür nimmt sie gern das längere Anstehen in Kauf. Mia ist schon einen entscheidenden Schritt weiter, was sie im ersten Moment jedoch nicht richtig glücklich macht. Das Eisen qualmt, Mia bekommt ganz große Augen – und lächelt dann glücklich. Die erste Korkenzieher-Locke ist fertig – sie hat die Haare schön.

Ein bleibendes Andenken an das Mädchenfest nehmen sich Maria und Virginia mit nach Hause: einen selbst gebastelten Lampenschirm. Louisa freut sich derweil über ihre grüne Seepferdchen-Haarspange aus Filz. Die Stimmung ist überall heiter und gelassen, an der Bar wird Corinna Schulz vom Kinder- und Jugendzentrum nicht müde, Waffeln zu backen, auch die gibt’s umsonst. Dazu jede Menge gute Laune – aber die ist sowieso unbezahlbar.