Lediglich zwei Kinder wurden in Velbert 2014 adoptiert

Bei Horst und Barbara Graf hat die Adoption geklappt: Zum eigenen Sohn Joshua kam noch Besufekad hinzu.
Bei Horst und Barbara Graf hat die Adoption geklappt: Zum eigenen Sohn Joshua kam noch Besufekad hinzu.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
93 Velberter Kinder befinden sich in Langzeitpflege. Lediglich zwei wurden adoptiert. Wer seinen Kinderwunsch auf diesem Wege erfüllen will, muss etliche Hürden nehmen.

Für viele Paare bedeutet ein gemeinsames Kind die Erfüllung des Familientraums. Doch nicht immer ist es möglich, leibliche Kinder auf die Welt zu bringen. Dann besteht die Möglichkeit auf Adoption oder aber auch, Pflegeeltern zu werden. Ursula Dippel und Martina Lueg vom Fachbereich Adoptions- und Pflegekinderdienst der Stadt erklären, wie das Bewerbungsverfahren bei einer Adoption aussieht. „Wesentlich häufiger aber vermitteln wir Kinder zu Langzeitpflegeeltern“, erläutert Martina Lueg. Dabei ist die Vorgehensweise die Gleiche.

Loslösung von Pflegefamilie

„In einem ersten Gespräch wird den Bewerbern das Prozedere erläutert.“ Wenn sie danach immer noch Interesse haben, müssen sie eine ganze Mappe mit Unterlagen ausfüllen, die dann von den Mitarbeitern geprüft werden. „Neben einem Gesundheits- und einem Führungszeugnis geben die Eltern hier auch Auskünfte über ihre Vorstellungen und Erwartungen“, so Ursula Dippel. Jeder soll seine Antworten selbstständig abgeben, denn so werden auch unterschiedliche Vorstellungen leichter deutlich. „Nach einem komplexen Gesprächsprozess“, so Dippel, „suchen die Mitarbeiter dann nach einem geeigneten Kind. Im Regelfall vermitteln wir Kinder bis fünf Jahren“, so Lueg. Darüber hinaus wird es schwierig. „Man sagt, jedes Jahr, dass das Kind woanders gewesen ist, braucht es noch einmal zum Ankommen.“ Ein fünfjähriges Kind fühlte sich also erst mit zehn Jahren heimisch. „Wir können keine Wunschkinder vermitteln“, betont Dippel. „ Aber Sympathie und Antipathie entscheiden sich innerhalb von Sekunden.“ So wird beim ersten Kontakt zwischen Kind und Bewerbern genau auf Stimmigkeit geachtet. „Wir kommen zu Besuch in die vertraute Umgebung oder treffen uns auf dem Spielplatz“. Allmählich lernen sich Kind und künftige Eltern kennen. „Wir versuchen den Prozess möglichst lange hinauszuzögern, bis das Kind die neue Situation verkraften kann und auch im Haushalt der Bewerber zurechtkommt.“ Die Loslösung aus der Pflegefamilie, in denen die Kinder meist untergebracht sind, findet langsam statt. „Das dauert unserer Erfahrung nach in der Regel ein bis drei Monate“, so Dippel. „Je kleiner das Kind ist, desto schneller geht’s“, ergänzt Lueg. „Meist spüren aber alle Beteiligten zur gleichen Zeit, dass es soweit ist.“

93 Kinder befinden sich laut Statistik von 2014 in Velbert in Vollzeitpflege, lediglich zwei Kinder wurden adoptiert. Bundesweit sieht es ähnlich aus: 2013 wurden 3500 Kinder adoptiert, mehr als die Hälfte dieser Kinder von ihren Stiefeltern; es gibt bundesweit mehr als 60 000 Pflegekinder.