Lebensmittelspenden an die Tafel gehen in Velbert zurück

Nicht viel drin: Angelika Schwinning und Felíx helfen bei der Tafel am Standort Neviges. Frische Produkte wie Joghurt, Quark, Butter oder Fleisch können die beiden aber immer seltener ausgeben.
Nicht viel drin: Angelika Schwinning und Felíx helfen bei der Tafel am Standort Neviges. Frische Produkte wie Joghurt, Quark, Butter oder Fleisch können die beiden aber immer seltener ausgeben.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit anderthalb Jahren nehmen die Spenden von frischen Lebensmitteln an die Velberter Tafeln ab. Die Gäste der Tafel bekommen hauptsächlich Obst, Gemüse und Brot in ihre Tüten.

Velbert..  Schon früh morgens sind die ehrenamtlichen Helfer und Arbeitskräfte der Niederberger Tafel unterwegs. Drei Autos steuern zwischen 8 und 11.30 Uhr täglich 28 bis 31 Discounter und Lebensmittelmärkte an, um Ware in Empfang zu nehmen, die dort nicht mehr verkauft wird. Nicht immer wird das mitgebracht, was an den Ausgabestellen der Tafel am meisten benötigt wird.

Frische Produkte sind Mangelware

„Brot, Obst und Gemüse haben wir meistens ausreichend“, weiß Johanna Arnold, eine der drei Verantwortlichen des Standorts Neviges. Heute allerdings ist das Gemüse knapp. „Wir können immer nur das ausgeben, was gespendet wird“, sagt Renate Zanjani, Pressesprecherin der Diakonie. „Das wissen unsere Gäste aber auch.“

Besonders rar sind frische Produkte wie Joghurt, Quark, Butter, Käse oder Fleischwaren. „Das ist in den letzten Jahren schon bedeutend weniger geworden“, so Arnold. Dabei ist der Bedarf groß. Nicht immer ist es leicht, da den Gästen gerecht zu werden. „Manchmal bekommen wir drei schwarze Kühlkisten mit frischen Produkten. Rechnerisch könnte dann jeder Gast einen Joghurt bekommen. Aber was macht eine vierköpfige Familie mit einem einzigen Joghurt?“ Der Spagat, allen gerecht zu werden, ist für die Ehrenamtlichen nicht immer einfach, und manches Mal müssen sie sich dann auch der Frage stellen, weshalb eben der eine oder andere gerade keinen frischen Produkte bekommt. Arnold weiß: „Natürlich muss jede Verkaufsstelle rechnen“, und sie vermutet: „Wenn man dann Produkte mit einem kurzen Haltbarkeitsdatum preisreduziert abgibt, kann man immer noch ein wenig Umsatz machen.“

Zanjani appelliert aber an die Vernunft: „Wenn Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit im Discounter reduziert werden, kann jeder davon profitieren. Die Tafel gibt Lebensmittel nur an bedürftige Menschen ab.“ Die Problematik, dass frische Produkte Mangelware sind, gebe es bei der Tafel „seit anderthalb Jahren.“

Wie die Lebensmittelmärkte mit ihren Waren verfahren, bleibe ihnen jedoch selbst überlassen. „Wir stehen nicht in Kommunikation mit den Abgabestellen.“ Beide glauben aber, dass es auch in Zukunft Spenden von den Supermärkten gibt. „Unser Kulturblick ist daran gewöhnt, dass die Regale immer voll sind. Egal ob morgens um acht oder abends um 18 Uhr, da können die Supermärkte nicht rein nach dem Bedarf kalkulieren“, so Zanjani. Dennoch versucht sie immer wieder, neue Filialleiter von „ihrer“ Tafel zu überzeugen. „Neulich hat Edeka Hundrieser sogar uns kontaktiert, und wir haben im Gespräch deutlich gemacht, wie dringend wir frische Lebensmittel benötigen.“