Lebendige Stationen
17.09.2010 | 19:21 Uhr 2010-09-17T19:21:00+0200
Velbert.„Dem Antlitz zugewandt: Bilder des Menschen.“ Schon Goethe hat „Menschenschattenspiele“ erlebt; in der Romantik erreichten sie nahezu Perfektion. Perfektionieren wird sie jetzt, extra zur Ruhr 2010, Gerd Haehnel.
Er ist Oberstudienrat am Geschwister-Scholl-Gymnasium und gilt bundesweit als einer der bedeutenden Verfechter des Menschenschattenspiels.
Haehnel ist auch Regisseur und Autor des Stücks „Im Schatten ist Licht“. Dieses Menschenschattenspiel wird seine Weltpremiere im November feiern; vor dem blauen Glaskörper der Essener Marktkirche, der als Schattenspiel-Projektionsfläche genutzt wird. Der Beitrag ist der einzige aus der Gesamtstadt, der Velbert auf der Ruhr 2010 vertreten wird. Rund 60 GSG-Schüler/innen aus den Jahrgangsstufen 7 bis 13 bringen dort die „Stationen eines Lebens aus der Sicht der Jugendlichen“ auf die Bühne. Spektakulär wird’s. Denn die Darsteller spielen nicht in der Kirche, sondern draußen, vor dem blauen Glas-Kubus, auf einer extra aufgebauten Bühne mit Pavillon.
Das gesamte Stück schildert in Anlehnung an die Entwicklungspsychologie Erik H. Eriksons („Der junge Mann Luther“) die wichtigsten Stationen eines Lebens. In 15 Akten zeigen die Schattenspieler die Stationen auf: von der Geburt über die Schulzeit, die Pubertät, die Hochzeit, das Elternwerden, die Karriere bis zum „fröhlichen Altern“.
Jede Generation wird angesprochen, aufgegriffen. Kritisch, unverblümt, unmissverständlich, aber nicht trostlos. Da ist der Alkoholabsturz genauso Thema wie der Widerstand gegen Rechts, die erste große Liebe, die Hochzeit und die Midlife-Crisis.
Derzeit laufen die Proben auf Hochtouren. Gerd Haehnel: „Die Schüler sind unglaublich engagiert. Sie proben nachmittags nach der Schule und manchmal sogar sonntags.“ Den morgigen etwa. Und gestern Nachmittag ebenfalls.
Theaterpädagogin Katharina Böhrke aus Essen übte gestern mit einer Schüler-Gruppe die Szene „Druck durch Schule und Hausaufgaben, Befreiung durch Hobbies“. Das Thema in ein Schattenspiel umsetzen? Da muss die gute Idee her. Der Schulalltag: Die Jugendlichen funktionieren, dargestellt als Puppen am imaginären Seil, als Marionetten. Abreagiert und aufgefangen wird die Stress-Situation durch Hobbies: Inline-Skaten, Volleyball, Tanzen, Rockmusik in der Band oder Reiten. Der Klasse-7-Schüler Ole Bernhardt (12) spielt dazu E-Gitarre, natürlich live. Noch ist die Szene nicht fertig, noch überlegen Schüler/innen und Pädagogin, wie sie noch effektvoller dargestellt wird.
Zeitgleich probte gestern eine Schüler-Gruppe die Sandschrift, die wie ein Moderator durch das Programm führt, und die Hochzeits-Szene. Theaterpädagogin Nelly Koester sorgte für den Feinschliff.
Haehnel: „Die Herausforderung ist die Aufführung vor dem Kubus. Das kann man vorher nicht proben. Die Schüler werden es schaffen.“
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