Langenberger Thomas Hoeveler besticht als Querleser

Foto: André Duhme
Was wir bereits wissen
Lesestoff von Märchbüchern bis eroitsch gewürtzer Literatur wurde begeisternd umgesetzt

Langenberg..  Wenn trotz ansteigender Bücherflut immer weniger gelesen wird, dann gibt es jetzt ein probates Mittel dagegen: Sich die Bücher von Thomas Hoeveler vom „kleinewelttheater“ vorlesen zu lassen. So geschehen im Saal der Vereinigten Gesellschaft, als sich die Besucher von ihnen ausgewählte Bücher vorlesen lassen konnten.

Da wurde Prosa zum Theater. Und wenn ein Text noch nicht die nötige Dramatik hatte, dann verhalf ihm Hoeveler zu Leuchtkraft, Rasanz und Bissigkeit. Dabei kannte er die Texte vorher gar nicht, erfasste Sinn und Ausdrucksmöglichkeiten während des Lesens mit einem genialen Spürsinn, hatte auch Situationskomik sofort erfasst und nutzte sie zu weiteren packenden Einfällen. Gleich der Anfang geschickt ausgedacht: Nacheinander in zwei Personen aufzutreten – Herr und Knecht – die beide auf ihre Weise agierten und die Texte verdeutlichten.

Naturereignisse in den Texten waren willkommene Gelegenheiten sich ihnen pantomimisch in den Weg zu stellen: Schneegestöber, Eiseskälte, Wüstenhitze – die gequälte Gestik und Mimik des Schauspielers ließen es spürbar werden. Ein Kinderbuch bot dem Akteur allerdings die größte Entfaltungsmöglichkeit: Wolf und Schaf – Bösartigkeit und Naivität – in grotesken Gegensätzen, lautmalerisch wie mimisch an Commedia dell‘ arte erinnernd genauso wie eingelegte improvisierte Bizarrerien. Einmal allerdings hätte es den Mimen schier geschafft: In dem Kapitel eines Fantasy-Romans traten so viele verschiedene Personen mit skurrilen Namen und schrägen Tätigkeiten auf, dass Hoeveler nur noch vor Verzweiflung schrie, was er natürlich der Theatralik anheimgab, aber „echt“ wirkte.

Einfallsreich und spontan

Aber Hoeveler käme nicht vom „kleinewelttheater“, wenn er nicht aus dieser „verzweifelten“ Situation ein Schalkenstück gemacht hätte: Er bezog das Publikum mit ein, um mit dem Personengewirr des Textes fertig zu werden. Mehr Ruhe trat bei den Ehegeschichten ein. Rentnerehepaar beim Arzt, Ehepaar im Auto, fernöstliche Impressionen: Bei diesen Geschichten kam mehr der feine Humor zur Geltung. Und ganz zum Schluss noch ein Kabinettstück: erotisch gewürzt und in der Trunkenheit aufgehend bis zum „Zusammenbruch“ unter heller Begeisterung des Publikums.