Langenberger Demenztage wollen mit Tabus brechen

Helga Rohra hielt einen  Vortrag über Demenz in der Eventkirche in Langenberg. Sie wollte allen Menschen mit vergleichbarem Schicksal Mut machen, sich nicht von der Gesellschaft abzuwenden.
Helga Rohra hielt einen Vortrag über Demenz in der Eventkirche in Langenberg. Sie wollte allen Menschen mit vergleichbarem Schicksal Mut machen, sich nicht von der Gesellschaft abzuwenden.
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Was wir bereits wissen
Initiatoren wollen Tabu um Demenz aufbrechen. Mutmachendes Vorbild ist Helga Rohra. Die Frau, die früh an Demenz erkrankte, machte den Anwesenden Mut.

Langenberg.. Demenz – eine Diagnose, die Betroffene aus der Bahn wirft. Über die sie aus Scham, als hilflos und bemitleidenswert abgestempelt zu werden, ungern reden. „Demenz ist in unserer Gesellschaft immer noch mit einem Tabu besetzt“, sagt Cornelia Kleine-Kleffmann, Leiterin des Begegnungszentrums Klippe 2. „Das ist nicht nur für Betroffene, sondern auch für Angehörige ganz schlimm.“

Um dieses Tabu zu brechen, um über die Krankheit und präventives Handeln zu informieren, veranstaltet das Begegnungszentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Kooperation mit dem Elisabethstift die Langenberger Demenztage. Der Krankenhausverein Langenberg sponsert das Angebot, das am Samstag mit einem Vortrag von Helga Rohra in der Eventkirche begann. Rohra bekam die Diagnose Demenz mit 54 Jahren. Wie ein Großteil der Demenzpatienten, stand sie zu diesem Zeitpunkt im Berufsleben, arbeitete als Dolmetscherin. Heute – gut sieben Jahre später – hat sich für sie einiges geändert. Sie ist Demenzaktivistin, erste Vorsitzende der EU-AG Demenzbetroffener und hält Vorträge in aller Welt. Hört man sie reden, glaubt man kaum, dass sie selbst betroffen ist.

Kein Stammeln, kein Stottern. Doch bis hierhin war es für die heute starke Frau ein schwerer Weg, von dem sie sehr berührend erzählt. Sie möchte den Menschen Mut machen, offen mit Demenz umzugehen. Bei ihr fing es damit an, dass sie Wörter vergaß, Wortfindungsstörungen und Orientierungslosigkeit kamen hinzu, zuletzt optische Halluzinationen. Von Kollegen hörte sie häufig: „Wir haben das Gefühl, du verblödest“, und für den Arzt war die Diagnose glasklar: Burnout.

Erst in einer Gedächtnisklinik erkannte man, dass sie an Demenz leidet. „Ich brauchte Zeit“, sagt Rohra. Ein Jahr habe es gedauert, bis sie die Diagnose akzeptieren konnte. „Es ist ein Prozess der Reife und Stärke.“ Eine große Stütze ist ihr die Selbsthilfegruppe, in der sie auch Tipps bekam, welche Leistungen sie beantragen konnte. Neben der Sprachtherapie übt Rohra jeden Tag zu Hause. In Deutschland sei die Situation für Demenzerkrankte nach wie vor schwierig. So gebe es für junge Betroffene nur wenig Hilfen.