Langenberger AlldieKunst stemmt drei Großprojekte

Das Projekt AlldieKunst des Kunsthausvereins Langenberg hat viele Unterstützer: regelmäßige Öffnungszeiten und einen reibungslosen Ablauf garantiert das Team von AlldieKunst.
Das Projekt AlldieKunst des Kunsthausvereins Langenberg hat viele Unterstützer: regelmäßige Öffnungszeiten und einen reibungslosen Ablauf garantiert das Team von AlldieKunst.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die jährlich über 50 Termine sind das Tagesgeschäft des Kunsthaus-Vereins. Auf dem Weg ist auch der Skulpturenpfad „Röhrender Hirsch“ und die Grundsteinkiste soll für Schub sorgen

„Der Spaß hält uns alle bei der Stange“, betont Jürgen Ebbinghaus. Wenige Minuten zuvor während des Gesprächs am großen Tisch im „AlldieKunst“-Foyer hatte der Vorsitzende des Kunsthaus-Vereins noch von „Selbstausbeutung“ gesprochen. Immerhin: zupackende, fröhliche „Selbstausbeutung“ eines kleinen Kreises Aktiver, das sieht man ihm und Norbert Bauer an.

28 Meter Kunst

Die nun schon quasi-legendäre „Grundsteinkiste“, meint der künstlerische Leiter, „wird uns Schub geben. Aber die Zeit bis dahin müssen wir überbrücken.“ Es sind im Ganzen sogar drei Großbaustellen, an denen das Kunsthaus mit wenigen Kräften und knappen Mitteln arbeitet: Die sechseinhalb Tonnen Kunst aus der „Kiste“ – einst eine 28 Meter lange Wand auf der Art Cologne, eine Bibliothek zeitgenössischer Kunst – soll ins neue/alte Bürgerhaus einziehen: in jenen Wandelgang, der so imposant über der Mühlenstraße zu schweben scheint. „Das wird eine Sensation.“ Norbert Bauer ahnt’s nicht, er weiß es.

Das zweite Großprojekt, noch unsichtbar, trägt den poetischen Titel „Skulpturenpfad Röhrender Hirsch“ und will eine Wegstrecke von der Stadtmitte bis zum Stillen Park bespielen – anknüpfend an die Pioniertaten der „Tuchfühlung I und II“, erklärt Norbert Bauer, „nur dauerhaft“. Den Stillen Park nennt der Künstler / Kurator seinen „liebsten Ausstellungsort“.

Projekt Kunstkaufhaus

Dann ist das in 2013 eröffnete „AlldieKunst“-Haus sein Tagesgeschäft mit jährlich mehr als 50 Terminen und zugleich die dritte Großaufgabe des Kunsthaus-Vereins. Um eine solche Adresse zu etablieren, das hörten die Macher erst vor wenigen Monaten von ihrem Gast, dem erfahrenen Blues-Musiker Roy Harrington, „braucht man zwei Jahre“. Jürgen Ebbinghaus übersetzt das so: „Man muss seine Erfahrungen machen.“ Bei Künstlern hat „AlldieKunst“ offensichtlich bereits einen guten Ruf: Sie bitten um Termine in Langenberg. Dabei kann ihnen der Verein keine festen Gagen anbieten, sondern nur den Künstler-Anteil an der Abendkasse.

Es ist vor allem die Planungsunsicherheit an der die Macher des Kunsthauses zu knabbern haben. „Wir arbeiten am Limit“, sagt Jürgen Ebbinghaus. „Uns fehlt die Kontinuität in der Finanzierung.“ Die zweite Miete, also die Nebenkosten des ehemaligen Aldi-Geschäfts haben sich als größter Brocken der jährlichen Kosten von rund 30 000 Euro erwiesen.

Ebbinghaus und Bauer hatten sich mehr erhofft vom Sponsoring durch ihre AlldieKunst-Aktien. Wenn 300 Langenberger finanziell hälfen, meint der künstlerische Leiter, „wären wir aller Sorgen ledig“. Gefordert wäre also jeder 50. Bürger. Eigentlich sei Kultur-Sponsoring heutzutage ja ein „Muss“. Jürgen Ebbinghaus nennt es „nice to have“. Ob Karten-Kontingente für Firmen-Sponsoren oder Betriebsfeiern bei AlldieKunst – oder sogar eine eigene Stiftung: Das Kunsthaus will sich offen zeigen für viele Formen des Mäzenatentums.

Langenberg ist Kulturstadt

„Wir wollen nicht elitär sein“, betont Jürgen Ebbinghaus. Der Ex-Aldi sei längst ein öffentlicher Treffpunkt auch für andere Vereine. Im E-Mail-Verteiler der „AlldieKunst“ stecken tausend Adressen, keine Karteileichen, versichert Norbert Bauer: „Die kommen auch.“ Er wuchtet die stolzen Belege für 20 Jahre ideenreicher Kulturarbeit an den Tisch: die Kataloge der „Tuchfühlungen“ mit seinen Fotos, das Holzkistchen mit der Dokumentation der Grundsteinkiste: „Wir haben eine Super-Biografie!“

Die Zwischen-Bilanz: Der Kunsthaus-Verein, der Langenberg als Kulturstadt gut sichtbar auf der Landkarte markierte, fühlt sich im manchmal harten Tagesgeschäft „allein gelassen“. Für die „Tuchfühlungen“ dirigierte Norbert Bauer noch einen Stab von 80 Helfern. Der erst später eingestiegene Jürgen Ebbinghaus betont das Positive: „Hier mitzumachen bereichert absolut. Man lernt jeden Tag dazu.“