Kunden vertrauen Nachwuchs in der Sparkasse Neviges

Beratung ist  wichtig, weiß auch der Nachwuchs:  Auszubildende Pia Dykierek mit
Beratung ist wichtig, weiß auch der Nachwuchs: Auszubildende Pia Dykierek mit
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
Vier Wochen lang hatten zehn Auszubildende der Sparkasse HRV (Hilden, Ratingen, Velbert) in der Filiale in Neviges das Sagen. Die Kunden waren begeistert- von Skepsis keine Spur.

Neviges..  Seit Februar haben sie sich vorbereitet auf diesen besonderen Einsatz, haben emsig gelernt und in Gedanken all die Anliegen und Wünsche durchgespielt, die Bankkunden so haben können. Zehn Auszubildende hatten einen Monat lang das Sagen in der Sparkassen-Filiale an der Elberfelder Straße. Berieten Stammkunden, begleiteten ältere Damen zum Schließfach, bearbeiteten Einzahlungen. Die Resonanz: durchweg positiv.

Höflichkeit und Kompetenz

„Ich bin sehr zufrieden. Sonst wäre ich schließlich nicht noch einmal hergekommen.“ Wilhelmine Ressing wurde schon beim ersten Mal darüber informiert, dass sich anstelle ihres vertrauten Sachbearbeiters ein Auszubildender ihrer annimmt. „Das hat so gut geklappt, da bin ich gleich wieder gekommen“, sagt die ältere Dame, die besonders die Höflichkeit der „jungen Leute“ schätzt, aber durchaus auch ihre Kompetenz. Denn beim Geld, da hört der Spaß auf. „Das war alles ganz normal, wie sonst auch. Ich habe nichts vermisst.“

Um Frau Ressings Angelegenheiten hat sich an diesem Morgen Pia Dykierek gekümmert. „Ja, anfangs waren wir schon alle sehr, sehr aufgeregt“, kann sich die 21-Jährige noch gut an den 15. Juni erinnern, als das zehnköpfige-Team die Leitung übernahm. „Diese Verantwortung, das ist schon etwas anderes, als wenn man einfach nur mitarbeitet.“ Was ihr diese vier Wochen gebracht haben? „Mehr Selbstvertrauen. Und ich weiß jetzt definitiv, dass ich mich richtig entschieden habe, dass Bankkauffrau wirklich mein Traumjob ist.“ Was sie aber schon immer geahnt habe.

Die Akzeptanz bei den Kunden ist riesig: Und wenn am Schalter doch mal nach dem Geschäftsführer verlangt wurde, dann hatte Sven Rogalla – selbst Auszubildender und daher Filialleiter auf Zeit – vor allem folgendes Problem zu klären: „Einige sind irritiert, wenn wir einen Ausweis verlangen. Aber wir kennen hier niemanden persönlich, das gehört zu unserer Sorgfaltspflicht.“ Als sich dann der vermeintliche Chef auch „nur“ als Azubi vorstellte, habe man eben die Situation erklärt, „es hatten dann auch alle Verständnis, niemand ist wieder raus gegangen.“

Mannschaft vereitelt Enkel-Trick

Für den Fall der Fälle stand natürlich immer ein „alter Hase“ im Hinterzimmer Gewehr bei Fuß. Zu tun hatten die Bank-Spezialisten so gut wie nichts. Nur einmal hat Goran Jovanovic, unter anderem Leiter Kundengeschäft, eingegriffen, indem er die Polizei alarmierte: Da hatte der aufmerksame Nachwuchs einen miesen Enkel-Trick vereitelt. „Eine alte Dame wollte ihr gesamtes Bargeld abheben, wir fragten nach, wofür sie das Geld brauche“, erzählt Sven Rogalla.

Doch ansonsten rennen die Zehn nicht ständig nach hinten und sichern sich ab, sondern helfen sich lieber untereinander. „Ausnahme sind Wertpapiergeschäfte, das dürfen wir gar nicht“, stellt Filialleiter auf Zeit Sven Rogalla klar. Seinem Kollegen Kurt Ehrenkamp (20) hat vor allem gefallen „alles mal selbst zu machen, das ganze Gesamtpaket eben.“

„Ein bisschen irritiert“ war Regina Wosnitzka schon, als „da noch ein Zweiter am Schalter dazukam“, aber dann fühlte sie sich bestens aufgehoben. Ehemann Joachim winkt nur ab: „Ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Das ging schnell, die haben das gut gemacht.“ Skepsis, Misstrauen? Ist für die Wosnitzkas kein Thema. Voll des Lobes ist auch Neukunde Bruno Kozlowske, und auch Joachim Kemper, der seit Jahren seine Geldgeschäfte hier erledigt, hatte „keinerlei Bedenken, ich hatte das ja vorher alles gelesen.“

Die glücklichsten Menschen an diesem Morgen waren wohl Emily und Nell: Die Mädchen bekamen Kinderhefte geschenkt, während Mama Barbara Gorywoda ihre Angelegenheit regelte. „Ich fühlte mich auch heute bestens bedient.“ Kundin Angelika Rohles nickt: „Die Leute lernen, Verantwortung zu übernehmen. finde ich gut.“