Kubanerin lässt Velberter tanzen

Addys Mercedes (rechts) und Band heizten im Forum Niederberg mit kubanischer Musik ein.
Addys Mercedes (rechts) und Band heizten im Forum Niederberg mit kubanischer Musik ein.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Gegen Addys Mercedes und ihre Familyband, die im Forum eine neue CD vorstellte, hatte das zurückhaltende Publikum eigentlich keine Chance.

Velbert..  Ein zartes, schwarz gekleidetes Mädchen mit langer Lockenmähne spielt Geige, ein Mann entlockt dem Bass rhythmische Klänge und ein anderer zupft die Gitarre. Plötzlich erklingt wie aus dem Nichts eine warme Stimme und zieht das Forums-Publikum in ihren magischen Bann, noch ehe die Sängerin selbst zu sehen ist. Mit „Negrito Congo“, dem zweiten Lied ihrer neuen CD, eröffnet Addys Mercedes den Abend.

Sängerin wollte die im ländlichen Kuba in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Künstlerin immer schon werden. Ihre große Liebe zur Musik besingt sie später am Abend bewegend in dem Lied „Mi Musica“.

Erlebnisse um ein Touristenschiff

Und wenn sie dazu erklärt: „Musik ist meine Muse, die mich ein Leben lang begleitet hat in guten und in schlechten Zeiten“, wird klar, dass er nicht immer einfach war, ihr Weg vom ständig vor sich her singenden Kind, dass bereits im Alter von zehn Jahren über ein beachtliches Repertoire an kubanischen Songs, Boleros sowie amerikanischen Popsongs verfügte, zum Oberhaupt ihrer „Familyband“, wie sie ihre aktuelle Gruppe liebevoll nennt.

Dazu zählt ihre vierzehnjährige Tochter Lia, die bereits so virtuos die Geige beherrscht, dass ein großer Teil der Lieder der neuen CD auf ihr Spiel abgestimmt wurde, ihr Mann Cae Davis am Bass und der als „Adoptivonkel Pomez di Lorenzo“ vorgestellte Mann an der Gitarre. Frontsängerin Addys Mercedes, eine schlanke Frau mit charakteristisch hoher Afrofrisur, verfügt über eine solche Ausstrahlung, dass sie es bereits beim dritten Lied geschafft hat, das sonst eher zurückhaltende Velberter Publikum zum Mitsingen und rhythmischen Klatschen zu animieren.

„Eine tolle sehr emotionale Stimme“, findet nicht nur Zuschauerin Bärbel Tillmann, „man hat das Gefühl, alles zu verstehen, man nimmt ihr ab, wovon sie singt.“ Mittlerweile stimmen die Zuschauer fröhlich in den Refrain „Ahi“ ein, ein Lied, in dem die Sängerin, wie gewohnt auf Spanisch, ihre Jugenderlebnisse rund um ein Touristenschiff auf Kuba, für das sie als Sängerin engagiert war, verarbeitet hat: „Ein Pole wollte zum Beispiel, dass wir für ihn eine Polka spielen, stellen Sie sich das vor, Kubaner spielen eine Polka, aber wir haben es gemacht“, übersetzt sie lachend den amüsanten Liedtext.

Die Pause läutet sie mit einer tragenden Ballade ein und zeigt mit ihrer, sie diesmal am Klavier begleitenden Tochter, noch einmal die ganze Wärme und Bandbreite ihrer einzigartigen Stimme. „Steigen Sie ein, es geht los“, ruft Addys Mercedes wenig später, bevor sie den Ohrwurm „Locomotora a Cuba“, das Titellied der neue Platte, einstimmt und das Publikum mit auf ihre Reise nach Kuba nimmt. Und plötzlich passieren Dinge im altehrwürdigen Forum, die eine Zuschauerin später mit: „Das habe ich hier noch nie erlebt!“, umschreibt. Die Menschen hält es nicht mehr auf ihren Sitzen, Pärchen wiegen sich gemeinsam zu Salsaklängen, Solotänzer schwingen auf den Treppen ihre Hüften. Damit ist der temperamentvollen Kubanerin, die mittlerweile in Essen lebt, gelungen, was sie in „Rompe el Caracol“ besingt: „Komm endlich aus deinem Schneckenhaus!“