Krisen als Chancen begreifen
20.06.2010 | 18:02 Uhr 2010-06-20T18:02:00+0200
„Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst“, heißt der von Stefan Freitag ausgewählte Bibelvers. Der Bürgermeister, seines Zeichens Dipl.-Verwaltungswirt, zeigte beim Kirchentag der ev. Kirchengemeinde Velbert, dass er auch Bibelpsalme analysieren kann. „In den Psalmen steht die Beziehung von Mensch zu Mensch im Vordergrund. Das ganze Spektrum des Gläubigen mit allen Höhen und Tiefen wird darin erfasst, deshalb sind sie auch voller Emotionen“, sagte Freitag. „Gott wird gebeten, ins Leben des Menschen einzugreifen und ihm zu helfen“, erzählt er weiter.
Die Bezüge zur politischen Gegenwart findet er in den Aspekten wie der Arbeit mit und für Jugendliche, an die das Evangelium weitergegeben werden soll. „Christliche Grundsätze helfen bei der eigenen Lebensführung“, ist sich Freitag sicher. Eine weitere Aufgabe von Kirche und Stadt sieht er darin, das kirchliche Bildungshandeln zu fördern. So lobt er u. a. auch die Arbeit der Diakonie, die sich mit der gemeinnützigen Arbeit nicht auf einen kirchlichen Binnenraum beschränkt, sondern auch darüber hinaus handelt. Die Gemeinde müsse gestärkt werden: „Denn dort muss niemand alleine sein.“
Doch der Kirchentag hatte noch viel mehr zu bieten als diese Bibelarbeit. Gruppen, Kreise und Vereine machten dort auf die eigene Arbeit aufmerksam und präsentierten die Vielfalt ihres ehrenamtlichen Einsatzes. Von Handarbeit und Feinkost bis zum Hilfsprojekt „Kajiads“ reichte das Spektrum. Für den Bau eines Internats in Afrika müssen z. B. noch viel Spenden gesammelt werden, bis das Projekt realisiert werden kann. Die Gemeinde nutzt jede mögliche Gelegenheit.
„Markt der Möglichkeiten“ lautet das Motto auf dem Platz am Offers – „Markt der Möglichkeiten“ zu helfen und etwas Neues für sich zu entdecken. „Jede Kirche hat hier ihren eigenen Stand und gehört mit dazu“, sagt Gisela Zündorf von der Kantorei Velbert und nennt dies eine „tolle Gemeinschaft“. Mit der Kantorei ist sie schon in St.Petersburg, Trondheim und vielen Städten Italiens gewesen: „Es war eine erlebnisreiche Zeit“, sagt sie und kann sich ein Leben ohne Chorgesang nicht mehr vorstellen.
Auf dem Programm stand auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Kirche der Zukunft – Zukunft der Kirche“. Dazu eingeladen waren u. a. Dr. Klaus Douglass, Pfarrer und Buchautor, und Kerstin Griese, die im Bundesvorstand des Diakonischen Werks arbeitet. Douglass sieht das Problem der Kirche heute nicht in ihrer Struktur und Organisation, sondern mehr in ihrem Inneren. „Es fehlt der Herzschlag“, sagt er. Und mit Blick auf die Zukunft denkt er, dass man Krisen stärker als Chancen wahrnehmen sollte: „Natürlich haben Kirchen weniger Geld, weniger Mitglieder und Personalschwund, doch vielleicht ist das ja eine Herausforderung, der sich die Kirche stellen muss.“
0mitdiskutieren