Kopf und Bauch
11.08.2009 | 18:09 Uhr 2009-08-11T18:09:00+0200
Velbert. „Willkommen Zukunft”: Unter diesem Motto setzt die Volkshochule für das Herbstsemester wieder Schwerpunkte.
Integration. Wirtschaft. Erziehung. Das sind drei Themenfelder, die so gesehen nichts miteinander zu tun haben. Die Volkshochschule hat sich jedoch diese Themenbereiche unabhängig voneinander zum Schwerpunkt für das nun beginnende Halbjahr gemacht. „Integration bedeutet für uns nicht nur Sprachen zu lernen, sondern sich der Gesellschaft zugehörig zu fühlen – anerkannt zu sein”, sagt VHS-Leiter Hermann Flaßpöhler.
Wichtig sei auch, sich mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Deutschland auseinander zu setzen. Navid Kermani, Orientalist und prominenter deutscher Muslim und von den Vertretern der VHS gepriesen, konnte für den ersten Vortrag zur Integrationsveranstaltung am 6. September gewonnen werden. Er wird sein neuestes Buch „Wer ist wir? Deutschland und seine Muslime” vorstellen.
Kein Weg führt für die VHS auch an der Wirtschaft vorbei. Thema Nummer eins ist hier die Automobilwirtschaft im Umbruch und die Perspektiven für Zulieferer. Im Programm auch: Kurse zur Finanzbuchhaltung und Existenzgründung. Auch der EDV-Bereich ist erneut mit Einführungskursen zu Windows, Excel oder Powerpoint gedeckt.
„Jeder will seine Kinder richtig erziehen, doch häufig fehlt der richtige Ansatz. Wie soll man vorgehen und wo überhaupt anfangen?”. Fragt Flaßpöhler und gibt seine Antwort: „Bei der VHS”. Elternschulen und selbst Fortbildungsmöglichkeiten für Pädagogen, sind mittlerweile Standard.
Kreativ und innovativ, so will die VHS sein. Eine weitere Fortbildungsmöglichkeit richtet sich deshalb auf kreative Berufsfelder: Die einer Friseurin, Kosmetikerin oder Stilberaterin. Der Traumberuf Schauspieler wird ebenfalls thematisiert. Praktische und theoretische journalistische Erfahrungen können in der VHS-Radiowerkstatt gesammelt werden.
Kernbereich sind und bleiben die Sprachen. Mit 1000 Unterrichtsstunden wurde dieses Gebiet aufgestockt. 13 Sprachen können im neuen Semester erlernt werden. Neugriechisch startet erstmals, zur Studienvorbereitung kommt Niederländisch hinzu. Obwohl die VHS im Herbstsemester ihren 90. Geburtstag feiert und von schlechten Neuigkeiten lieber verschont bleiben würde, gibt es doch eine unerfreuliche Nachricht: Das Kursangebot, das sich speziell an junge Schulabbrecher wandte und ihnen das nachholen des Hauptschulabschlusses ermöglichte, kann von der VHS nicht mehr vermittelt werden. Grund dafür sind die knappen Finanzen bei den Koorperationspartnern Arge und Bundesagentur für Arbeit. „Es ist ein gesellschaftlicher Skandal”, sagt Verbandsvorsteher der VHS, Michael Beck. 80 % der Teilnehmer dieses Kurses erreichten einen ordentlichen Abschluss, der Erfolg konnten sich sehen lassen, so Flaßpöhler. Selbst wenn die VHS die Kurse in Eigenregie als Abendreihe anbieten würde, könnte dennoch nicht ein und derselben Effekt erzielt werden wie zuvor.
Fünf auf Vollzeit beschäftigte Lehrkräfte fallen damit aus. Eine Berufsfindung für diese Gruppe von Jugendlichen ohne Hauptschulabschluss sei anzuzweifeln, so Beck. Fest stehe jedoch: Das Interesse sich weiterzubilden wächst und somit die Zahl der Teilnehmer. In diesem Jahr waren es rund 300 Kunden mehr als im Vorjahr. Ein Hinweis darauf, dass Bildungseinrichtungen mehr als notwendig sind.
0mitdiskutieren