Kolping wünscht sich faires Velbert

In Recklinghausen hat Manfred Holz (Mitte) bereits erfolgreich geworben, die Ruhrgebietskommune ist Fairtrade-Stadt. Diese Entwicklung wünscht sich der Ehrenbotschafter auch für Velbert.
In Recklinghausen hat Manfred Holz (Mitte) bereits erfolgreich geworben, die Ruhrgebietskommune ist Fairtrade-Stadt. Diese Entwicklung wünscht sich der Ehrenbotschafter auch für Velbert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ehrenbotschafter von Fairtrade Deutschland wirbt für mehr Produkte, die Produzenten in Drittweltländern begünstigen. Die Kommune soll Titel erwerben, Rat und Verwaltung müssten sich die Idee zu eigen machen.

Velbert..  Bundesweit gibt es mehr als 300 „Fairtrade Städte“, weltweit über 1600 in 24 Ländern, und Manfred Holz, Kolpingmitglied und Ehrenbotschafter von fairtrade Deutschland, ist sich sicher: Auch Velbert kann und sollte eine „fairtrade town“ werden. Was genau eine „Fairtrade Stadt“ ist, erklärte Holz jetzt vor rund 30 Besuchern einer Kolpingsveranstaltung in der Bürgerstube. „Fairer Handel ist seit etwa 45 Jahren ein Thema, angefangen hat das mit den Hungermärschen mit 30000 Teilnehmern aus Protest gegen die damalige Entwicklungshilfepolitik.“

Holz begann als Entwicklungshelfer

Holz hat selbst in den 70er Jahren in Venezuela als Entwicklungshelfer gearbeitet, er weiß um die Nöte der Menschen und um die schlechte Bezahlung der Produkte, die auf den Märkten landen. 1992 entsteht der Verein Transfair unter Beteiligung von 36 Organisationen wie Misereor, Welthungerhilfe, Kolping oder Kindernothilfe. Ziel ist die Unterstützung benachteiligter Produzentengruppen in Entwicklungsländern. Die Dachorganisation „Fairtrade International“ setzt Standards fest, die erfüllt werden müssen, damit ein Produkt das Siegel „Transfair“ erhält. Daran erkennt der Verbraucher, dass er mit dem Kauf die Produzenten vor Ort unterstützt. Etwa 1,3 Millionen Kleinbauern in über 70 Ländern sollen davon profitieren.

Ein Zuhörer möchte wissen, woher man weiß, dass die Hilfe auch wirklich ankommt. Holz antwortet: „Die Standards und der Verein werden regelmäßig von einer unabhängigen Gesellschaft überprüft. In Studien wird belegt, dass die Hilfe vor Ort ankommt. Bei einem Gesamtumsatz von 654 Millionen Euro in 2013 in Deutschland können wir uns wohl schlecht selbst überprüfen.“

Wie wird man eine Stadt des fairen Handels? Seit 2009 gibt es die Möglichkeit, als Kommune ein Zeichen zu setzen. Um den Titel „Fairtrade Stadt“ zu bekommen, sind bestimmte Vorgaben zu erfüllen, für eine Stadt wie Velbert bedeutet das etwa, dass in 17 Geschäften und zwei Gastronomien je zwei fair gehandelte Produkte angeboten werden müssen. Da es in den Lebensmittelgeschäften Velberts ohnehin schon Produkte mit Transfair-Siegel gibt, sollte ersteres kein Problem sein. Auch eine Steuerungsgruppe ist schnell gefunden, die an dem Abend in der Bürgerstube anwesenden Kolpingmitglieder und Vertreter von sozialen Organisationen zeigten sich bereit, sich in Velbert zu engagieren. Aber auch Politik und Verwaltung sind gefragt, ohne den politischen Willen kann man sich nicht bewerben, und die Verwaltung kann mit gutem Beispiel voran gehen und selbst z.B. nur noch fairen Kaffee und Tee konsumieren.