Klamauk und Täterä in Velbert
10.02.2012 | 16:15 Uhr 2012-02-10T16:15:00+0100
Velbert. Die Sitzung der Nordstadtgießer gehört in Velbert zu den Höhepunkten der Session. Eine Veranstaltung, zu der die Jecken gerne in Abendrobe erscheinen.
Damen im kleinen Schwarzen und Herren in Jackett und Krawatte so weit das Auge reicht. Dieses Bild würde passen, wenn die Szene im Foyer eines Opernhauses spielen würde. Doch die Menschenmasse wartet nicht auf den Einlass in Verdis Nabucco, sondern auf Klamauk und Täterä. Bei der Karnevalssitzung der Nordstadtgießer wird Abendrobe getragen, und ein kleiner goldener Flaschenöffner ist die Eintrittskarte zur jecken Veranstaltung.
Kurz vor acht zuppeln die Nordstadtgießer noch mal ihre roten Halstücher zurecht und streichen sich durchs Haar. Dann, pünktlich um elf Minuten vor acht, marschieren die Herren im blauen Fischgrätenhemd auf die Bühne. Nach der Begrüßung kann sich der Elferrat erstmal zurück lehnen und auf „ne super jeile zick“ hoffen. Nur einer hat es an diesem Abend nicht ganz so einfach. Der Titel des ersten Bürgers der Stadt wird Stefan Freitag für die jecke Zeit kurzerhand aberkannt. „Den Titel trägt heute Abend Peter Kümmel, der erste Vorsitzende der Gießer. Tja, im Karneval ändert sich die Rangordnung eben“, erklärt Gießer-Präsident Klaus Jonas.
Kölsche Fasteleer-Klassiker
Doch die Narren sind noch lange nicht fertig mit Bürgermeister Stefan Freitag. Bauchredner Klaus Rupprecht und sein tierischer Begleiter Willy haben es auch auf Freitag abgesehen. Stoff-Affe Willy durchschaut als einziger die originelle Verkleidung des Bürgermeisters. „Ich denke Stefan Freitag geht heute Abend als Deoroller“, witzelt Willy und spielt damit nonchalant auf die kurz getrimmte „Haarpracht“ des Elferratsmitglieds an. Freitag nimmt’s gelassen – die Haare raufen kann er sich ja auch nicht. Lange übel nehmen kann man es dem Affen mit den großen Augen und der verschmitzten Lache auch nicht wirklich. Mit kölschen Fasteleer-Klassikern bringt die (nicht ganz ernstzunehmende) Tanzgarde des „Dellbröcker Booren Schnäutzer Ballett“ den Saal in Stimmung. Ohne Ross, dafür aber mit rot gestreiftem Regenschirm reiten die närrischen Schnurrbartträger über die Bühne. Mit dabei ist auch das wohl charmanteste und männlichste Tanzmariechen des Karnevals. Dieter Theißen bringt im roten Kleidchen seinen Tanzpartner ganz schön ins Schwitzen. Bei so viel geballter Weiblichkeit an seiner Seite hat Bert Lünebach selbst im Karneval nichts zu lachen.
„De Höppemötzjer“ legen noch eine Schippe drauf
„De Höppemötzjer“ zeigen dem staunenden Publikum dann, wie ein Gardetanz wirklich auszusehen hat. Die Herren der Tanzgilde nehmen den Ausdruck „eine Frau auf Händen tragen“ nämlich nur allzu wörtlich. Schon beim Einmarsch lässt man die Mädels in schwindelerregende Höhen aufsteigen. Doch „de Höppemötzjer“ können noch eine Schippe drauflegen. Tanzmariechen Mona Schauer fliegt bei einigen spektakulären Würfen knapp an den Scheinwerfern vorbei und schafft selbst auf den Schultern ihres Partner ein strahlendes Lächeln. Die Gießersitzung sorgt auch in diesem Jahr wieder für ein ordentliches Lachmuskeltraining in der närrischen Zeit.
0mitdiskutieren