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Kindern auf den Leib geschaut

22.05.2012 | 18:13 Uhr
Kindern auf den Leib geschaut
Das Test-Team um Stephanie Gassert (2.v.l.) beim Einsatz mit einer Probandin.

Velbert.   Eine bundesweit angelegte Untersuchung körperlicher Leistungsfähigkeit über einen Zeitraum von zwölf Jahren fand jetzt auch in Velbert statt.

Deutschlands Kinder sind zunehmend übergewichtig und unsportlich. Die Fernseher und der Computer genießen Vorrang vor Spielplatz oder Sportverein – so lauten einschlägige Diagnosen. Doch stimmt das wirklich? Wie steht es tatsächlich – längerfristig beobachtet – um den Nachwuchs in Deutschland? Um das heraus zu finden, haben die Universitäten Konstanz und Karlsruhe und das Karlsruher Institut für Technologie in Zusammenarbeit mit dem Berliner Robert-Koch-Institut Motorik-Untersuchungsmethoden entwickelt, die sie deutschlandweit als Motorik-Modul-Längsschnittstudie durchführen. Im Rahmen des „Kinder- und Jugendgesundheitssurveys“ des Berliner Instituts wurden jetzt auch Velberts Kinder bei der „MoMo“-Teilstudie auf Leib (und Seele) getestet.

Das Projekt hat im Januar 2002 begonnen und läuft bis Dezember 2014. Zielsetzung der Studie sind die Beobachtung von Entwicklungsverläufen, die Analyse von Zusammenhängen zwischen körperlich-sportlicher Aktivität, motorischer Leistungsfähigkeit und Gesundheit und die Verknüpfung der MoMo-Daten mit anderen Inhaltsbereichen wie zum Beispiel Größe, Gewicht, Ernährung und Umwelt.

Auch gilt es, aus den gewonnenen Daten Konzepte für Verbesserungen zu entwickeln – sei es die Entwicklung oder die Einführung von Fördermaßnahmen im Kindergarten, in der Schule oder in Sportvereinen. Der nun laufende Längsschnitt baut auf den Basisuntersuchungen von 2003 bis 2006 auf, an denen bereits rund 4500 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren aus 167 Orten Deutschlands teilgenommen haben. Diese Studienteilnehmer, die mittlerweile zwischen zehn und 23 Jahren sind, und neue Studienteilnehmer im Alter von vier bis neun Jahren bilden die neue repräsentative Stichprobe des MoMo-Längsschnitts.

Die Untersuchung besteht aus Messungen des Körpers, sportmotorischen Tests zur körperlichen Leistungsfähigkeit und einem Fragebogen. Jetzt wurde in Velbert getestet, Ort der Untersuchung war die Volkshochschule an der Heiligenhauser Straße zu bewältigen. „Wir wollen hier die Kinder nicht überreden, in einen Verein einzutreten oder sonst etwas zu tun. Wir analysieren und geben lediglich Empfehlungen, um ein gesundheitliches Bewusstsein zu schaffen“, erklärte Stephanie Gassert, Sportstudentin aus Karlsruhe. „Ich glaube nicht, dass es mit der Sportlichkeit dramatisch bergab geht wie vielfach behauptet. Mit den Tests wollen wir aber auch den Kindern erklären, dass es wichtig ist, auf ihre Gesundheit zu achten, und dass es dabei um ihr eigenes Leben geht.“

Unter den Kindern, die am Test teilnahmen, war auch Leander Huben. Der Siebenjährige kam mit Vater Torsten zur Volkshochschule. „Wir wollten Hintergrundwissen bekommen und erfahren, wie es um den Gesundheitszustand unseres Sohnes steht“, erklärte Torsten Huben. „Wenn wir dabei noch bei einer langfristig angelegten Studie beitragen können – warum nicht?“. Bei Hubens wird darauf geachtet, dass die Kinder Bewegung haben. „Auch wenn wir keine supersportliche Familie sind, ist oder war jedes Kind im Sportverein. Sie dürfen sich natürlich aussuchen, was ihnen am meisten gefällt .“ Wen wundert es da, dass Leander bei der Gesundheitsprüfung ohne Auffälligkeit durchgewunken wurde.

Tatjana Otto

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