Keine Forensik an der Stadtgrenze zu Neviges

Die Forensik in Bedburg-Hau ist eine der Kliniken des LVR.
Die Forensik in Bedburg-Hau ist eine der Kliniken des LVR.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ratsmitglieder aus Neviges sind „nicht traurig über die Entwicklung“. Die Diakonie zog ihr Angebot der Geländenutzung aus wirtschaftlichen Gründen zurück.

Neviges..  In Wülfrath-Düssel wird es keine Klinik für psychisch kranke Straftäter geben: Die Bergische Diakonie Aprath (BDA) hat ihr Angebot, das 75 Hektar große Gelände zum Bau einer Forensik zur Verfügung zu stellen, unwiderruflich zurückgezogen.

Seitens der Stadt hieß es gestern, man werde das weitere Vorgehen bezüglich einer Stellungnahme noch beraten. Und die Politiker aus Neviges? August-Friedrich Tonscheid, Vorsitzender der Wählergemeinschaft „Velbert anders“, macht aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Ich bin erleichtert. In Neviges werden Sie niemanden finden, der darüber traurig ist.“

Auch Marlis Amman, CDU-Ratsfrau, ist „persönlich nicht böse darüber“, gibt aber auch zu bedenken: „Irgendwo müssen diese Menschen ja hin.“ Sicherlich seien die Anwohner in Neviges nun erleichtert – auch darüber, dass der Vermarktungswert für Wohngebiete erhalten bleibe, Neubürger nach wie vor gern nach Neviges ziehen.

„Als Velberter Politikerin bin ich froh, dass es nicht Aprath geworden ist. Aber generell ist es bedauerlich, dass der Prozess der Standortfindung unnötig hinausgezögert wurde“, sagt Dr. Esther Kanschat, Ratfrau der Grünen. „Wir brauchen die Institution Forensik unbedingt, wir brauchen die Plätze.“

Ausgesprochen erleichtert zeigt sich Rechtsanwältin Anna Mahlert, die einst die Bürgerinitiative gegen eine geplante Forensik an der Kleinen Höhe unterstützt hat. „Wir sind eine Familie mit kleinen Kindern. Ich weiß, die Ängste sind irrational und entbehren jeglicher sachlicher Grundlage, aber sie sind da. Ich bin jetzt sehr froh.“

Vor nunmehr drei Jahren hatte die Diakonie dem Land NRW das Gelände in Oberdüssel zum Verkauf angeboten. Während der gesamten Verkaufsverhandlungen, so erklärte Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Die Grünen), habe es keine Anzeichen gegeben, dass die BDA nicht mehr zu ihrem Angebot stehe. Über das „plötzliche Nein“ zeige man sich irritiert. „Der Wunsch der Diakonie, dem Land das Grundstück in Aprath für den Bau einer forensischen Klinik zu verkaufen, haben wir von Anfang an positiv aufgegriffen. Dabei war der finanzielle Spielraum von Seiten des Landes immer klar und transparent“, sagt der Landesbeauftragte für den Maßregelvollzug Uwe Dönisch-Seidel. Umso verärgerter sei man über den plötzlichen Rückzug, so Dönisch-Seidel weiter. „Das kam völlig überraschend“, bekräftigt Christoph Meinerz, Sprecher des Gesundheitsministeriums und betont, dass es noch keinen Standort zweiter Wahl gebe.

Die Diakonie führt für ihre Absage wirtschaftliche Gründe an: „Man hat Berechnungen angestellt, es stellten sich neue Fragen“, erläutert Renate Zanjani, Unternehmenskommunikation der Bergischen Diakonie. „In der Summe der Berechnungen wurde deutlich, dass die Risiken der Partner, unter anderem das Land NRW, immer geringer wurden und die Kosten- und auch Belegungsrisiken für uns immer höher.“ Der Vorstand sei verpflichtet, das Wohl seiner Klienten und auch seiner 1600 Mitarbeiter im Auge zu haben.

Im Falle eines Forensik-Baues sollte die Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Wülfrather City verlegt werden. Neue Pläne für das Gelände, so die Sprecherin der Diakonie, habe man noch nicht.