Kein Maulkorb
22.04.2010 | 18:48 Uhr 2010-04-22T18:48:00+0200
Velbert. Hunderte Jugendliche demonstrierten für eine Reform des Schulsystems
Wir lassen uns nicht den Mund verbieten“, erteilten die Schüler/innen den Kopfnoten eine klare Absage. Maulkorb - nein Danke!“ Mit Parolen wie „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“, zogen sie vom Willy-Brandt-Platz über die Friedrichstraße zum Europaplatz vor dem Forum Niederberg zur Abschlusskundgebung.
Trotz der von einigen Schulen angekündigten Repressionen – wie Eintragungen der Fehlzeiten ins Klassenbuch – kamen um 11 Uhr knapp 1000 Schüler/innen (Schätzung von Ulrich Laaser, Chef der Polizeiwache Velbert) zum Willy-Brandt-Platz. Friedlich, so bestätigt die Polizei, die den Demonstrationszug begleitete, zogen die Jugendlichen durch die Innenstadt und protestierten für die Abschaffung des Abiturs nach acht Jahren, für die Errichtung einer zweiten städtischen Gesamtschule, gegen Studiengebühren und gegen Kopfnoten auf den Zeugnissen.
Bereits zu Schulbeginn gegen acht Uhr war das Bildungsstreik-Komitee mit dem Lautsprecherwagen entlang einiger weiterführender Schulen gefahren und hatte per Megaphon Schüler/innen zur Teilnahme am Streik aufgerufen. Laut Ulrich Stahl, Leiter der städt. Fachabteilung Schule und Sport, „fühlten sich das Geschwister-Scholl-Gymnasium und die Realschule Kastanienallee erheblich gestört. Konsequenzen“, so Stahl gegenüber der WAZ, „liegen im Ermessen der Schulen.“
Einträge der Fehlstunden werden am Nikolaus-Ehlen-Gymnasium vorgenommen. Schulleiter Werner Schuhmacher-Conrad: „Sonst nichts. Es bleibt aber den Klassenlehrern der Sekundarstufe I überlassen, die Eltern schriftlich zu informieren.“
Anders am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Laut Schulleiterin Angelika Vogt „werden die unentschuldigten Fehlstunden ins Klassenbuch eingetragen und den Eltern mitgeteilt. Wir haben eine Informationspflicht gegenüber den Erziehungsberechtigten. Diese Mitteilung hat den Stellenwert eines Tadels.“
Am Bildungsstreik nahmen auch die Landtagskandidaten Volker Münchow (SPD), Thomas Auer (Bündnis 90/Die Grünen) und, gleichzeitig in der Funktion des Komitee-Sprechers, Serdar Agit Boztemur (Die Linke) teil. Volker Münchow und auch Thomas Auer unterstützen, dass Schüler/innen „sich politisch zeigen, für ihre Rechte auf die Straße gehen und demonstrieren.“ Beide Politiker unisono: „Sie hätten es sich nur leichter machen können, wenn sie erst ab 13 Uhr demonstriert hätten.“ Beide betonten auch in ihren Reden „die Wichtigkeit einer solchen Demonstration“. Boztemur und auch Jan Lichtwitz (Initiative für eine 2. städtische Gesamtschule) forderten die Schüler auf, „uns zu informieren, wenn Euch Eure Schule Repressionen androht“.
Auf dem Forumsplatz (noch rund 300 Teilnehmer) gab das Bildungsstreik-Komitee vorgedruckte Formulare für die Fehlstunden-Entschuldigungen aus, die von den Eltern unterschrieben werden können. Inhalt: „Sie/er konnte an diesem Tag nicht am Unterricht teilnehmen, weil sie/er gegen die Missstände im Bildungssystem protestiert und das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit (Art. 8, Grundgesetz) wahrgenommen hat.“
22:19
@F.P.
Das G8 war eine Initiative der alten, Rot-Grünen Landesregierung.
Abschaffen ist also Heuchelei.
Die miserable Umsetzung war eine Initiative der derzeitigen, schwarz-gelben Regierung, wie auch diverser anderer indeologiezerfressener Schrott, den die Bildungspolitik nennen, der aber bisher nur zu Lasten der Schüler/Studenten geht.
Als erste Gegenmaßnahme fällt mir zunächst ein: den wählen, der die Studiengebühren abschafft. Mal sehen...
14:45
Dass sich Herr Münchow dafür einsetzt u.a. das G8 abzuschaffen, ist ein blanker Hohn. Folgende Antwort bekam ich auf meine email Ende 2008 vom Wahlkreisbüro der SPD-Vorsitzende in NRW.
………Sollte die SPD nach der Landtagswahl in der Regierung sein, wird das Abitur nach 12 Jahren nicht wieder abgeschafft. Die Einführung war ein notwendiger Schritt, um im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig zu bleiben, denn unsere Jugendlichen sind zurzeit im Vergleich zu anderen Ländern zu alt, wenn sie in das Berufsleben eintreten…………
10:10
Ich hätte mich doch sehr gewundert, wenn von Thomas Auer kein blöder Kommentar gekommen wäre.
08:22
Solange man dem Kapitalismus folgt und nur denkt was einem vorgelebt ...
Autsch.
Das hasenfüssige Verhalten der Schulleiterin der höheren Schule mit dem hehren Namen hat nichts mit Kapitalismus zu tun. Unterdrückung der Meinungsfreiheit und Zerstörung menschlicher Solidarität konnte ich im Sozialismus selbst erfahren. Das war kein Unfall, sondern Programm einer menschenverachtenden Ideologie, wie wir sie auch von den Nazis kennen.
00:46
Normales Verhalten der Schulleiterin. Solange man dem Kapitalismus folgt und nur denkt was einem vorgelebt und geschrieben wird ohne selbst drüber nach zu denken, solange wird man dies auch an seine Schüler weiter geben. Soziales Denken total fehl am Platz. Man demonstriert nicht nur für sich selbst, sondern gegen die sozialen Missstände aller. Solidarität auch für die Interessen anderer solange sie rechtens und gut sind. Nicht nur für sich selbst!
00:16
Und als Ergänzung zu metropol:
...und sicherlich nicht auch einen gesunden Hang zum zivilen Ungehorsam.
Fehlt nur noch der Hut eines Vogtes, der gegrüßt werden muss...^^
21:58
Das GSG habe ich anlässlich einer Veranstaltung zum Holocaust besucht, man trägt ja einen berühmten Namen.
Vielleicht erklären die Schüler ihrer Schulleiterin einmal, dass es sich bei diesem Namen nicht nur um Verantwortung für Folklore handelt, sondern dass man ein Gefühl für Verantwortung und Gerechtigkeit nur wird entwickeln können, wenn die Biedermänner und Frauen nicht schon bei solch lächerlichen Anlässen Konformität und Duckmäusertum einfordern.
Zivilcourage lernt man auf dieser Schule nicht.
21:22
Naja, die meisten Schüler am GSG waren sowieso gegen diesen Streik, da dieser größtenteils sinnlos ist.
2-3 Punkte sind interessant und könnten vertieft werden, aber allein die Forderung nach einer 2ten Gesamtschule hat diesen Streik lächerlich gemacht.
Gruß, ein GSG-Schüler
20:54
Vielleicht sollte man die Schüler einfach stärker in der Bildungs-Politik mitbestimmen lassen.
20:30
300 Teilnehmer ist nicht gerade viel. In den Schulen haben bestimmt deutlich mehr Schueler gefehlt.