Karrierestart dauerte zwanzig Jahre

Dave Esser bei seinem Auftritt in Wülfrath
Dave Esser bei seinem Auftritt in Wülfrath
Foto: frei
Was wir bereits wissen
1993 trat er als „Big Dave“ im Langenberger Bürgerhaus auf. Bei der WAZ-Talentshow zur Caravan-Show in Essen war er damals der Publikumsliebling. Jetzt erhielt David Esser einen Plattenvertrag.

Wülfrath..  „Nach kurzer Unterbrechung der Tour legen wir jetzt wieder richtig los!”, begrüßt Sänger Dave Esser (36) sein Publikum bei der WÜRG, der Wülfrather Rock Gemeinschaft, zum Konzert anlässlich der Veröffentlichung seines ersten Albums „Menetekel.” Nun: Die Formulierung „kurze Unterbrechung” ist dabei nicht ganz wörtlich zu verstehen. Spielt sie doch auf Essers erste Auftritte im Bürgerhaus Langenberg an – die über zwei Jahrzehnte zurückliegen. Spätstart einer beachtlichen Karriere

Es war 1993 und die Pläne des damals 15-Jährigen waren konkret und keineswegs zu bescheiden: „David aus Velbert will ein großer Star werden” titelte die WAZ, als sie auf ihrer Seite „Aus aller Welt” über einen ambitionierten Schüler berichtete, der bei der großen WAZ-Talentshow anlässlich des Essener Caravan-Salons in der Grugahalle der Publikumsliebling war. Mit der Rockstar-Karriere hat es dann zwar noch etwas gedauert: 22 Jahre später hat Esser nun aber immerhin den Plattenvertrag in der Tasche und sein Album steht in den Verkaufsregalen. Den Zeitungsartikel aus der WAZ von einst hat er bis heute aufbewahrt.

Markenzeichen: Markante Stimme, anspruchsvolle Texte

Warum es damals, 1993 in Essen, nicht schon sofort geklappt hat? Esser erinnert sich genau: „Ich bin in der Vorentscheidung auf dem ersten Platz gelandet. In der Endausscheidung aber hat mich die Jury für den Wackelkontakt im Keyboard abgestraft!” Trotzdem sprengte er damals das Applausbarometer, war Publikumsliebling, so dass es immerhin noch für den dritten Platz reichte. Auch wenn der große Durchbruch für Esser nicht auf Anhieb kam: Der Wunsch, ein großer Star zu werden blieb, und seine Hartnäckigkeit hat sich nun ausgezahlt. Nachdem er zuletzt zwölf Jahre als Sänger und Komponist der melodischen Darkrockband „Schattenspieler“ bundesweit Bühnenerfahrung sammelte, konnte er über seinen Freund Mario Decher aus Heiligenhaus, der auch die Band „The Mystery“ managt, schließlich die entscheidenden Kontakte in der Musikbranche knüpfen: Er begeisterte das Label „Borila ReKords“ für seine tiefe markante Stimme und seine recht anspruchsvollen, oft sozial- und konsumkritischen Texte.

Alte Weggefährten sind dabei

Auf „Menetekel” finden sich neben aktuellen Stücken auch Lieder, die Esser vor vielen Jahren schrieb, so dass sein Verweis auf die „nur kurz unterbrochene Show“ gar nicht so weit hergeholt ist. Und: Immer noch legt er großen Wert darauf, seine Musik selbst zu schreiben und professionell zu arbeiten. So sind auch die fünf Musiker, mit denen gemeinsam er das Album eingespielt hat und jetzt live vorstellte, allesamt mit großem Bedacht ausgewählt, zum Teil alte Weggefährten aus Schattenspieler-Zeiten. Auch unter den Fans In Wülfrath fanden sich neben jüngeren Musikbegeisterten zahlreiche treue Anhänger aus alten Zeiten.

Viele davon waren hoch erfreut, nach dem Konzert endlich ein Dave-Esser-Album mit nach Hause nehmen zu können.

Facettenreiches „Menetekel“

Dave Esser sperrt sich dagegen, sich auf ein Genre festzulegen. Und so ist sein Debütalbum „Menetekel”, obschon hauptsächlich im Rock beheimatet, auch überaus facettenreich.

Zum Beispiel das Lied „Eis”: eine Ballade über Herzschmerz, zu der es bei Youtube auch einen Musikclip gibt. „Fireborn” ist nicht nur von deutlich härteren Gitarrenriffs und Heavy-Metal-Elementen geprägt. Es zeigt auch, dass Esser zu guter Musik auf Englisch und Deutsch auch gute Texte macht.

Der Wilde Westen Amerikas

„Country Princess” versetzt den Hörer schon nach wenigen Sekunden in den Wilden Westen Amerikas. Esser beweist auf seiner ersten CD, was seine Stimme kann und wie vielseitig er begeistern kann. In Texten wie „Perfekte Welt“ oder „Unter der Maske“ erinnert er sich und die Hörer an die eigene Gesellschaftsverantwortung.

Auf einem alten Transparent ist übrigens heute noch zu lesen, was er damals im Bürgerhaus sang: „Like a tree“, „Never let me go“ und „But I red it in your eyes“.