Karlsten Coleman aus Velbert fand Weg aus Hartz IV

Er hat’s geschafft: Karlsten Coleman aus Velbert  ist nun Rohrvorrichter – eine Umschulung hat das möglich gemacht. Jetzt will er anderen Arbeitslosen Mut machen.
Er hat’s geschafft: Karlsten Coleman aus Velbert ist nun Rohrvorrichter – eine Umschulung hat das möglich gemacht. Jetzt will er anderen Arbeitslosen Mut machen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Jobcenter will mit einem ehemaligen Kunden Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit präsentieren. Der Vorzeige-Kandidat aus Velbert ist Karlsten Coleman (28).

Velbert.. „Ein paar Monate ist man motiviert. Dann kommt eine Phase, wo man denkt: Gibt eh wieder nur eine Absage. Es ist wirklich anstrengend, wenn man den ganzen Tag zu Hause ist. Ich will nicht sagen, meine Frau sei genervt von mir gewesen. Aber wenn man irgendwann nichts mehr mit sich anzufangen weiß, schraubt man aus Langeweile sogar den Griff von der Schranktür ab und schraubt ihn dann wieder dran.“ So schildert Karlsten Coleman (28) seine lange Arbeitslosigkeit.

„Man kommt in so einen richtigen Trottel-Trott hinein“, ergänzt Martina Würker, Chefin des Jobcenters Me-aktiv und selber mal ein Dreivierteiljahr arbeitslos gewesen. Heute können beide locker darüber reden – Coleman ist zurück in Arbeit. Er war langzeitarbeitslos, wie gut die Hälfte der 26 300 hiesigen Jobcenter-Kunden. Jetzt steht er zusammen mit zwei anderen aus dem Kreis für das Motto „Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit“.

Ausbildung zum Fachlageristen

2007 hat der Velberter Coleman seine Ausbildung zum Fachlageristen abgeschlossen und wurde für ein Jahr übernommen. Danach hat er sich für sich und seine vierköpfige Familie immer wieder erfolglos um ein festes Einkommen bemüht. In seinem gelernten Beruf als Fachkraft zu teuer, wollte ihn ein Dachdecker-Betrieb später nicht halten, weil er nicht als Fachkraft zählte. Erst 2013, als er die Jobcenter-Vermittlerin Bettina Bommersbach-Rudnik kennen lernte, ging es bergauf, sagt er. Bommersbach berichtet: „Sein Stand damals: Mit Helfertätigkeiten komme ich nicht dauerhaft in Beschäftigung.“

Geschafft hat er es letztlich durch den Besuch einer Jobbörse und durch Internetrecherche, sagt er. So kam er auf die eher unbekannte Tätigkeit Rohrvorrichter/Schweißer – in der er sein technisches Vorwissen und sein einstiges Praktikum bei Bayer in Leverkusen geltend machen konnte. Das Jobcenter hat ihm die Umschulungsmaßnahme ermöglicht.

Etwas Neues lernen

In Kurzform klingt das vielleicht einfach. Doch, wie Bommersbach betont, hat sich Coleman vor allem durch die „hohe Motivation, in eine andere Richtung als die gelernte zu gehen und noch was Neues zu lernen“, ausgezeichnet. Insofern gilt er dem Jobcenter als vorbildhaft.

Heute steht er hier, um Langzeitarbeitslosen Mut zu machen. „Ich mach das gerne“, sagt er über seine Arbeit, „und als Familie freuen wir uns, dass wir nach so vielen Jahren mal wieder Geld auf die Seite legen konnten – für Urlaub.“

Querdenken bei der Arbeitssuche hilft

„Über die Top 5 der Berufswünsche vergisst man schnell die 345 weiteren Ausbildungsberufe,“ sagte Wolfgang Mai, Chef der hiesigen Arbeitsagentur. Zwar bezog er sich dabei auf den Arbeitsmarkt, doch Analoges gelte auch für Arbeitslose und Vermittler, sagt Martina Würker vom Jobcenter: „Unsere Integrationsfachkräfte müssen immer querdenken — was könnte zum Beispiel die Frau Zeidler noch machen?“

Eine Liste aller anerkannten Ausbildungsberufe gibt es z.B. im Internet auf den Seiten der IHK.